Der Jahreswechsel ist ein guter Zeitpunkt, um den roten Investitionsfaden für das neue Jahr zu definieren. Dafür bedarf es einer Einschätzung der Konjunkturentwicklung und der Kapitalmärkte. Grundsätzlich schafft das moderate globale Wachstum, gepaart mit einer expansiven Geldpolitik und einer US-Konjunktur, die weiter brummt, die Grundlage für ein positives Aktienumfeld. Der sinkende Ölpreis, die tiefen Inflationserwartungen, die zwischen den USA und dem Rest der Welt divergierende Geldpolitik – Straffung in den USA versus Lockerung in Europa und Japan – und der damit verbundene Währungskrieg werden 2015 den Welthandel bestimmen.

Schwacher Yen und Euro, tiefer Ölpreis – das wirkt wie ein Konjunkturpaket

Diese Konstellation begünstigt eine heterogene Entwicklung der Aktienmärkte, sodass sich die Kluft zwischen Verlierern und Gewinnern sowohl auf regionaler wie auch auf Branchenebene akzentuieren dürfte. Regional gesehen sind Europa und Japan meine Favoritenmärkte. Die Kombination aus schwacher Währung und tiefem Ölpreis wirkt in beiden Regionen wie ein riesiges Konjunkturpaket, und zudem ist die Bewertung attraktiv. Die USA sitzen zwar konjunkturell fester im Sattel, stehen aber am Anfang eines Zinsanstiegs. Zudem sind US-Aktien teurer, und der Markt weist einen recht hohen Anteil an Energiewerten auf.

Mein roter Faden konzentriert sich also auf den europäischen Markt; insbesondere auf die Branchen Konsumgüter, IT und Telekommunikation. Die exportorientierten Konsumgüterunternehmen werden vom starken US-Dollar profitieren; insbesondere in der Luxusbranche tätige, deren Bewertung nach dem schwachen letzten Jahr relativiert worden ist, und in der Automobilindustrie aktive, wo zusätzlich von den tiefen Rohstoffpreisen profitiert wird. In der IT-Branche werden europäische Anbieter dank dem schwächelnden Euro wettbewerbsfähiger gegenüber US-amerikanischen.

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Telekom-Sektor profitiert

Die starke Kopplung der europäischen IT-Branche an die Automobilindustrie sowie an High-End-Produkte und an energiesparende Produkte im europäischen Halbleiterbereich setzt weiteres Potenzial frei. 2015 dürfte das Jahr des Telekomsektors werden. Netzwerke werden in der Unternehmerlandschaft zum entscheidenden Differenzierungskriterium gegenüber der Konkurrenz. Deshalb befindet sich der Telekomsektor auf dem Höhepunkt des Investitionszyklus. Aus globaler Sicht steht dieser Sektor in Europa besser da. Hier steht eine Konsolidierung bevor, beispielsweise in Grossbritannien oder Frankreich, während sich der Wettbewerb in den USA und in Japan intensiviert.

Das Umfeld für Aktien bleibt aus meiner Sicht positiv. Wegen den divergierenden Notenbankstrategien und den unterschiedlichen Wachstumsgeschwindigkeiten zwischen den einzelnen Regionen ist 2015 mit einer steigenden Volatilität – aber auch mit Opportunitäten – zu rechnen. In diesem Sinn wünsche ich frohes und vor allem glückliches Investieren im neuen Jahr.

Andreas Knörzer, Leiter Asset Management, Notenstein Privatbank