Das war fast zu schön, um wahr sein zu können. 18 Monate lang lief der SMI gemächlich mit leicht steigender Tendenz nach oben. Nervende, schnelle Kurseinbrüche von mehr als 5 Prozent blieben Anlegern damit seit Mai 2013 erspart. Die Volatilität, gemessen im VSMI, lief dabei lange Zeit meist im Bereich von weniger als 15 Prozent und damit in sehr ruhigen Bahnen.

Dann kam der Kurseinbruch im Oktober. In nur zwei Wochen zwischen Ende September und Mitte Oktober fiel der SMI wie ein Stein nach unten und verlor 800 Punkte oder 10 Prozent an Wert. Zwar hat sich der Markt von diesem Zusammenbruch wie schon in der letzten Ausgabe von stocksDIGITAL prognostiziert in den letzten Tagen fast schon wieder komplett erholt, doch solche Talfahrten zeigen: Gut essen – im Sinn von hohen Kursgewinnen und Dividendenerträgen aus Aktien – und ruhig schlafen – im Sinn von geringen Kursausschlägen – geht eben kaum oder überhaupt nicht zusammen.

BEKB-All-Share – der Oktobercrash geht spurlos vorüber

Anleger sind jetzt also wieder aus ihrer heilen Welt gerissen worden, denn hohe Kursausschläge bedeuten ja auch erhöhtes Risiko. Das zeigt auch der Volatilitätsindex VSMI als Mass der Schwankungsfreudigkeit der Schweizer Standardwerte. Dieser Index hat sich nämlich im genannten Zweiwochen-Zeitraum verdoppelt und notierte in der vergangenen Woche mit 25,1 Prozent so hoch wie seit fast drei Jahren nicht mehr.

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Allerdings: Auch wenn jetzt die Alternativlosigkeit von entweder gut essen oder gut schlafen erneut bestätigt zu sein scheint, Aktienanleger haben doch die Möglichkeit, diesen Zielkonflikt zu lösen. Konkret: Mit Aktien im ausserbörslichen Handel. So konnte der BEKB-All-Share-Index, in dem rund 500 nichtkotierte Schweizer AGs zusammengefasst sind, seine Solidität in der aktuellen Kurskorrektur erneut wieder ganz klar unter Beweis stellen. Denn während der SMI wie geschildert innert zwei Wochen um 10 Prozent nach unten rauschte, fiel der BEKB-All-Share zwischen Ende September und Mitte Oktober lediglich von 3715 auf 3655 Punkte. Ein minimales Minus von nur 1,6 Prozent!

Ausserbörsliche Werte – hohe Gewinne trotz geringer Risiken

Der Grund für die geringen Schwankungen nach unten liegt in der Aktionärsstruktur vieler Index-Mitglieder. Denn im OTC-Handel handelt es sich um Schweizer Nebenwerte, oft mit geringem Börsenwert. Während diese Aktien zwar bei heimischen Anlegern mit mittel- und langfristigem Zeithorizont begehrt sind, machen internationale Investoren, die oft nur sehr kurzfristig denken und agieren, um das Segment einen Bogen. In Krisenzeiten schützt das die ausserbörslichen Titel vor Kapitalflucht und vor damit verbundenen Kurseinbrüchen. Trotz der Absenz von internationalem Geld bieten die ausserbörslichen Aktien exzellente Kurschancen. So legte der BEKB-All-Share in den letzten zehn Jahren um 180 Prozent zu. Der SMI schaffte im selben Zeitraum nur ein Plus von 55 Prozent.

Anleger, die sich nichtkotierte Titel ins Depot legen wollen, sollten aber immer mit Limit ordern und Geduld mitbringen, denn die Handelsumsätze sind bei einer Reihe von Aktien gering, die Kursspanne zwischen Geld- und Briefkurs hoch. Da lassen sich die gewünschten Papiere und Volumina oft nur über einen längeren Zeitraum limitiert einsammeln. Aber wegen der geringen Liquidität ist das Segment eben vor allem für Investoren geeignet, die Aktien als langfristiges Investment betrachten.

Bernexpo und Plaston im Visier …

Anleger mit diesem Anspruch sollten sich die Aktie von Bernexpo Holding (ISIN: CH0011100341) ansehen. Die Messegesellschaft weist einen Messezyklus auf. In Jahren mit wichtigen Leitmessen – beim Veranstalter aus Bern sind das die ungeraden Jahreszahlen – fallen die Ergebnisse höher aus. Allerdings schaffte Bernexpo nicht nur im ungeraden Jahr 2013 mit 52,2 Millionen Franken einen Rekordumsatz, auch in diesem Jahr läuft es rund. Im ersten Halbjahr lag das Unternehmen über den Erwartungen, und im laufenden zweiten Semester ist mit einer Rekordzahl an Veranstaltungen zu rechnen. Damit ist in diesem Jahr ein weiterer Umsatzrekord drin. Ein geschätztes 7er-KGV und die erwartete Dividendenrendite von 3,6 Prozent schaffen Kursphantasie.

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Langfristig und unternehmerisch denkende Anleger werfen auch einen Blick auf Plaston (ISIN: CH0012457633). Der Kunststoffverarbeiter verzeichnete im per Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/14 infolge Übernahme der wez Kunststoffwerk AG einen Umsatzsprung von 19,9 Prozent auf 95,9 Millionen Franken. Das Ergebnis war im vergangenen Jahr durch Integrationskosten belastet, doch schon 2014/15 ist bei weiter steigendem Umsatz wieder mit deutlich höheren Margen zu rechnen. Den vollen Ergebniseffekt und zusätzlich Synergien aus der Akquisition sind allerdings erst ab dem nächsten Jahr 2015/16 zu erwarten. Ein mögliches 7er- oder 8er-KGV eröffnet da angesichts einer Börsenbewertung von knapp 20 Prozent unter Buchwert deutliches Kurspotenzial.

… und Lorze sitzt auf hohen stillen Reserven

Für Anleger mit Geduld könnte sich die Aktie von Lorze AG (ISIN: CH0105175175) als Goldgrube erweisen. Neben Immobilien, die mit rund 45 Millionen Franken in den Büchern stehen, hält die Beteiligungsgesellschaft rund 47 Prozent an der Reishauer Beteiligungen AG. Dieses Investment ist bei Lorze zwar nur mit rund 110 Millionen Franken erfasst, dürfte aber bei einem Kurs der Reishauer-Aktie von rund 60'000 Franken und rund 4600 Reishauer-Aktien im Bestand von Lorze bei einem Wert von knapp 300 Millionen Franken liegen. Angesichts der vermuteten sehr hohen stillen Reserven bei Immobilien und der Reishauer-Beteiligung notiert Lorze mit einem Börsenwert von rund 75 Millionen Franken wohl meilenweit unter ihrem fairen Wert. Mehr zum Anlageuniversum des ausserbörslichen Handels finden Anleger beispielsweise auf schweizeraktien.net oder auf otc-x.ch.

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