Viele Jahre lang war operativ wenig los bei Berentzen. Der Hersteller von Spirituosen und alkoholfreien Getränken konnte den Umsatz zwischen 2010 und 2015 bei rund 160 Millionen Euro nur stabil halten. Und beim Ergebnis gab es dabei in manchen Jahren sogar ein tiefes Abtauchen in die roten Zahlen. 2013 etwa stand ein Verlust von 0,73 Euro je Aktie in den Büchern.

Von dieser langjährigen Lähmung hat sich das Unternehmen nun aber befreit. Den Umschwung brachte der Zukauf der Sparte mit Fruchtsaftsystemen – hochwertige Orangenpressen und frische Früchte – im Herbst 2014. Der Bereich hatte bis dato nur geringe Marktdurchdringung und entsprechend hohes Wachstumspotential.

Der neue Umsatztreiber

Und so hat sich das Segment in den letzten zwei Jahren zum Wachstumstreiber für Berentzen entwickelt. Der Getränkekonzern verbuchte in den ersten neun Monaten 2016 mit Frischsaftsystemen ein Umsatzplus von 26,0 Prozent. Da auch Spirituosen entgegen dem schrumpfenden Markttrend einen Zuwachs von fünf Prozent verbuchen konnten und das Konzessionsgeschäft mit der Marke Sinalco ebenfalls ein Plus von 21,6 Prozent brachte, kam es im Gesamtkonzern in den drei Quartalen zu einem Umsatzplus von 8,0 Prozent auf 124,7 Millionen Euro.

Die Gewinnseite kam sogar noch viel schneller voran. Ein veränderter Produktmix mit Konzentration auf Getränke mit höheren Margen, die sinkende Personalkostenquote und ein vergleichsweise tieferer Betriebsaufwand brachten bis September ein Plus beim operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 48,9 Prozent auf 7,0 Millionen Euro. Im Gesamtjahr ist ein Gewinnanstieg von 0,23 auf etwa 0,45 Euro je Aktie zu erwarten und bis 2018 könnte sich das Ergebnis nochmals verdoppeln.

Ausstieg des alten Grossaktionärs beflügelt den Kurs

Der operative Aufschwung ist die eine Seite. Dazu kommt die Änderung in der Aktionärsstruktur. Bis vor kurzem war der langjährige Hauptaktionär Aurelius wie ein Bremsklotz für die Kursentwicklung. Die Beteiligungsgesellschaft war 2008 bei Berentzen eingestiegen und hielt lange Zeit rund 75 Prozent der Stammaktien des Unternehmens. Nun hat sich Aurelius mit dem Restverkauf seiner Anteile im September inzwischen aber vollständig von Berentzen verabschiedet. Und seither ist die Aktie des Getränkekonzerns im Aufwind. Durch den Ausstieg von Aurelius und neue Investoren konnte der Titel in den letzten drei Monaten 15 Prozent zulegen. Zusammen mit dem operativen Turnaround ist da in den nächsten ein bis zwei Jahren aber noch um einiges mehr zu erwarten.

Berentzen AG
ISIN: DE0005201602
Gewinn je Aktie 2017e: 0,60 €
KGV 2017e: 12,2
Dividende/Rendite 2016e: 0,25 €/3,4%
EK je Aktie: 4,59 €
EK-Quote: 24,5%
KBV: 1,6
Kurs/Ziel/Stopp: 7,30/9,50/5,20 €

 

* Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Seit Jahresbeginn erreicht das Musterdepot eine Performance von +13 Prozent, während der Dax stagniert. Seit Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +259 Prozent (Dax: +63 Prozent).

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