Die Fussballwelt blickt 2016 gebannt nach Frankreich. Vom 10. Juni bis 10. Juli findet in zehn Städten des Landes die Europameisterschaft statt. Millionen Franzosen hoffen darauf, dass ihr Team den Triumph von 1984 wiederholen kann. Damals sicherten sich «Les Blues» im eigenen Land die Fussballkrone des alten Kontinents. An der Börse ist Frankreich schon jetzt in der europäischen Spitze zu finden. Knapp 16 Prozent gewann der CAC 40 im laufenden Jahr bis dato an Wert. Damit hängte er andere wichtige Leitindizes Europas wie DAX, SMI oder den britischen FTSE 100 deutlich ab. Lediglich der FTSE MIB aus Italien schnitt noch besser ab.

Wie im Rest der Eurozone ist auch an der Börse in Paris die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ein zentraler Auslöser der Kauflaune. Seine relative Stärke verdankt der französische Aktienmarkt aber auch ermutigenden Konjunktursignalen. Nachdem das Land die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr lediglich um 0,20 Prozent steigern konnte, traut ihm der Internationale Währungsfonds (IWF) 2015 ein Wachstum von knapp 1,2 Prozent zu. Im kommenden Jahr soll das Plus 1,5 Prozent erreichen.

Vielversprechende Indikatoren

Untermauert wird diese Prognose von den jüngsten Indikatoren. Wobei vor allem der Arbeitsmarktbericht aufhorchen lässt: Im September ist die Zahl der Jobsuchenden erstmals seit Jahren deutlich gesunken. Für eine Beschleunigung der zweitgrössten Volkswirtschaft in der Eurozone sprechen auch die Produktionsdaten für den August. Demnach haben die Unternehmen ihre Leistung in diesem Sommermonat um 1,6 Prozent gesteigert.

Analysten hatten lediglich mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet. Besonders die Industrie expandiert. Hier lag das Produktionswachstum im August bei 2,2 Prozent.

Airbus ist im Steigflug

Diese Entwicklung kommt in den aktuellen Quartalszahlen der Unternehmen bereits zum Ausdruck. Beispiel Airbus (ISIN NL0000235190): Der Flugzeugbauer überraschte mit einem um 12 Prozent erhöhten Betriebsgewinn. Analysten hatten mit einem Rückgang gerechnet. Der in Toulouse ansässige Konzern profitiert von der hohen Nachfrage nach Linienmaschinen. Von Januar bis September steigerte Airbus den Auftragseingang um 42 Prozent auf 112 Milliarden Euro. An den kommenden Tagen könnten weitere Orders hinzukommen.

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Vom 8. bis zum 12. November präsentiert das Unternehmen seine Flotte an der Dubai Air Show. Im Vorfeld des wichtigen Branchenanlasses nahm die Airbus-Aktie das im August markierte Allzeithoch bei 67,99 Euro ins Visier.

Carrefour vor dem Ausbruch

Eine interessante charttechnische Konstellation zeigt sich auch bei Carrefour (ISIN FR0000120172). Der Anteilsschein des Detailhandelsriesen ist drauf und dran, nach oben aus einem kurzfristigen Abwärtstrend auszubrechen. Im dritten Quartal hat sich das organische Wachstum des CAC-Mitglieds beschleunigt. Währungsbereinigt lagen die Umsätze mit 21,5 Milliarden Euro um 4,2 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Vor allem in Südeuropa lief das Geschäft rund. Die Erlöse in Spanien und Italien dehnten sich um 4,6 respektive 5,9 Prozent aus.

Auf dem wichtigen Heimatmarkt verzeichnete Carrefour ein Wachstum von immerhin 1,6 Prozent. Hier profitiert das Unternehmen von einem deutlich aufgehellten Konsumklima – ein Trend, der sich nicht zuletzt wegen der anstehenden Fussball-EM fortsetzen sollte. Analysten heben schon jetzt mehrheitlich den Daumen. Laut Reuters liegt der Konsens für die Carrefour-Aktie bei «Outperform».

Technicolor – Top-Pick der Analysten

Hoch in der Gunst der Experten steht auch Technicolor (ISIN FR0010918292). Kepler Cheuvreux zählt das IT-Unternehmen sogar zu den Top-Picks aus Frankreich. Die Lösungen des Dienstleisters kommen unter anderem in der Filmproduktion oder bei den Set-Top-Boxen von Pay-TV-Sendern zum Einsatz. Nach verlustreichen Jahren schaffte Technicolor 2014 den Turnaround. Gleichzeitig konnte das Unternehmen die Verschuldung deutlich zurückfahren. Zuletzt sorgte das Management mit mehreren Zukäufen für Aufsehen. Unter anderem übernahm Technicolor die Videosparte von Cisco. Mit dem US-Netzwerkspezialisten vereinbarte das Unternehmen zudem eine strategische Partnerschaft auf dem Gebiet medialer Zukunftstechnologien.

Wenig später griffen die Franzosen bei The Mill zu. Die in London ansässige Werbefirma ist auf visuelle Effekte spezialisiert und arbeitet für namhafte Marken wie Samsung oder Nike. Nach den beiden Akquisitionen aktualisiert CEO Frederic Rose die mittelfristige Prognose. Mit der Präsentation der 2015er-Bilanz im kommenden Februar möchte er die neue Zielsetzung bis 2020 vorstellen. Die Aussicht auf einen ehrgeizigen Wachstumsplan könnte die Aktie zusammen mit dem positiven Klima in der Medienbranche, Stichwort Digitalisierungswelle, antreiben. Insofern stellt die aktuelle Konsolidierung des Titels eine Einstiegschance dar.

CAC 40 notiert am Widerstand

Übrigens: Anleger, die vor Einzelinvestments zurückscheuen, können mit Hilfe eines Exchange Traded Fund (ETF) auf das positive Momentum am französischen Aktienmarkt setzen. An der SIX ist ein Indexfonds von Amundi (ISIN FR0007080973) kotiert. Er bildet den CAC 40 gegen eine Gesamtkostenquote von 0,25 Prozent p.a passiv ab. Schon kurzfristig ist der Index spannend: Notieren die 40 Mitglieder doch am Widerstand und bei der psychologischen Marke von 5000 Punkten. Fällt die Hürde, könnte der Ausbruch schnell deutliche Steigerungen auslösen.