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Bei Goldminen läuft ein starker Turnaround

Goldminen: Die Titel kommen aus dem Keller, die Gewinne steigen stark. Keystone

Zusammen mit den Goldpreisen zieht es die Aktien von Minengesellschaften nach oben. Viele Werte sind jedoch nicht mehr günstig. Immerhin: Bei Barrick Gold gibt es eine vielversprechende Charttechnik.

Von Georg Pröbstl
am 21.07.2016

«Bei Barrick und Newmont besteht jetzt eine gute Chance auf ein hohes Nachholpotenzial», – so lautete unser Urteil bei der letzten Besprechung der Aktien von Minengesellschaften Anfang September 2015.

Diese Kaufempfehlung hatte mehrere Gründe. So waren Goldminenaktien im Zuge des Preisverfalls von Gold im Juli vor einem Jahr von etwa 7 Prozent teilweise weit überproportional um 20 oder gar 30 Prozent eingebrochen. Und dann, im Rahmen der Preiserholung bei diesem Edelmetall, die im August erfolgt ist, sind die Goldaktien nicht vom Fleck gekommen.

Attraktiv oder wenig aussichtsreich

Und da mussten Börsianer einfach Nachholpotenzial wittern. Vor allem die beiden genannten Titel, Newmont Mining und Barrick Gold, schienen vor neun Monaten besonders attraktiv zu sein, gab es die Aktien der beiden grossen Goldplayer doch mit einem Discount gegenüber dem Buchwert von jeweils rund 25 Prozent.

Andere Firmen dieser Branche – wie etwa Newcrest Mining oder Goldcorp – schienen der Redaktion von stocksDIGITAL damals weniger aussichtsreich zu sein, denn beide hat es trotz ebenfalls gefallener Notierungen immer noch zu Kursen im Bereich des Buchwerts und darüber gegeben.

Hohe Kursgewinne mit Goldminen

Diese Einschätzung erwies sich als Volltreffer ins Schwarze. Denn während Goldcorp seither um vergleichsweise bescheidene 40 Prozent gestiegen ist und sich Newcrest immerhin noch verdoppeln konnte, schaffte das Buchwert-Schnäppchen Newmont Mining ein Kursplus von 160 Prozent, und der Kurs von Barrick Gold hat sich sogar verdreifacht.

Die Wiedergeburt der Goldaktien hängt zusammen mit dem kräftigen Kursanstieg beim gelben Metall. Der Preis je Unze kletterte seit September um 200 Dollar oder um mehr als 15 Prozent. Anleger fragen sich jetzt aber langsam: Sind Goldminen nun ausgereizt oder ist da noch mehr drin?

Die Aktien notieren teilweise weit über dem Buchwert

Zuerst einmal: Nach den enormen Kursgewinnen ist der Abschlag gegenüber dem Buchwert inzwischen komplett verschwunden, und Goldaktien notieren nun teilweise meilenweit über dem Eigenkapital. Newcrest Mining wird annähernd zum 3er-KBV gehandelt, bei Barrick Gold ist diese Kennzahl sogar in den Bereich von 3,5 vorgeprescht. Lediglich Newmont Mining und Goldcorp gibt es noch mit dem vergleichsweise günstigen 1,8er- und sogar noch mit einem moderaten 1,2er-KBV.

Operativ zeigen der höhere Goldpreis, aber auch die deutlich gesenkten Produktionskosten, auf jeden Fall ihre Spuren in der Bilanz der Unternehmen. Nach herben Verlusten im vergangenen Jahr steht nun ein starker Turnaround bevor. So verbuchte Goldcorp im 2015 ein Minus von -5,0 Dollar je Aktie. Das waren rund 40 Prozent des Kurses vom September von rund 13 Dollar. Jetzt aber läuft ein schöner Aufschwung. Denn für 2016 und 2017 erwarten Analysten wieder Gewinne beim Rohstoffkonzern aus Vancouver von 0,33 und 0,49 Dollar je Anteilsschein.

Barrick Gold – hohe Wertberichtigungen im 2015

Ähnlich tief ist im vergangenen Jahr auch Barrick Gold gefallen. Dort hat es 2015 Wertberichtigungen auf Minen in der Höhe von 3,1 Milliarden Dollar gegeben und einen Nettoverlust im Gesamtjahr von 2,8 Milliarden Dollar, entsprechend 2,25 Dollar je Aktie. Bezogen auf den Empfehlungskurs im September 2015 von 6,41 Dollar war das auch hier ein enormes Minus von einem Drittel. Für dieses und für das nächste Jahr zeigen sich Analysten aber auch gegenüber Barrick Gold zuversichtlich. Der Konsens der Experten erwartet einen Gewinnanstieg bei den Kanadiern von 0,48 Dollar je Aktie im 2016. Im nächsten Jahr sollen es sogar 0,78 Dollar je Anteil sein.

Ein Taucher in die Verlustzone blieb hingegen Newmont Mining im vergangenen Jahr erspart. Der Gewinn halbierte sich lediglich auf 0,43 Dollar je Aktie. Für dieses Jahr rechnen die Analysten sogar mit einer Verdreifachung beim Ergebnis auf 1,33 Dollar je Aktie und im nächsten Jahr mit weiteren Steigerungen auf dann 1,76 Dollar. Zwar befindet sich auch Newcrest Mining in der Gewinnzone, kommt aber nicht sonderlich rasant voran. Nach einem Überschuss von 0,59 Dollar je Aktie im Geschäftsjahr 2014/15 soll es in diesem und im nächsten Jahr laut Analystenkonsens auch nur Ergebnisse von 0,75 und 0,81 Dollar je Anteil geben.

Minen: Nicht mehr ganz günstig 

Insgesamt scheinen Barrick und Newmont mit ihrer KBV-Bewertung schon nicht mehr günstig zu sein und eher Goldcorp und Newcrest interessant. Seitens KGV ist hingegen Newmont mit einem erwarteten 22er-Gewinnmultiple für 2017 am günstigsten. Barrick Gold und Newmont Mining zeigen Bewertungen mit 26er- und 29er-KGV, Goldcorp bringt es sogar auf eine 36-fache Gewinnbewertung.

Zieht man die Charttechnik zu Rate, zeigt sich Barrick Gold als spannendster Goldkonzern, denn die Aktie notiert knapp über dem Widerstand um 20 Dollar. Kommt es zum Rebound, könnten dort aber ganz schnell wieder Kurse um 26 Dollar, wie zuletzt im April 2013, drin sein. Ansonsten gilt: Die Entwicklung der Goldaktien steht und fällt mit dem Preis für das Edelmetall. Überraschungen nach oben können nicht ausgeschlossen werden.

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