Die Berichtssaison ist in vollem Gange. Anleger achten vor allem auf die SMI-Mitglieder, doch gibt es auch im breiteren SPI einiges zu melden. Seit Anfang Juli haben bisher 48 der 192 SPI-Mitglieder ex SMI die Zahlen für das erste Halbjahr präsentiert oder zumindest vorläufig mehr oder weniger konkrete Daten abgeliefert. Das war jedes vierte SPI-Mitglied.

Und die Bilanz sieht nicht schlecht aus. Von den 45 Firmen, die beim Umsatz konkret geworden sind, verbuchten nur 16 Umsatzrückgänge, 29 schafften Zuwächse. Der durchschnittliche Anstieg bei Umsatz und Ertrag dieser Firmen lag in den ersten sechs Monaten bei rund 3,3 Prozent. Sogar zweistellige Umsatzsteigerungen waren dabei: Cosmo erzielte ein Umsatzplus von 55 Prozent, Bravofly steigerte die Erlöse um 20, AMS um 17 Prozent. Sika, Titlisbahnen und Swissquote schafften Zuwächse von 10,6, etwa 13 und 17 Prozent.

Autoneum – kein klares Urteil der Analysten

Dass Umsatz aber nicht gleich Umsatz ist, zeigt sich am Beispiel Autoneum. Der einstige Börsenhighflyer und Liebling der Aktionäre steigerte seinen Gewinn in den ersten sechs Monaten zwar um 28 Prozent, verbuchte aber beim Umsatz ein Minus von 9 Prozent. Bei genauerer Betrachtung sieht der Rückgang aber anders aus. Auslöser für das Minus war nämlich der Verkauf einer Tochter. Bereinigt um diesen Effekt steigerte der Autozulieferer die Erlöse um 2,9 Prozent.

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Dass Ergebniszahlen oft nicht eindeutig bewertet werden können, zeigt das Urteil der Analysten zu den Autoneum-Daten. Ihre Kommentare reichen von «stark» bis «leicht unter den Erwartungen». Anleger nahmen jedenfalls Gewinne mit, der Kurs rutschte in den letzten Tagen um mehr als 10 Prozent nach unten. Nach dieser kleinen Korrektur notiert die Aktie an der starken Unterstützung um 160 Franken. Anleger setzen jetzt darauf, dass der Titel von dort wieder nach oben drehen wird.  

Starker Gewinntrend im ersten Halbjahr

Die Umsatzentwicklung der SPI-Titel zeigte sich bereits im ersten Halbjahr von einer guten Seite, und die Berichtsbilanz beim Gewinn sieht noch besser aus. 40 Unternehmen lieferten schon konkrete Ergebniszahlen zum ersten Halbjahr. Während 33 Firmen Gewinnsteigerungen zu melden hatten, verbuchten lediglich sieben Firmen in den ersten sechs Monaten einen Rückang beim Ergebnis.

Zieht man von den gemeldeten Gewinnsteigerungen die vier Ausreisser ab, die extreme Zuwächse verbuchen konnten – das waren 2100 Prozent Gewinnplus bei Logitech, 250, 200 und 194 Prozent Gewinnanstieg bei Lonza, Rieter und Liechtensteinische Landesbank –, ergibt sich bei den verbliebenen Unternehmen ein durchschnittlicher Gewinnanstieg im ersten Halbjahr von rund 22 Prozent.

Positive Entwicklung auch bei Banken

In die Bank- und Finanzbranche ist wohl endlich wieder Ruhe eingekehrt. Zehn von 13 Häusern, die ihre Daten schon vorgelegt haben, berichteten über Gewinnsteigerungen im ersten Semester. Bei Vontobel und Hypo Lenzburg gab es kleinere Gewinnrückgänge im Bereich von 2 und 3 Prozent. Lediglich EFG International rutschte unter anderem wegen des Steuerstreits in die Verlustregion.

Neben den harten Fakten wie Umsatz und Gewinn haben Anleger aber auch die Prognosen im Visier. Bei Firmen, die zuversichtlich vorausblicken, könnte sich der Einstieg lohnen. Da wäre etwa AMS. Der Halbleiterhersteller will seine Rekordfahrt der letzten Quartale weiter fortsetzen. Oder Logitech. Nach dem glasklaren Turnaround im ersten Halbjahr mit Gewinnexplosion hat der Zulieferer der Computerindustrie gleich seine Prognose erhöht.

Logitech und Sika erhöhen die Prognosen

Der operative Gewinn soll von 140 auf 170 Millionen Dollar steigen. Bisher lag das Ziel nur bei 145 Millionen Dollar. Nach dem Kursschub infolge positiver Semesterzahlen hat die Aktie fast den Widerstand im Bereich von knapp 15 Franken erreicht. Fällt die Marke, könnte sich die Dynamik vorerst zumindest bis etwa 17.50 Franken fortsetzen.

Sika peilt ebenfalls bessere Ergebniszahlen an. Der Umsatz des Bauchemiespezialisten und Klebstoffherstellers soll in diesem Jahr nicht wie bisher angekündigt um 6 bis 8 Prozent steigen, sondern um 9 bis 11 Prozent. Anleger spekulieren darauf, dass die Aktie schon kurzfristig nicht nur erneut von der 3600-Franken-Marke abprallen wird, sondern in den nächsten Monaten auch die Seitwärtsrange nach oben verlassen kann, um dann rasch neue Allzeithochs zu erreichen.