Das Ausland blickt mit Hochspannung nach Indien. Am 7. April haben im Land mit der zweithöchsten Bevölkerungsdichte der Erde die wichtigen Parlamentswahlen begonnen. Allerdings müssen sich die Beobachter bis zum Endergebnis noch gedulden. Denn das indische Wahlsystem zerstückelt die Abstimmung auf insgesamt neun Tage. Der letzte Wahltermin ist am 12. Mai, wobei es danach bis zur finalen Stimmenauszählung noch einmal vier Tage dauert.

Was die Wahl so spannend macht, ist die Aussicht auf einen Regierungswechsel. Bisher ist das Land von Manmohan Singh regiert worden, der seit 2004 Ministerpräsident ist. Der zur United Progressive Alliance (UPA) gehörende Politiker gilt als «Vater» der zu Beginn der 1990er-Jahre angestossenen wirtschaftlichen Öffnung des Landes. Allerdings hat sein Ruf in den vergangenen Jahren infolge von Korruptionsskandalen und Misswirtschaft stark gelitten. Viele Inder, insbesondere aus der urbanen Mittelschicht, trauen ihm nicht mehr zu, dass er Indien wirtschaftlich voranzubringen vermag.

Indiens Notenbank bekämpft die Inflation

Versagen wird dem Politiker insbesondere bei der Inflationsbekämpfung vorgeworfen. So stieg die Inflationsrate in seiner Amtszeit von 3,7 Prozent im 2004 auf bis zu 12,0 Prozent im 2010. Aktuell liegt sie zwar wieder unter 7 Prozent, das ist aber vor allem auf die beherzte Geldpolitik der Reverse Bank of India zurückzuführen. Denn Indiens Notenbank hat trotz erheblichem politischem Druck den Leitzins in mehreren Schritten angehoben.

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Zum neuen starken Mann Indiens könnte Narendra Modi aufsteigen. Zumindest deuten die meisten Umfragen an, dass eine Koalition unter seiner nationalistischen Hindu-Partei Bharatiya Janata Party (BJP) als Sieger des Urnengangs hervorgehen wird. Modi, zurzeit amtierender Ministerpräsident des Bundesstaates Gujarat, wird auch von ausländischen Investoren favorisiert. Sie trauen ihm zu, dass er die «grösste Demokratie der Welt» wieder auf Reformkurs bringen kann.

Anleger setzen auf einen Regierungswechsel

An den Kapital- und Währungsmärkten wird bereits auf Modi gewettet. Zumindest deuten Marktkenner das Comeback der indischen Rupie sowie die Kursgewinne indischer Aktien auf diese Weise. Mussten im September 2013 noch mehr als 67 Rupien für einen Dollar gezahlt werden, sind es jetzt nur noch rund 60. Auch Aktien boomen: Knapp 9 Prozent hat der MSCI-India-Index in den vergangenen drei Monaten in lokaler Währung hinzugewonnen. In Dollar gerechnet, beträgt das Plus sogar 13 Prozent. Medienberichten zufolge sind allein im März rund drei Milliarden Dollar ausländisches Kapital nach Indien geflossen.

Einigen Experten ist die Vorfreude der Investoren allerdings nicht geheuer. Sie würden zu rasch die Widrigkeiten, vor denen die indische Volkswirtschaft immer noch steht, verdrängen, warnt zum Beispiel Frederic Neumann, Analyst bei HSBC. Tatsächlich gibt es Gründe zur Skepsis. Offen ist, ob Modi die Wahl tatsächlich gewinnen wird, denn schon bei den vergangenen Abstimmungen erwiesen sich die Umfragen als sehr unzuverlässig.

Investments in Indien: Breite Streuung

Und wenn doch, dann ist ungewiss, ob Modi tatsächlich wirtschaftliche Reformen einleiten wird. Sein Wirtschaftsprogramm gilt als oberflächlich. Es muss sich also zeigen, ob der Aufwärtstrend an der Bombay Stock Exchange (BSE) anhält. Zwar erwartet das Gros der Analysten weitere Kursgewinne, doch dürfte das Potenzial begrenzt sein. Gegenüber dem MSCI-Asien-Pazifik(ex Japan)-Index sei der indische Aktienmarkt mit einem KGV von 15 nicht mehr günstig bewertet, heisst es in einer Studie der Commerzbank. Oder mit anderen Worten: Investments ja, aber bitte mit Augenmass.

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MSCI-India-Index-Tracker (ISIN: CH0119397500)

Der von der UBS angebotene Open-end-Tracker lautet auf USD. Er partizipiert am MSCI-India-Index, einer der breitesten Benchmarks für indische Aktien. Dabei fällt keine Managementgebühr an.

RBS-India-ADR/GDR-Index-Tracker (ISIN: CH0017760577)

Das Produkt lautet ebenfalls auf USD. Im Basiswert sind zehn indische Blue Chips (ADR/GDR) enthalten, die aktuell nahezu gleichgewichtet sind. Die Managementgebühr liegt bei 0,30 Prozent p.a.

Dieses von der Commerzbank emittierte Produkt wird nur in Deutschland gehandelt. Es partizipiert an einem Korb aus fünf ausgewählten Indien-Fonds. Die Emittentin verlangt eine Gebühr von rund 1,25 Prozent p.a.

Indien-Top-Select-Zertifikat (ISIN: DE000DB6ARC0)

Indien-Tracker von der Deutschen Bank, der ebenfalls nur in Deutschland gehandelt wird. Der Basiswert-Basket des gebührenfreien Produkts umfasst die ADRs von acht indischen Unternehmen.

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