VW: 7 Prozent Kursverlust seit den Septemberhochs. BMW: 10 Prozent Minus in sechs Wochen. Daimler: Auch die Aktie des Autobauers aus Stuttgart notiert noch 10 Prozent unter ihrem Zweimonatshoch. Die Aktien von Zulieferern der Autobranche hat es teilweise noch stärker erwischt. Während Autoneum die aktuelle Korrekturdelle inzwischen mehr als ausgebügelt hat und sogar wieder über dem Septemberhoch notiert, liegen Georg Fischer und Feintool jeweils noch um rund 11 Prozent zurück. Bei der deutschen Grammer AG beträgt das Minus sogar 20 Prozent.

Hohe Kursverluste – operativ scheint das wenig gerechtfertigt zu sein. So verzeichnet die Autoindustrie derzeit Rekordverkäufe. Daimler meldete am gestrigen Donnerstag für das dritte Quartal einen Anstieg im Absatz von PKWs und Nutzfahrzeugen von 7 Prozent auf 637'000 Fahrzeuge und damit einen neuen Rekord.

Automarkt – Zuwächse in allen wichtigen Absatzregionen

Gut läuft es auch bei der Konkurrenz der Schwaben in München und Wolfsburg. BMW schaffte im September ein Absatzplus von 6 Prozent, VW steigerte die Verkaufszahlen um 3 Prozent. Der gesamte Automarkt bleibt in Schwung. So stiegen die Neuzulassungen von PKWs in Deutschland im September um 5 Prozent, Frankreich verbuchte ein Plus von 6 Prozent, und sogar in den Krisenländern Italien und Spanien werden wieder Autos gekauft. Während es im Nachbarland im vergangenen Monat ein Plus von 3 Prozent gegeben hat, legte der spanische Markt um 26 Prozent zu. Dort zeigen sich eindeutig die Auswirkungen der von der Regierung eingeführten Verschrottungsprämie.  

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13 Monate in Folge verbucht Europa inzwischen ein Absatzplus am Automarkt. Auch rund um den Globus bleiben Autos gefragt. Der chinesische Automarkt schaffte im September ein Plus von 8,1 Prozent, in Indien hat es Zuwächse von 3,3 gegeben und in den USA bleibt das Tempo mit einer Steigerung von 9,3 Prozent ebenfalls sehr hoch. Zwar mussten Russland und Brasilien Rückgänge von 3,9 und 20,1 Prozent verbuchen, doch der Absatz der beiden Schwellenländer ist im Vergleich zum riesigen US- und China-Markt gering. So werden in den Staaten und im Reich der Mitte annähernd zehnmal so viele Fahrzeuge neu verkauft wie in Russland und in Brasilien.

Feintool: Anleger setzen auf die Quartalszahlen am Dienstag

Vor diesem Hintergrund scheinen die aktuell noch hohen Kursverluste bei den genannten Autozulieferern eine günstige Gelegenheit zum Einstieg zu sein, denn die Geschäfte sind bisher rund gelaufen. So berichtete Feintool Mitte August anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen über ein Umsatzplus von 19,3 Prozent auf 245 Millionen Franken. Die Verdoppelung der operativen Marge auf 7,1 Prozent brachte beim Gewinn eine Verdreifachung auf 12,0 Millionen Franken. Der Ausblick des Spezialisten für Feinschneiden und Umformen bleibt optimistisch.

Nach einem angekündigten Umsatz von 470 bis 480 Millionen Franken in diesem Jahr ist zu erwarten, dass die Erlöse schon mittelfristig auf 600 Millionen Franken steigen werden und dass die Marge auf 8,0 Prozent zulegen wird. Angesichts eines 7er- oder 8er-KGVs, das schon in wenigen Jahren zustande kommen kann, greifen Anleger bei Feintool nach den Kursverlusten der letzten Monate jetzt wieder zu und setzen damit auf erneut starke Zahlen zum dritten Quartal. Die Zahlen werden am kommenden Dienstag präsentiert werden.

Grammer – Börsianer spekulieren auf den Sprung über die 30-Euro-Marke

Ein richtiges Schnäppchen dürfte die Aktie der deutschen Grammer AG sein. In den letzten vier Monaten hat die Notierung des Sitzherstellers und Zulieferers der Auto-, Bahn- und Nutzfahrzeugindustrie 35 Prozent an Wert verloren. Dabei laufen die Geschäfte des SDAX-Mitglieds rund. Nach einem Umsatzanstieg um 12 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr schaffte der Konzern aus Amberg im ersten Halbjahr ein weiteres Plus von 4,2 Prozent. Für das Gesamtjahr peilt Firmenchef Hartmut Müller den vierten Umsatzrekord in Folge an. Mittel- bis langfristig ist mit weiteren Steigerungen zu rechnen.

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Das Unternehmen aus der Oberpfalz baut die Produktion in Nord- und Südamerika sowie in China und Osteuropa aus und will neue Technologien zukaufen. In den nächsten fünf Jahren soll der Umsatz um 30 bis 40 Prozent steigen. Da ist mittelfristig annähernd eine Gewinnverdopplung bis in den Bereich von 5,0 Euro je Aktie drin. Beim aktuellen 8er-KGV steigen Anleger auch hier jetzt ein und spekulieren auf den Fall der 30-Euro-Marke mit einem folgenden schnellen Anstieg der Kursdynamik.

Georg Fischer: 12er-KGV in diesem und steigende Margen im nächsten Jahr

Zwar erzielt Georg Fischer in ihrer Autosparte GF Automotive im ersten Halbjahr nur rund 40 Prozent der Umsätze und die Firma konnte die Erlöse dabei lediglich um 2 Prozent auf 1,9 Milliarden Franken ausbauen, doch der Anstieg der Marge von 6,4 auf 7,0 Prozent brachte im Konzern einen Gewinnsprung um 11 Prozent auf 92 Millionen Franken. Für das zweite Halbjahr wird trotz der saisonüblich niedrigeren Erlöse ein Ergebnis auf einem ähnlichen Niveau erwartet. Nach dem Kursrückgang um 25 Prozent seit April ist die Aktie nun mit 12er-KGV wieder moderat bewertet, zumal erwartet wird, dass die Margen im nächsten Jahr weiter auf dann rund 8 Prozent steigen werden.

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