Georg Fischer: Minus 10 Prozent seit den Juli-Hochs. Feintool: Minus 12 Prozent seit Anfang Juli. Autoneum: Die Aktie fiel in wenigen Wochen sogar um 20 Prozent. Zum Vergleich: Der SMI büsste gegenüber den Höchstständen, die vor sechs Wochen zu sehen waren, lediglich rund 3 Prozent ein. Mit Ausnahme von SFS Group – die ein ähnliches Kursminus wie der SMI aufweist – laufen nicht nur die Aktien von Schweizer Autozulieferern seit dem Juli schlecht, sondern auch die Titel des Sektors, beispielsweise in Deutschland. PWO und Leoni liegen gegenüber dem Juli-Hoch 20 Prozent hinten, Paragon AG hat sogar 25 Prozent verloren.

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Die Autozulieferer kamen dabei im Schlepptau der Autohersteller unter die Räder, denn in der Autobranche ziehen überraschend dunkle Wolken auf. Da sind die Sanktionen gegen Russland, die sich auch auf die Geschäfte, insbesondere der deutschen Premiumhersteller auswirken. Und auch in Russland selbst zeigt der Automarkt Bremsspuren. So fielen die Verkaufszahlen im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 22,9 Prozent. Als Grund wird fallende Kauflaune der russischen Verbraucher wegen der Sanktionen von EU und den USA gegen das Land genannt.

Neuzulassungen an den wichtigsten Automärkten mit hohem Tempo

Da gibt es zusätzlich Probleme mit chinesischen Behörden. Diese werfen Autoherstellern wie Audi und Chrysler Verstösse gegen chinesische Monopolgesetze und zum Beispiel überhöhte Preise vor. Audi beispielsweise räumt schon jetzt ein, Verstösse begangen zu haben und will eine Strafe akzeptieren. Chinesische Staatsmedien berichten über ein Strafmass gegen den Autobauer aus Ingolstadt in der Höhe von 1,8 Milliarden Yuan – rund 265 Millionen Franken.

Trotz dieser Störfeuer läuft der Automarkt weltweit derzeit noch mit einem hohen Tempo. So stieg die Zahl der Neuzulassungen nach Angaben des Verbands der deutschen Automobilindustrie im Juli in den meisten wichtigen Märkten. In Westeuropa gab es mit einem Zuwachs der Neuzulassungen um 5 Prozent das elfte Monatsplus in Folge. In den USA stieg der Absatz von PKWs und Geländewagen um 9 Prozent, China verbuchte im vergangenen Monat  bei PKWs ein Absatzplus von mehr als 10 Prozent und knackte damit seit Jahresbeginn mit einem Zuwachs von 14 Prozent schon die Zehnmillionen-Marke. In Indien gab es ebenfalls ein hohes Verkaufsplus von 7 Prozent.

Kostensenkungen: BMW hat Zulieferer im Visier

Von den grossen Märkten verzeichnet neben Russland lediglich Brasilien mit -14 Prozent einen grösseren Rückgang. Japan verbuchte im Juli zwar ein Absatzminus von knapp 3 Prozent, seit Jahresanfang beträgt das Plus jedoch rund 9 Prozent. Das ist erstaunlich, da Nippons gesamtwirtschaftliche Nachfrage im zweiten Quartal um 6,8 Prozent zurückgegangen ist.

Mit den starken Zulassungszahlen verzeichneten auch Autohersteller wie BMW, Daimler oder Audi starke Halbjahreswerte. BMW beispielsweise steigerte den Gewinn im zweiten Quartal insbesondere wegen Verkaufs von besonders teuren Autos um 27 Prozent, dennoch wollen die Münchner noch stärker auf die Kosten achten. Die will das DAX-Mitglied um einige hundert Millionen Euro im Jahr drücken und hat dabei auch die Zulieferer im Visier. Legt man die Aussagen des BMW-Managements zugrunde, verdienen Zulieferer nach BWM-Ansicht wohl zu gut.

Zulieferer setzen auf Diversifikation

Ob aber insbesondere die Premiummarken tatsächlich Preissenkungen durchsetzen können, wird sich zeigen, denn viele Autozulieferer sind in ihrer Nische sehr spezialisiert und schwer ersetzbar. Autoneum etwa liefert Produkte zur Lärm- und Wärmedämmung, die insbesondere im Premiumbereich eingebaut werden und betrachtet sich in ihrem Segment weltweit als Marktführer. Feintool sieht sich ebenfalls als weltweit führend in ihrem Bereich – bei der Produktion einbaufertiger Feinschneid- und Umformkomponenten, wie sie besonders in der Automobilindustrie verwendet werden. Oder Leoni: Der MDAX-Konzern aus Nürnberg ist bei Leitungen und Bordnetzen für Fahrzeuge weltweit führend. Diese Leitungen und Bordnetze sind viel mehr als nur einfache Drähte – solche Lieferanten werden wohl nicht so einfach ausgewechselt oder unter allzu grossen Preisdruck gesetzt werden können.

Obendrein achten die Autozulieferer verstärkt auf Diversifikation, um sich von der Autoindustrie unabhängiger machen zu können. Die deutsche Paragon beispielsweise wächst mit dem erst 2012 neu gestarteten Geschäftsbereich der Elektromobilität nicht nur rasant – bereits im nächsten Jahr will der Konzern 30 Prozent seiner Umsätze mit Batteriepacks und weiteren Produkten für Elektromobilität erzielen –, zusätzlich setzt das Unternehmen auf Kunden jenseits der Autobranche. So gibt es beispielsweise mit dem Bahnkonzern Vossloh grössere Liefervereinbarungen für Batterien für Busse. Nach Firmenangaben soll der MDAX-Konzern für die nächsten Jahre rund 1000 Batteriepacks zur Abnahme avisiert haben. Erst Ende 2013 gab es dabei zum Beispiel eine Lieferung von 42 Batterien für Busse im öffentlichen Nahverkehr in Genf und Luzern.

Georg Fischer, Feintool, SFS – Abhängigkeit von der Autoindustrie ist teilweise gering

Nicht vollumfänglich von der Autoindustrie abhängig ist auch Georg Fischer. Der Maschinenbauer ist im Autobereich und im Segment von Rohrsystemen stark und erzielt nur rund 40 Prozent der Umsätze mit der Fahrzeugindustrie. Feintool hingegen hat ein wichtiges Standbein mit ihren Feinschneidmaschinen. SFS Group erzielt aktuell sogar nur 23,9 Prozent ihrer Umsätze mit Kunden aus der Autoindustrie. Die jüngsten starken Kursrückschläge einiger Zulieferer könnten damit gute Kaufgelegenheiten sein.

Zwar ist Autoneum mit einem erwarteten 12er-KGV im Branchenvergleich überdurchschnittlich hoch bewertet, doch der Spezialist für Lärm- und Wärmedämmung fokussiert sich derzeit auf den Ausbau der Kapazitäten und auf die Organisationsstruktur des Unternehmens. Da sind mittelfristig nicht nur höhere Umsätze, sondern auch Margensteigerungen und damit überproportionale Gewinnsteigerungen zu erwarten. Nach dem starken Kursverfall seit Mitte Juli hat die Aktie jetzt an der Unterstützung bei 150 Franken wieder nach oben gedreht. Kurzfristig orientierte Anleger spekulieren auf eine Fortsetzung des Rebounds.

Im vergangenen Jahr steigerte der Spezialist bei verschiedenen Produkten für Autos wie etwa Sensoren seinen Umsatz um 4,9 Prozent. In diesem Jahr soll es ein Umsatzplus von rund 8 Prozent geben. Wegen der starken Wachstumsraten im neuen Geschäftsfeld Elektromobilität rechnet Firmenchef Klaus Dieter Frers für 2015 sogar mit Steigerungen der Erlöse von 20 Prozent. Mit einem 8er-KGV ist die Aktie günstig zu haben.

Wegen hoher Investitionen in neue Kapazitäten und neue Produkte blieb Leoni im ersten Halbjahr hinter den Schätzungen der Analysten zurück, was zu einem deutlichen Kursverfall der Aktie führte, doch Firmenchef Klaus Probst sieht beim Unternehmen alles nach Plan laufen: Bis 2016 sollen die Umsätze um 25 Prozent auf fünf Milliarden Euro steigen, der operative Gewinn soll sich sogar auf 350 Millionen Euro verdoppeln. Da wäre ein Gewinn von mehr als 6,0 Euro je Aktie drin – 7er-KGV. Auf dieser Basis besitzt die Aktie auf Sicht von etwa zwei Jahren zumindest 50 Prozent Potenzial.