Jahrelang begleitete die Biotech-Aktien der Ruf der ewigen Outperformer. Der Blick auf den Sektor-Index Nasdaq Biotechnology bestätigt das. Zwischen 2011 und Mitte 2015 konnte sich das Barometer mehr als vervierfachen. Doch seither steht die Wachstumsbranche im Abseits. Rund 40 Prozent ging es in den vergangenen zehn Monaten nach unten.

Neben klassischen Gewinnmitnahmen war es vor allem der Skandal um hohe Medikamentenpreise in den USA, welcher die Aktien auf Talfahrt schickte. Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat sogenannten «Mondpreisen» bei Arzneimitteln den Kampf angesagt. Dies sorgte für Verunsicherung in der Biotech-Fan-Gemeinde. Dass es aber tatsächlich zu einer Gefahr kommen wird, halten Experten für wenig wahrscheinlich. Folglich stellt sich die Frage: Bietet der jüngste Taucher eine Einstiegschance oder wird sich die Konsolidierung weiter fortsetzen?

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Amgen und Gilead: Ungleiche Zwischenberichte

Die Fundamentaldaten malen ein gemischtes Bild. Branchenprimus Amgen konnte dank florierender Medikamentengeschäfte wie beim Rheuma-Mittel «Enbrel» oder bei den Osteoporose-Arzneien «Prolia» und «Xgeva» ihren Nettogewinn im ersten Quartal um 17 Prozent steigern. Der Umsatz kletterte ebenfalls kräftig um einen Zehntel nach oben. Das Management hob daraufhin die Gewinn- und Umsatz-Prognose für das laufende Jahr an.

Gegenteiliges hatte Konkurrent Gilead Sciences zu berichten. Aufgrund von Verkaufseinbussen bei seinen Hepatitis-C-Medikamenten «Sovaldi» und «Harvoni» sowie des verschärften Preiswettbewerbs rauschte der Konzern an den Schätzungen der Analysten vorbei. Der Nettogewinn reduzierte sich im ersten Quartal von 4,33 auf 3,57 Milliarden Dollar. Dies ergibt pro Aktie 3,03 Dollar, was klar unter den Erwartungen von 3,15 Dollar liegt. Auch, wenn der Ausblick auf das Gesamtjahr «inline» zu den Expertenprognosen ausgefallen ist, haben Anleger die Aktie vorerst fallen gelassen. Der Titel tauchte um mehr als 10 Prozent ab.

Actelion: Stark wie eh und je

Erneut positiv von sich reden, machte Europas grösster Biotech-Konzern Actelion. Das in Allschwil ansässige Unternehmen konnte dank einer hohen Nachfrage nach dem Lungenhochdruckmittel «Opsumit» den Gewinn im ersten Vierteljahr deutlich steigern. Auch der Start von «Uptravi», welcher die PAH-Therapie seit diesem Jahr in den USA unterstützt, hat nach Ansicht von Firmenchef Jean-Paul Clozel alle «Erwartungen bei Weitem übertroffen». In Europa soll das Mittel in den kommenden Monaten ebenfalls eine Zulassung bekommen. Das gute Abschneiden stimmt Actelion auch für den Rest des Jahres zuversichtlicher.

Anstatt eines «niedrigen» Anstiegs des bereinigten Betriebsgewinns im einstelligen Prozentbereich wird nun ein «hoher» Zuwachs erwartet. «Actelion ist bekannt dafür, im Lauf des Jahres den Ausblick zu erhöhen, aber so früh im Jahr hätten wir dies nicht erwartet», kommentieren die Analysten der Zürcher Kantonalbank den Schritt. Angesichts der guten operativen Leistung wundert es somit auch nicht, dass die Actelion-Aktie mit einem Kursplus von 12 Prozent das SMI-Ranking – gleichauf mit ABB – in diesem Jahr anführt. Dem nicht genug: Der Titel markierte bei 158.50 Franken auch eine neue Bestmarke.

Für Mutige: Investieren mit oder ohne Hebel

Wer den guten Lauf der Actelion-Aktie noch beschleunigen möchte, kann das Faktor-Zerifikat der Commerzbank in Betracht ziehen. Das barrierefreie Produkt verfügt über einen konstanten Hebel von vier. Wer breiter in den Sektor investieren möchte, für den hat Julius Bär eine neue Möglichkeit mit dem Tracker auf den «US Biotech Basket» geschaffen.

Das Anfang Mai emittierte Zertifikat mit einer Laufzeit von einem Jahr bezieht sich auf zehn gleichgewichtete Aktien. Neben dem bereits erwähnten Duo Amgen und Gilead ist unter anderem auch Biogen mit von der Partie.

Biogen erhält neue Möglichkeiten

Der Konzern sorgt derzeit nicht nur mit steigenden Erlösen und Gewinnen für positive Schlagzeilen, auch denkt Biogen laut darüber nach, im Zuge ihrer Umstrukturierung das Bluterkrankheit-Geschäft an die Börse zu bringen.

Die Abspaltung würde nicht nur Geld in die Kassen spülen, Experten trauen der neuen Gesellschaft eine Bewertung von 4,8 bis 6,4 Milliarden Dollar zu, sondern sie würde es Biogen auch ermöglichen, künftig den Schwerpunkt auf die Entwicklung von Medikamenten gegen Nervenkrankheiten zu legen.

Für Vorsichtige: Einsteigen mit Teilschutz

Angesichts der hohen Volatilität im Biotech-Sektor weisen auch Renditeoptimierungsprodukte attraktive Konditionen auf. Beispielsweise gewährt der frisch am Markt erhältliche Discounter von der Credit Suisse einen Rabatt von 10,9 Prozent auf den aktuellen Kurs der Amgen-Aktie. Sollte die Aktie in knapp einem Jahr mindestens auf dem Cap bei 155 Dollar notieren, ist beim Zertifikat eine hohe Seitwärtsrendite von 12,2 Prozent p.a. sicher.  

Etwas weniger Rendite, dafür aber deutlich mehr Risikopuffer, stellt der BRC auf Actelion von Vontobel in Aussicht. Bei einem Barriere-Abstand von 28 Prozent beläuft sich die Ertragschance auf 5,6 Prozent p.a. Eine knapp doppelt so hohe Rendite sowie einen Risikopuffer von nahezu 50 Prozent bringt sogar der kürzlich von Leonteq emittierte Multi-BRC auf Amgen, Biogen sowie auf den Krebsspezialisten Celgene mit.

Coupon ist garantiert

Der garantiert zur Auszahlung kommende Coupon beträgt 10,0 Prozent p.a., die Rückzahlung des Nominalwertes ist hingegen an den Verlauf der Basiswerte gekoppelt. Den geringsten Abstand zu ihrer Barriere weist derzeit die Aktie von Celgene mit 49 Prozent auf.