Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit, geplante Wiedereinführung der Todesstrafe und Alleingänge gegenüber Putin – die Nachrichten der letzten Zeit über Ungarn wurden von vielen nicht gerade positiv aufgenommen. Auf den Gedanken, dass die Börse Budapest haussieren könnte, kommen deshalb auch nur wenige. Aber tatsächlich zählt der ungarische Leitindex mit einem Plus seit dem Jahresanfang von 35 Prozent zu den internationalen Top-Performern.

Allerdings ist der Aufschwung nur wenige Monate alt. Denn zwischen Herbst 2011 und Ende 2014 lief der BUX, der Leitindex des Landes mit seinen 14 Mitgliedern, in einer vergleichsweise engen Handelsspanne, meist zwischen 16'000 und 19'000 Punkten. Erst seit Anfang Januar, in etwa zeitgleich mit der Bekanntgabe der massiven Anleihenkäufe durch die EZB und mit dem dadurch ausgelösten Kursschub anderer Leitbörsen im Euroraum, zog es auch den BUX aus seiner Trading Range heraus.

Zinssenkung beflügelt

So richtig nach oben ging es mit der Börse Budapest allerdings erst im März und April mit einem  Kursplus in den beiden Monaten von rund 20 Prozent. Befeuert wurde die Hausse am Aktienmarkt durch die beiden Zinssenkungen der ungarischen Notenbank im März von 2,1 auf 1,95 Prozent und dann im April auf 1,8 Prozent. Bis zum Sommer erwartet Bank Austria sogar noch weitere Zinsschritte nach unten. Immerhin hatte das jedoch bisher noch nicht einmal Kursrückgänge der Währung des Landes zur Folge. Seit März hält sich der ungarische Forint nämlich gegenüber Dollar oder Euro per Saldo ziemlich stabil. Das heisst: Die positive Kursentwicklung am Aktienmarkt wurde nicht durch negative Währungseffekte aufgefressen.

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Immerhin rechtfertigen auch andere Fundamentaldaten den Kursaufschwung im BUX. So hat Ungarn sein Schuldenproblem vergleichsweise im Griff. Der Schuldenstand, bezogen auf das Bruttoinlandprodukt, fiel im vergangenen Jahr von 79,3 auf 79,0 Prozent. 2010 lag die Schuldenquote noch bei 81,4 Prozent. Dann ist auch die Inflation mit 0,9 Prozent moderat, und auch von Deflation ist weit und breit nichts zu sehen. Wegen des reduzierten Schuldenstands erwarten Ökonomen für 2016 aber immerhin eine Aufwertung des Landes zu Investment-Grade – also als investitionswürdig, etwa für institutionelle Investoren wie Banken und Versicherungen.

Starkes Wachstum und weitere Kursgewinne

Dann die Konjunktur. Nach einem flauen Wachstum von 1,5 Prozent im 2013 zog die Wirtschaft in Ungarn im vergangenen Jahr kräftig an und legte um 3,6 Prozent zu. In diesem und im nächsten Jahr erwarten die Ökonomen beispielsweise von Bank Austria ein Plus von 2,6 und 2,4 Prozent. Überhaupt scheinen die Bedingungen im Land für Unternehmen gut zu sein. So sind Unternehmen mit der ungarischen  Infrastruktur im Vergleich zu anderen Ländern überdurchschnittlich oft zufrieden. Die Arbeitskosten sind mit 7,80 Euro je Stunde im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 24,50 Euro sehr tief und werden in den 28 EU-Ländern nur von Lettland, Litauen, Bulgarien und Rumänien unterboten. Das spiegelt sich auch in der Arbeitslosenquote wider. Diese fiel von 11,2 Prozent im 2010 auf 7,7 Prozent Ende 2014.

Per Saldo also eine gute Ausgangslage für weitere Kursgewinne an der Börse Budapest. Insbesondere die Hochstufung auf Investment-Grade dürfte weitere Investoren locken. Neben dem Investment in den Leitindex BUX, mittels Indexzertifikat (ISIN: DE000CB6EBV7, Laufzeit endlos, währungsgesichert gegenüber dem Euro), ist die Aktienanlage im Land vergleichsweise schwer. Ausser an der Börse Budapest werden nämlich an anderen Börsen in Europa lediglich die BUX-Indexschwergewichte Magyar Telekom und OTP Bank mit einigermassen ansprechender Liquidität gehandelt. Während sich die Aktie des Telekomunternehmens seit dem Jahresanfang dabei im Rahmen der allgemeinen Kursgewinne der Börse Budapest bewegt, konnte sich der Kurs von OTP Bank seit Januar schon fast verdoppeln. Mit einem geschätzten 15er-KGV in diesem Jahr scheint das Institut aber trotz der Kursexplosion noch nicht einmal übertrieben hoch bewertet zu sein.