Mitte 2013 hatten wir an dieser Stelle den italienischen Aktienmarkt mit dem Leitindex FTSE MIB und vier aussichtsreiche Einzelwerte vorgestellt. Jetzt, nach zwei Jahren, ist Zeit für ein Update. Zuerst die Bilanz: Während der SMI in diesem Zeitraum ein Plus von 11,0 Prozent gebracht hat, waren die Gewinne im MIB mit 24,9 Prozent doppelt so hoch. Bei den 2013 von der stocksDIGITAL-Redaktion herausgepickten Einzelwerten sieht es folgendermassen aus: Fiat: +105 Prozent. Pirelli: +50 Prozent. ENI: -8,1 Prozent.

Beim italienischen Versorger konnten Anleger immerhin noch zweimal eine Dividende von zusammen 2,12 Euro kassieren. Die Performance rutscht damit in den positiven Bereich. In den letzten zwei Jahren brachte ENI damit einen Gewinn von 4,2 Prozent. Zuletzt Atlantia. Die Aktie des Autobahnbetreibers bringt Anlegern ein Plus von 44,5 Prozent. Dazu kommen hier, wie übrigens auch bei Pirelli, Dividenden von zusammen mehr als 5 Prozent – das ergibt also auch hier eine Gesamtperformance von rund 50 Prozent.

Italien – raus aus der Rezession

Wie geht es weiter in Italien? Fundamental betrachtet gibt es zum Teil Fortschritte. Die Rezession ist – zumindest vorerst – vorbei. Nach drei Jahren Schrumpfung meldete Italiens Premierminister Matteo Renzi für das erste Quartal ein Plus von 0,3 Prozent im Vergleich zum letzten Dreimonatszeitraum 2014. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds IWF soll das Wachstum in diesem Jahr bei 0,5 und im 2016 dann bei 1,1 Prozent liegen. Aber: Im April fiel die Industrieproduktion überraschend um 0,3 Prozent. Volkswirte hatten einen Anstieg um 0,3 Prozent erwartet.

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Und auch bei den Lohnstückkosten gab es noch nicht die erhoffte Trendwende. Immerhin sind sie in den letzten 15 Jahren, beispielsweise im Vergleich zu Deutschland, um rund 25 Prozent stärker gestiegen. Da die Produktivität der Unternehmen mit diesem Lohnzuwachs schwer schritthalten kann, hat sich die Wettbewerbsfähigkeit Italiens verschlechtert. Entsprechend sind jetzt die Wachstumsprognosen für das Land niedriger als für die gesamte Eurozone. Dort soll die Wirtschaft nämlich nach Einschätzung des IWF in diesem und im nächsten Jahr um 1,5 und 1,6 Prozent zulegen.

Leitindex MIB – technische Kurschancen

Angesichts noch fehlender wirklicher Reformfortschritte sagen Kritiker: Der aktuelle leichte Konjunkturaufschwung Italiens ist Folge des schwachen Euro und des tiefen Ölpreises, aber nicht selbst erarbeitet.

Für den breiten italienischen Leitindex MIB mit seinen 40 Mitgliedern könnte das bedeuten: Extreme Kurssteigerungen sind derzeit zwar eher nicht zu erwarten, doch kurzfristig könnte es einen Schub geben. Konkret läuft der Index seit März in einer vergleichsweise engen Handelsspanne zwischen 22'000 und 24'000 Punkten. Die Unsicherheit um Griechenland hat den MIB in den letzten Wochen zwar etwas von der oberen Begrenzungslinie dieser Range nach unten weggedrückt, legt sich aber die Grexit-Panik, dann wird der Index möglicherweise rasch zum neuen Sturm auf die 24'000-Punkte-Marke ansetzen. Immerhin markiert diese Zone auch den Widerstandsbereich aus dem Jahr 2009. Mit einem Call (ISIN: CH0189932145, Laufzeit endlos, Basis 14'180,3 Punkte, Knock-out 14'542,0 Punkte) auf den MIB setzen Anleger mit leichtem Hebel auf den Fall der Hürde und auf weitere Steigerungen.

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Banken könnten zu den Favoriten zählen …

Grösseres Kurspotenzial als der MIB versprechen Einzelwerte. Insbesondere Banken dürften von einer anziehenden Konjunktur, aber auch von neuen Gesetzen mit besseren Abschreibungsmöglichkeiten für Problemkredite profitieren. Interessant ist hier beispielsweise Banca Popolare di Milano (ISIN: IT0000064482). Die Aktie steht kurz vor dem Widerstand und vor der wichtigen psychologischen Marke von 1,0 Euro und damit vor dem höchsten Niveau seit Oktober 2010. Fällt die Hürde, könnte das schnell weitere Gewinne auslösen.

Nicht nur kursmässig nach oben geht es mit Mediolanum (ISIN: IT0001279501). Der Finanzdienstleister verzeichnete im ersten Quartal auch einen operativen Schub. In diesen drei Monaten stiegen die Erträge der Gruppe um 37 Prozent auf 465,7 Millionen Euro, der Gewinn kletterte sogar um 70 Prozent auf 137,4 Millionen Euro. Die hohe Dividende – Rendite im Bereich von 4,0 Prozent – dürfte damit auch für 2015 ziemlich sicher sein.

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… und ENI bietet hohe Dividenden

Der einzige Underperformer unserer Italien-Empfehlungen aus 2013, ENI (ISIN: IT0003132476), bietet allerdings noch höhere Dividenden, im Bereich von rund 5,0 Prozent. Zudem wurde die Aktie erst vor wenigen Tagen von den Analysten von Kepler Cheuvreux von «Hold» auf «Buy» hochgestuft, mit dem Kursziel 19 Euro. Möglicherweise wird die Aktie jetzt doch noch besser laufen als der Markt in den letzten zwei Jahren.