Dass der chinesische Aktiensturz am Jahresanfang weniger mit Volkswirtschaft als vielmehr mit den Besonderheiten des dortigen Aktienmarktes zu tun hatte, haben wir inzwischen gelernt. Und dass der Markt bei schlechten Nachrichten aus dem Reich der Mitte leidet, ist ebenfalls verständlich. Kommen dann noch dürftige Makrodaten aus den USA und der im freien Fall befindliche Ölpreis dazu, braut sich schnell ein Sturm zusammen.

Es ist unbestritten, dass die Kursentwicklung an den Finanzmärkten zu einem erheblichen Teil auf Psychologie zurückzuführen ist und dass damit das Risiko selbsterfüllender Prophezeiungen besteht. Tritt man aber einen Schritt zurück und betrachtet die fundamentale Situation mit mehr Abstand, stellt man fest, dass die Welt sich gegenüber dem Dezember nicht nennenswert verändert hat. Nach wie vor steht zu erwarten, dass die chinesische Volkswirtschaft in diesem Jahr wachsen wird. Auch in den USA sollte sich die wirtschaftliche Lage weiter festigen. Als Hort der Stabilität erscheint in dieser unsicheren Zeit ausgerechnet die Eurozone, die zwar bei weitem noch nicht alle ihre Probleme gelöst hat, die sich aber Stück für Stück aus den Nachwehen der Eurokrise löst und zu moderatem Wachstum zurückfindet. Sogar die Arbeitslosigkeit war zuletzt rückläufig.

Zentralbanken – keine Crashgefahr in Sicht

Und die Zentralbanken? Die werden wohl weiterhin genau das tun, was sie am Ende des vergangenen Jahres angekündigt haben, nämlich in den USA die Erwartung weiterer Zinsanhebungen aufrechterhalten und in Europa den geldpolitischen Kurs im Zweifel eher noch weiter lockern. Ausreisser in dieser neuen, aber relativ transparenten Zentralbankwelt 2016 ist allenfalls die People’s Bank of China, die uns in den ersten Tagen des Jahres mit dem Verzicht auf die erwartete Mindestreservesatzsenkung und mit einer massiven Währungsabwertung als Ersatz dafür ziemlich böse überrascht hat. Unterm Strich ist aber auch von dieser Seite keine unmittelbare Crashgefahr auszumachen. Anleger hatten sich gut vorbereitet und die Zentralbankentscheidungen eingepreist. Seitdem ist kaum etwas passiert.

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Sind Investoren also irrational, wenn sie in der gegenwärtigen Lage so sensibel reagieren? Mitnichten. Es gibt durchaus genügend glaubwürdige Szenarien, in denen sich die Krisensymptome weiter zum perfekten Sturm zusammenbrauen. Denken wir nur an die Verbindung zwischen Ölpreis und ökonomischer Stabilität in einigen Schwellenländern, wie Russland, Saudi-Arabien oder Nigeria. Anhaltend niedrige oder gar weiter fallende Ölpreise könnten Ländern wie diesen erheblich zusetzen.

Die Hoffnung liegt auf Mario Draghi und auf der Weltwirtschaft

Die Liste liesse sich fortsetzen, und oft stehen Schwellenländer im Fokus der Besorgnis. Verständlich also, dass Anleger in Deckung gehen. Es droht sich ein Dominoeffekt aus Pessimismus, fallenden Kursen, noch mehr Pessimismus usw. zu entwickeln. Was es bräuchte, um aus diesem Teufelskreis ausbrechen zu können, wären greifbare Belege dafür, dass es um die Weltwirtschaft nicht ganz so schlecht bestellt ist wie befürchtet. Nach der Enttäuschung im Dezember könnte es sein, dass Mario Draghi nun zum Schluss kommen wird, er habe etwas gutzumachen. Wir schauen unter dem Strich mit einer Mischung aus Hoffnung und Zuversicht nach vorn.

Von André Bantli, Head Distribution BlackRock Schweiz