In weiten Teilen Europas zeichneten die Wetterstationen den mildesten Winter seit Jahren auf. Dies ist auch für die Logistikbranche ein Segen. Denn freie Strassen bedeuten mehr Umsatz. Allerdings sind die frühlingshaften Temperaturen nicht der vorrangige Grund für die derzeit prall gefüllten Laderampen der Spediteure. Insbesondere der boomende E-Commerce sorgt für gut laufende Geschäfte. Dabei werden die Päckchen nicht nur in eine Richtung versandt. Einen stark wachsenden Anteil macht der für den Kunden oftmals kostenlose Rückversand an Amazon, Zalando & Co. aus.

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Die Logistik ist durch die fortschreitende Globalisierung auf der Überholspur. Die aktuelle konjunkturelle Grosswetterlage könnte dafür sprechen, dass 2014 ein Jahr für Aktien aus diesem Sektor wird. Vor allem die besseren Perspektiven für den alten Kontinent versprechen steigende Unternehmensgewinne. Aber bei einzelnen Titeln gibt es auch interessante Sondersituationen.

Vom steigenden Welthandel profitieren

Mit Blick auf die Performance ist die Deutsche Post kaum zu schlagen. Die Valoren des weltweit grössten Express-Dienstleisters legten in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 40 Prozent zu. Die Kursentwicklung wird von operativer Seite getragen. Der Nettogewinn des Unternehmens aus Bonn kletterte 2013 von 1,6 auf mehr als zwei Milliarden Euro. Rund die Hälfte davon sollen als Dividende an die Aktionäre fliessen – Rendite 3,2 Prozent. Auch für 2014 und 2015 zeigt sich der Konzern zuversichtlich, und er erwartet weiter steigende Gewinne. Neben der jüngsten Porto-Erhöhung soll auch der Online-Handel die Geschäfte anschieben. Warburg-Analyst Christian Cohrs zieht ein positives Fazit: «Für die Aktie sprechen die aktuelle Bewertung, die zunehmende Liquidität sowie positive Geschäftsaussichten.»

Während die Deutsche Post als Standardinvestment in der Logistikbranche angesehen werden darf, ist der niederländische Rivale TNT Express auf Turnaroundkurs. Dank eines anziehenden Geschäfts in Europa und den USA schaffte das Unternehmen im vergangenen Quartal den Sprung in die Gewinnzone. Auf der Erlösseite muss der Paketdienst aber noch kleinere Brötchen backen, dieser reduzierte sich um knapp 5 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Allerdings ist das auch eine Folge des Verkaufs des Frachtgeschäfts in China. Ab 2015 will der Konzern den Umsatz aber wieder steigern. 2 Prozent Wachstum pro Jahr werden angepeilt. Beim Gewinn gehen die Analysten von deutlich grösseren Sprüngen aus. Der Konsens rechnet 2014 mit einem Ergebnis je Aktie von 34 Cent, 2015 sollen es um ein Drittel mehr sein.

Kardex schiessen ab

Bereits einen Schritt weiter beim Konzernumbau ist die heimische Kardex. Der Verkauf der Sparte Kardex Stow wurde im vergangenen Jahr abgeschlossen, und die strategische Neuausrichtung wurde damit vollendet. Wie profitabel der Lagerlogistik-Konzern nun aufgestellt ist, zeigen die Zahlen. Auf vergleichbarer Basis legte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um 31 Prozent zu, was zu einer operativen Marge von 8 Prozent führt. Der Reingewinn schnellte sogar um knapp die Hälfte auf 4.95 Franken je Aktie nach oben. Aktionäre werden am Erfolg beteiligt. Nicht nur die ordentliche Dividende steigt auf 1.25 Franken pro Anteil, auch der vollständige Buchgewinn aus dem Beteiligungsverkauf soll an die Aktionäre fliessen. Das entspricht einer Sonderausschüttung von 1.40 Franken pro Titel. Das tut der Aktie gut. In den letzten Tagen schoss die Notierung um 10 Prozent nach oben.

Kurzfristig auf der Kurs-Bremse steht hingegen Kühne & Nagel. Das Zahlenwerk für 2013 sorgte bei Investoren für etwas Unruhe, da die Erwartungen nicht vollständig erfüllt wurden. Bruttogewinn und Umsatz verfehlten die Vorgaben. In Summe darf die abgelieferte Bilanz aber als solide bezeichnet werden. Die Experten der UBS und der Bank Vontobel hoben ihre Kursziele etwas an, das Rating bleibt auf «Halten».

Kühne&Nagel: Wichtiger Widerstand in Reichweite

Daran konnte auch die Ausschüttung einer bereits erwarteten Sonderdividende nichts ändern. Insgesamt sollen 5.85 Franken je Aktie an die Aktionäre fliessen, das entspricht einer attraktiven Rendite von 4,8 Prozent. Auch wenn die Aktie kein Schnäppchen mehr ist, investierte Anleger sollten dabeibleiben. Zumal die Aktie in der Nähe ihres Widerstands um 125 Franken notiert. Fällt die Hürde, könnten schnell Kurse im Bereich des 2011er-Allzeithochs um 138 Franken drin sein.

Der deutsche Blue Chip überzeugt mit starkem Wachstum und moderater Bewertung. Am 2. April möchte der Post-Chef sogar einen Ausblick über 2015 hinaus geben.

Um mehr als 11 Prozent legte der Valor seit dem Jahresanfang zu. Der gute operative Verlauf sowie die hohe Dividende dürften den Valor in den kommenden Monaten weiter antreiben.

Mit einem 2015er-KGV von 19 ist die Aktie nicht mehr günstig. Allerdings erscheint die Prognose konservativ, was im Laufe des Jahres Überraschungspotenzial bietet.

Seit sechs Monaten befindet sich die Aktie im Seitwärtstrend. Im KGV von 14 auf Basis der erwarteten Gewinne für 2015 ist der Turnaround noch nicht voll eingepreist.