Während sich derzeit viele erholungssuchende Anleger in den Ferien befinden, zieht über die Märkte ein heftiges Gewitter auf. Geopolitische Spannungen in der Ukraine, Israel und dem Irak vermiesen den zuhause gebliebenen Investoren die Sommerlaune.

Auf dieses eh schon schwierige Umfeld treffen nun auch noch schwache Bilanzen der Unternehmen – insbesondere in Europa. Zahlreiche Grosskonzerne konnten die Erwartungen nicht erfüllen. Das gilt auch für die Schweizer Blue Chips. Mittlerweile haben mehr als drei Viertel der Firmen ihre Ergebnisse vorgelegt. Eine Auswertung zeigt, dass die Enttäuschungen klar überwiegen. Neun der 17 präsentierten Bilanzen haben den jeweiligen Analystenkonsens verfehlt. Nur sechs Gewinnausweise konnten tatsächlich positiv überraschen, der Rest lag im Rahmen der Erwartungen.

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Transocean bekommt die Kosten in den Griff

Am Donnerstag kam es zu einem wahren Zahlenfeuerwerk im SMI. Mit Adecco, Nestlé, Transocean und Zurich Insurance haben gleich vier Mitglieder der ersten Börsenliga die Bücher offengelegt. Wirklich überzeugen konnte bei dem Quartett nur der Ölplattform-Spezialist. Den Umsatz hielt Transocean bei 2,3 Milliarden Dollar stabil, der operative Gewinn schnellte dagegen um 14 Prozent auf 765 Millionen Dollar nach oben. Der Analystenkonsens hatte lediglich ein Ergebnis von 627 Millionen Dollar auf dem Zettel.

Kein eindeutiges Bild vermittelte Zurich Insurance. Der Versicherungskonzern konnte zwar seinen Reingewinn steigern, allerdings nicht ganz so stark wie erhofft. Auf der anderen Seite blickt Zurich-Chef Martin Senn zuversichtlich nach vorne und bestätigte seine mittelfristige Prognose: «Wir befinden uns zwar noch in der Anfangsphase unseres Dreijahresplans, sind aber auf dem richtigen Weg in Bezug auf unsere Ziele für 2014 bis 2016.» Seiner Ansicht nach hat das Unternehmen gute Fortschritte in jedem der drei strategischen Eckpfeiler erzielt. Das sehen Börsianer ebenso und steigen ein.

Nestle überrascht mit Aktienrückkauf

Auch beim SMI-Schwergewicht Nestlé gibt es Licht und Schatten. Zuerst zu den negativen News: Umsatz und Gewinn des grössten Nahrungsmittelkonzerns der Welt sanken im ersten Halbjahr stärker als erwartet. Allerdings gelang Nestlé mit 4,7 Prozent ein überraschend hohes organisches Wachstum. Und was Börsianer besonders freut: Der Konzern hat ein neues milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm bekanntgegeben. Die Valoren verteuerten sich daraufhin um rund drei Prozent.

Dagegen sauste der Kurs von Adecco um den gleichen Betrag nach unten. Schwächere Umsatz- und Ergebniszahlen verschreckten Anleger, nach dem der Personalvermittler im Auftaktquartal noch positiv überraschen konnte.

Geberit und Swisscom: Spannung bei den Nachzüglern

Auf Dauerbrenner Actelion war auch in dieser Quartalssaison verlass. Europas grösstes Biotechunternehmen konnte erneut die Erwartungen übertreffen. Eine gute Figur machten darüber hinaus Givaudan und Julius Bär. Auch die UBS konnte positiv berichten, allerdings hängt über der Grossbank noch wegen Rechtsstreitigkeiten ein Damoklesschwert. Noch haben die Blue Chips zwei Chancen, ihre insgesamt schwach verlaufene Quartalsbilanz aufzupeppen. Am 12. und 20. August werden Geberit und Swisscom ihre Ergebnisse veröffentlichen.

Die Nummer eins der weltweiten Nahrungsmittelbranche kann zwar nicht vollends mit seinen Zahlen überzeugen, zeigt aber dennoch ein solides Wachstum. Zudem möchte Nestle eigene Aktien im Wert von acht Milliarden Franken zurückkaufen.

Der Personalvermittler profitierte zuletzt von der anziehenden Konjunktur in Europa. Die schwächelende Wirtschaftsentwicklung in einigen Ländern bremst allerdings das Wachstumstempo. Dennoch bekräftigte Adecco einmal mehr das mittelfristig angepeilte Ziel einer operativen Marge von über 5,5 Prozent bis 2015.

«Ein solides Kennzahlenset, das weitgehend in den Markterwartungen liegt», lautet das Fazit der Experten der Zürcher Kantonalbank. Zwar hat die Aktie mit einem 10er-KGV aus Bewertungssicht nicht mehr viel Luft nach oben, doch eine satte Dividendenrendite von mehr als sechs Prozent bietet Schutz auf der Unterseite.

Die vorgelegten Zahlen zeigen, dass das Unternehmen die Kostenseite im Griff hat und die Sparmassnahmen wirken. Daher könnten sich die Konsensschätzungen für das laufende Jahr als zu niedrig erweisen. Allerdings bleibt Transocean den Investoren eine genaue Guidance schuldig.