Vor einem Jahr hatte die Redaktion von stocksDIGITAL Autotitel und zwar konkret die Zulieferer der Branche unter die Lupe genommen. Damals gab es Kursverluste im gesamten Auto-Sektor wegen der Russlandsanktionen und auch wegen behördlicher Querelen in China, insbesondere wegen vermeintlicher Verstösse von Autobauern gegen chinesische Monopolgesetze. Die Aktien vieler Firmen der Branche rutschten damals um 20 Prozent oder sogar noch weiter nach unten.

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Unsere drei Empfehlungen – Autoneum, Leoni und Paragon – verzeichneten kurz zuvor ebenfalls hohe Verluste. Während der SMI damals nur ein kleines Minus von rund 3 Prozent zu verkraften hatte, fielen Autoneum und Leoni um 20 Prozent, und bei Paragon gab es sogar einen Kursrutsch um 25 Prozent.

Autozulieferer – starker Lauf nach dem Crash vor einem Jahr

Aber, wie erfahrene Börsianer wissen: Solche panischen Kursreaktionen sind oft eine gute Gelegenheit zum Einstieg. Tatsächlich notiert die Aktie von Autoneum heute um 25 Prozent höher als vor einem Jahr bei der Empfehlung. Leoni bringt ein Plus von 20 Prozent, und Paragon liefert mit einem Kursanstieg um 85 Prozent sogar fast eine Kursverdoppelung. SMI und DAX bringen es seither lediglich auf Kursgewinne von 5 und 10 Prozent. Immerhin: Die Autokonzerne sind nach wie vor im Reich der Mitte unterwegs. Chinas Automarkt läuft derzeit aber gebremst, denn infolge der Kursverluste am chinesischen Aktienmarkt seit Juni um rund 40 Prozent ging es auch mit den Absatzzahlen von Autos im Reich der Mitte nach unten. So senkte der VDA, der Verband der deutschen Automobilindustrie, seine Wachstumsprognose für China für 2015 vor kurzem von einem Plus von 6 Prozent nun auf maximal 4 Prozent. Bis Ende Juli lag das Absatzplus übrigens noch bei 5,3 Prozent. Und für nächstes Jahr erwarten Autoexperten teilweise sogar schon eine Schrumpfung.

Europa – Automarkt drückt aufs Tempo

Allerdings haben die Autobauer VW, Audi oder BMW bereits auf die Absatzschwäche reagiert und fahren die Produktion zurück. Aber: Während China jetzt Schwäche zeigt, zieht es den europäischen Automarkt steil nach oben. Im August stieg die Zahl der Neuzulassungen in der Europäischen Union um 11,2 Prozent auf rund 745'000 Fahrzeuge. Damit beschleunigt sich die Dynamik noch. Denn in den ersten acht Monaten lag das Plus insgesamt nur bei 8,6 Prozent.

Die Perspektiven insgesamt sind damit für die Branche also gar nicht so trüb. Verluste in China können schliesslich mit Zuwächsen in Europa mehr oder weniger gut ausgeglichen werden. Die Kursverluste der Autobauer und der Zulieferer im August im Zuge der China-Angst sind inzwischen auch schon zum Teil wieder ausgeglichen. Autoneum hat ein Niveau wie vor Krise so gut wie wieder erreicht, Paragon schiesst ab und einzig Leoni läuft den August-Hochs noch um rund 10 Prozent hinterher.

Welche Titel sind nun vielversprechend?

Die Aktie des Spezialisten für Systeme in PKWs zur Sicherheit und Innenausstattung ist seit Monaten unter Druck. Allerdings wächst der Konzern aus Oberkirch im Schwarzwald nach wie vor. Im zweiten Quartal beispielsweise gab es ein Umsatzplus von 6,6 Prozent auf 101,2 Millionen Euro. Wegen des schwachen Jahresanfangs lag das Plus im ersten Halbjahr zwar nur bei 3,1 Prozent auf 200,8 Millionen Euro, doch für das Gesamtjahr hat Firmenchef Volker Simon die Prognose jetzt bestätigt: Der Umsatz soll von 381,1 Millionen Euro auf rund 400 Millionen Euro steigen, das operative Ergebnis von 16,7 auf rund 19 Millionen Euro zulegen. Mit einem erwarteten 12er-KGV ist die Aktie angesichts starker Expansion – aktuell wurde der erste reine Montagestandort des Unternehmens in China eröffnet und für 2016 sind Produktionsanläufe neuer Modelle angekündigt – moderat bewertet.

Die Aktie des Herstellers von Sitzen und Komponenten für die Innenausstattung von PKWs war monatelang im Rückwärtsgang. Zuletzt sorgte die Senkung der Prognosen für einen Kursrutsch. Nun ist es allerdings infolge eines Grossauftrags für den grössten Baumaschinenhersteller der Welt, Caterpillar, zu einem deutlichen Rebound bei der Aktie des SDAX-Mitglieds gekommen. Bis 2019 soll der Umsatz im Konzern um etwa einen Drittel auf dann 2,0 Milliarden Euro steigen. Da könnten auch Gewinne im Bereich von 5,0 Euro je Aktie drin sein. Aktuelle Kurse, nur knapp über dem Buchwert von 21,34 Euro, sind klare Kaufkurse.

Der Spezialist für Bremsscheiben, Pumpen und Motorteile steigerte seinen Umsatz im ersten Halbjahr um starke 13,2 Prozent auf 240,1 Millionen Euro und den Gewinn sogar um 33,6 Prozent auf 9,6 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet Firmenchef Frank Boshoff ein Umsatzwachstum von 430,0 auf 470,0 Millionen Euro sowie beim bereinigten Rohertrag einen Anstieg von 40,6 auf 46,0 bis 50,0 Millionen Euro. Im 2018 soll der Umsatz sogar wegen der forcierten internationalen Expansion bei 620 Millionen und 2020 bei 700 Millionen Euro liegen. Dennoch: Die Analysten von Exane BNP Paribas schraubten das Kursziel des SDAX-Mitglieds vor einigen Tagen von 47 auf 33 Euro zurück. Das brachte einen massiven Kursverfall bei der Aktie um rund 30 Prozent innert weniger Tage. Eine gute Gelegenheit zum Einstieg.