Die Bilanzsaison in den USA wie auch hierzulande steht kurz vor dem Ende. Das Fazit fällt unterschiedlich aus: Während 75 Prozent der vorgelegten Gewinne im S&P 500 die Erwartungen übertroffen haben, war es im SMI lediglich ein Fünftel. Die europäischen Grosskonzerne im STOXX Europe 600 hinken mit ihren Berichten hingegen noch hinterher. Erst die Hälfte hat bislang Zahlen zum abgelaufenen Quartal vorgelegt.

Insgesamt haben sich Licht und Schatten bei den Ergebnissen bis dato in etwa die Waage gehalten. 37 Prozent konnten positiv überraschen, 27 Prozent enttäuschten, 36 Prozent lagen im Rahmen der Erwartungen. «Vor allem Unternehmen mit hohem US-Exposure und internationalem Exposure legten starke Ergebnisse vor, unterstützt vom Rückenwind durch den schwachen Euro», kommentieren die Analysten von Goldman Sachs das bisherige Abschneiden. So haben zahlreiche Unternehmen wie Novo Nordisk, MTU, Sanofi, Dassault und Luxottica in ihren Conference-Calls explizit auf die Unterstützung durch den schwachen Euro hingewiesen. Auch auf der Umsatzseite konnte die Mehrheit der Unternehmen die Erwartungen erfüllen. Knapp zwei Drittel der Erlösentwicklungen waren «in-line».

Berichtssaison – starke Branchen, schwache Branchen

Von den Sektoren, in denen mehr als drei Unternehmen bislang ihre Zahlen vorgelegt haben, zeigte der Bereich «Utilities» die besten Ergebnisse, während «Food & Beverage» bislang die schlechtesten Resultate präsentiert hat. Es gibt aber auch Branchen, bei denen die Anzahl der positiven Überraschungen nicht ganz so hoch wie bei Versorgern ist, bei denen es aber auch keine Enttäuschungen gegeben hat. Bei den Tech-Titeln übertrafen 64 Prozent die Prognosen, 36 Prozent meldeten im Rahmen der Erwartungen. Auch bei «Travel & Leisure» sowie «Real Estate» steht in der Spalte «negative Überraschungen» eine Null. Zu den grössten Enttäuschungen ist es bis dato in der Auto- und Telekomindustrie gekommen.

Investoren blicken aber nicht nur auf die Zahlen aus der Vergangenheit, es geht auch um den Ausblick auf 2015. Die Analystenzunft hat diesbezüglich ihre Erwartungen in den vergangenen vier Wochen nach unten geschraubt. Die durchschnittlichen Gewinnprognosen sind um 4,2 Prozent gesenkt worden. Die grössten Revisionen hat es bei «Oil & Gas» gegeben, mit 28 Prozent. In Summe wird für den STOXX Europe 600 Index aber immerhin noch ein Gewinnwachstum von 6 Prozent im laufenden Jahr prognostiziert.

Arm Holdings und Logitech – ein überragendes Tech-Duo

Immer für eine positive Überraschung gut, ist Arm Holdings (ISIN GB0000595859). Der Designer von Computerchips für Smartphones steigerte den Vorsteuergewinn im abgelaufenen Quartal überraschend stark um einen Viertel auf 118,9 Millionen Pfund. Analysten hatten lediglich 113 Millionen Pfund auf der Rechnung. Auch der Ausblick fällt vielversprechend aus: Das Unternehmen stuft die Aussichten bei den Lizenzeinnahmen für 2015 als «sehr ermutigend» ein. Die französische Investmentbank Exane BNP Paribas hat daraufhin ihre Gewinnschätzungen bis 2017 angehoben und das Kursziel von 1100 auf 1300 Pence heraufgesetzt.

Aus dem Technologiesektor im STOXX Europe 600 glänzte mit Logitech (ISIN CH0025751329) auch ein heimischer Vertreter. Der Computerzubehör-Hersteller übertraf im abgelaufenen Quartal beim Umsatz und Gewinn die Schätzungen. Die Erlöse beliefen sich auf 634,2 (erwartet: 618,4) Millionen Dollar und das Ebit auf 64,7 (erwartet: 48,5) Millionen Dollar. Die Ziele für das Gesamtjahr 2014/15 wurden ebenfalls angepasst. Zwar wird aufgrund von Wechselkursveränderungen die Umsatzprognose geringfügig reduziert, das Ebit wird wohl aber auf 185 anstatt bisher 170 Millionen Dollar klettern.

Accor und EasyJet – Aktien im Höhenflug

Aus dem Bereich «Travel & Leisure» sticht Europas grösste Hotelkette Accor (ISIN FR0000120404) hervor. Der Betreiber von Marken wie Ibis oder Mercure sorgte 2014 mit einem kräftigen Gewinnsprung von 77 Prozent für eine positive Überraschung. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren, die Franzosen erhöhen die Dividende um 19 Prozent auf 95 Cent. Börsianer sind begeistert: Allein seit dem Jahresbeginn legte der Valor um knapp 30 Prozent zu und versucht nun das Allzeithoch aus 2007 zu knacken.

Im Höhenflug ist auch EasyJet (ISIN GB00B7KR2P84). Während die grossen Airlines wie Lufthansa und Air France eher enttäuschten, setzte der Billigflieger positive Akzente. Zwar wird im ersten Halbjahr 2014/15 (30. September) ein Verlust anfallen, was in der Wintersaison normal ist in der Branche, allerdings soll das Minus nicht so hoch sein wie erwartet. Statt von 53 Millionen Pfund gehen die Briten nun nur noch von einem Verlust von 10 bis 30 Millionen Pfund aus. Die Aktie notiert knapp unter dem Allzeithoch im Bereich von 1800 GBP und an der unteren Begrenzung des Aufwärtstrends. Möglicherweise wird es schon in den nächsten Tagen zu einem Abpraller von der Linie und zu neuen Kursrekorden kommen.

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