Die Berichterstattung in den Schweizer Medien über das Baltikum hält sich in Grenzen. Dafür sind die im Norden Europas gelegenen drei baltischen Staaten zu weit entfernt, mit rund 6,5 Millionen Einwohnern zu klein und auch politisch und wirtschaftlich nicht bedeutsam genug.

Doch in mancherlei Hinsicht hätten Estland, Lettland und Litauen mehr Aufmerksamkeit verdient. So ist es beachtenswert, was diese drei Länder seit der im Jahr 1991 erkämpften Unabhängigkeit von der Sowjetunion erreicht haben. 2008/09 mündete der vorherige Boom zwar in eine schwere Krise, aber aus diesem Loch haben sich die Balten in bemerkenswerter Art und Weise wieder herausgekämpft. Nachdem 2009 die lokalen Bruttoinlandprodukte 2009 in der Spitze um 17,7 Prozent eingebrochen waren, führten die drei Länder in den vergangenen Jahren die Wachstums-Rangliste in der EU wieder an.

Strikte Austeritäts- und Reformpolitik

Erreicht wurde die Wende mit Hilfe einer strikten Austeritäts- und Reformpolitik. Das heben auch die Experten von Germany Trade and Invest (GTAI) lobend hervor: «Alle drei baltischen Länder haben den Grundstein für den starken Konjunkturaufschwung mit einer beeindruckenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anpassungsfähigkeit in der Krise gelegt.»

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Zunächst hatten konsequente Einsparungen der Privatwirtschaft und der öffentlichen Hand, Lohnsenkungen und weitere Preisrückgänge die internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessert. Der Exportboom habe dann auch in allen drei Ländern den ersten und nachhaltigsten Anstoss zur Erholung gegeben, heisst es in einer Studie.

Starke Performance

Zum Lohn konnte Lettland Anfang 2014 beim Euro mitmachen. 2011 hatte diesen Schritt bereits Estland vollzogen, und 2015 will auch Litauen folgen. Trotz dieser Erfolge gibt es in den baltischen Staaten natürlich auch noch immer viel zu tun. Ein Problem stellen teilweise noch oligarchische Strukturen dar, und eine Bürde ist auch die Demografie, weil die Bevölkerung altert und viele fähige Kräfte auswandern.

Insgesamt dürfen die Menschen vor Ort aber Stolz sein auf das Erreichte. Belohnt wird das übrigens auch an der Börse. So hat sich der OMX Baltic Benchmark GI Index seit Anfang März 2009 mehr als verdoppelt. Zu einer ähnlich starken Performance dürfte es in den nächsten vier Jahren zwar nicht mehr reichen, zumal es den Unternehmen zusehends schwerer fällt, Umsätze und Gewinne weiter deutlich zu steigern. So rechnet die Swedbank für das vierte Quartal sogar mit einer von 14,0 auf 13,3 Prozent sinkenden Ebitda-Marge.

Moderate Bewertungen

Ein wichtiger Pluspunkt sind aber die in vielen Fällen noch immer moderaten Bewertungen. Auf den Kurszetteln lassen sich nach wie vor Werte mit einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnissen und von Kurs-Buchwert-Verhältnissen von unter eins finden. Zudem werden teilweise recht ansehnliche Dividenden gezahlt.

In die Kategorie günstig bewertet, fallen auch jene drei lokalen Standardwerte, welche die Swedbank derzeit mit dem Prädikat «Strong Buy» versehen hat (siehe Empfehlungskasten). Diese Werte werden auch an deutschen Börsen gehandelt. Kaufaufträge sollten aber bevorzugt an der Nasdaq OMX platziert werden. Allerdings sind auch dort die Handelsumsätze relativ gering. Wer wegen der dünnen Liquidität ein Engagement in Einzelwerten scheut, sich aber grundsätzlich für ein Baltikum-Investment interessiert, der kann auf ein Index-Zertifikat ausweichen. Zur Auswahl steht unter anderem das Open-End-Zertifikat der Deutschen Bank auf den S-BOX Baltic Performance Index (ISIN: DE000DB2BTK6).

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