Der Barrier Reverse Convertible, kurz BRC, gibt im Schweizer Markt für strukturierte Produkte seit jeher den Ton an. Aktuell sind an der SIX annähernd 7700 Exemplare kotiert. Den Geschmack vieler Anleger trifft das Produkt mit seiner obligationenähnlichen Bauart. Wobei die Betonung auf ähnlich liegt. Der BRC stellt einen attraktiven Garantie-Coupon in Aussicht. Um in den Genuss der meist deutlich über der am Rentenmarkt erzielbaren Verzinsung zu kommen, nimmt der Investor aber ein teilgeschütztes Kursrisiko, bezogen auf eine oder mehrere Aktien, in Kauf.

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In der Regel richten Anleger das Hauptaugenmerk auf Zeichnungsprodukte. Beinahe täglich bieten die Banken frische Emissionen an. Allerdings lohnt sich immer wieder auch der Blick in den Sekundärmarkt. Das gilt auch und gerade für spekulative Investoren. Dabei bringen BRCs, deren Basiswerte nach der Auflage unter Druck geraten sind und deren Risikopuffer entsprechend zusammengeschrumpft ist, nicht selten hohe Renditechancen. Wir haben uns in der heissen Ecke des Derivatemarktes nach spannenden Produkten umgesehen.

Nestlé, Novartis, Roche – das dominante Large-Cap-Trio

Wenig überraschend basieren besonders viele BRCs auf den Schwergewichten der Schweizer Börse, auf Nestlé, Novartis und Roche. Für mehr als jede fünfte Multi-Struktur bildet das Trio die Grundlage. Wegen der relativ geringen Volatilität der Large Caps – die Kursschwankungsbreite ist ein zentraler Parameter für die BRC-Konditionen – fallen die Coupons bei einer Neuemission eher gering aus. Bei etwas älteren Varianten ist deutlich mehr drin. Beispielsweise: Während sich die Nestlé-Aktie in der jüngeren Vergangenheit nach oben bewegte, musste das Basler-Pharmaduo Federn lassen. Roche büsste auf Sicht von zwölf Monaten 9 Prozent ein, Novartis gab sogar um rund 16 Prozent nach. Diese Entwicklung schlägt voll auf die Konditionen eines von Notenstein La Roche vor knapp einem Jahr emittierten Multi-BRC (ISIN CH0266715835) durch.

Ursprünglich verfügten die drei SMI-Schwergewichte über einen Risikopuffer von 25 Prozent. Nestlé hat das Polster mittlerweile auf 30 Prozent ausgebaut, während Roche gut 17 Prozent von der Barriere trennen. Kritisch ist die Lage bei Novartis. Der Pharma-Titel verfügt nach unten nur noch über einen Spielraum von weniger als 9 Prozent. Zwischenzeitlich notierte die Aktie sogar unter der Schutzschwelle. Allerdings ist der Notenstein-BRC mit einer sogenannten europäischen Option strukturiert. Das heisst, die Barriere kommt nur zum Verfall Anfang August 2017 auf den Prüfstand. Sollte Novartis die jüngste Erholung fortsetzen und der Risikopuffer auch bei Roche und Nestlé halten, winkt eine attraktive Seitwärtsrendite von 15,1 Prozent p.a. Falls dieses Kalkül nicht aufgeht, liefert Notenstein La Roche die Aktie mit der, über die gesamte Laufzeit hinweg gemessen, schwächsten Kursbilanz.

Schwankungsanfällige Versicherer

Bei derart soliden Basiswerten können mutige Anleger auch mit einem prozentual einstelligen Schutzpolster auf Renditejagd gehen. Hingegen sollten sie im Finanzsektor ein stärkeres Sicherheitsniveau wählen. Zumal das Gewinnpotenzial wegen der relativ hohen Volatilität dieser Aktien ohnehin grösser ausfällt. Einen Beleg für diese These liefert der Barrier Reverse Convertible (ISIN CH0281543311) auf Swiss Life, Swiss Re und Zurich Insurance. Leonteq schickte das heimische Assekuranz-Trio im Juni 2015 mit einem Risikopuffer von jeweils 35 Prozent ins Rennen. Während bei Swiss Re und Swiss Life bis dato wenig angebrannt war, gab Zurich Insurance deutlich nach.

Gleichwohl geht selbst die schwächste Aktie mit einem Polster von knapp 19 Prozent in die restliche Laufzeit von gut zehn Monaten. Bleiben die Barrieren unversehrt, wirft dieser BRC im Juni 2017 eine stattliche Rendite von 18,3 Prozent p.a. ab. Leonteq verfügt bei diesem Produkt über ein Kündigungsrecht. Sollten die Emittenten an einem der vierteljährlichen Stichtage davon Gebrauch machen, würden Anleger ebenfalls den grösstmöglichen Ertrag einfahren.

Bremsspuren bei Auto-Titeln – BRCs werfen hohe Renditen ab

Tiefe Bremsspuren prägen derzeit auch die Chartbilder zahlreicher Auto-Aktien. Entsprechend üppig fällt die Maximalrendite eines auf drei Sektorvertretern basierenden BRC (ISIN CH0303828815) der UBS aus. BMW, Ferrari und Porsche stellen per Anfang Dezember einen Gewinn von 24,8 Prozent p.a. in Aussicht. Wer diese Wette eingehen möchte, muss zunächst vor allem ein Auge auf die BMW-Aktie werfen. Beim bayrischen Autobauer ist der Risikopuffer von ursprünglich 40 Prozent auf 24 Prozent zusammengeschrumpft. Derweil haben Porsche und Ferrari jeweils noch mehr als einen Drittel zur Verfügung. Platzt der «Airbag» bei einer Aktie, droht eine Schmälerung der Rückzahlung analog zum Endstand des schwächsten Luxuskarossen-Herstellers.

Heisse BRC-Wetten müssen nicht zwangsläufig auf mehreren Titeln basieren. Das zeigt der Blick auf eine Variante (ISIN CH0321489913) der Bank Vontobel. Seit der Emission im April gab die zugrunde liegende Galenica-Aktie um nahezu 15 Prozent nach. Damit hat sich der Risikopuffer auf 17,6 Prozent annähernd halbiert. Reicht dem Gesundheitskonzern dieses Polster, wirft das Produkt zum Laufzeitende im Mai 2017 immerhin 13,6 Prozent p.a. ab. Andernfalls müssen Anleger auch hier mit Abschlägen rechnen.