Der Tod des brasilianischen Präsidentschaftskandidaten Eduardo Campos lässt die Zweifel an einem Politwechsel in Brasilien wachsen. Die bei der Bevölkerung unbeliebte und an den Märkten als interventionistisch verschriene Präsidentin Dilmar Rousseff wird wohl – wenn auch wahrscheinlich nicht im ersten Wahlgang – wieder gewählt werden. Damit sinken die Chancen auf einen wirtschaftspolitischen Wandel, den das Land jedoch dringend bräuchte.

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Für tiefgreifende Strukturreformen, so macht es den Anschein, ist die Präsidentin nicht stark genug. Bereits deutet sich an, dass die grösste lateinamerikanische Volkswirtschaft immer tiefer in eine konjunkturelle Krise abgleiten wird. Auch wegen der Weltmeisterschaft und der damit verbundenen geringeren Zahl an Arbeitstagen dürfte das BIP im zweiten Quartal um 0,5 Prozent geschrumpft sein. Damit droht Brasilien in eine technische Rezession abzurutschen.

Arbeitsmarkt – ein Anstieg der Quote ist zu erwarten

Es scheint aufgrund der Datenlage sehr wahrscheinlich zu sein, dass die Wachstumszahl für das erste Quartal von +0,2 Prozent auf -0,1 Prozent nach unten revidiert werden muss. Per Definition befände sich das Land dann mit zwei aufeinanderfolgenden Quartalen der wirtschaftlichen Kontraktion in der Rezession.

Damit dürfte auch das prognostizierte Jahreswachstum von 1,5 Prozent nur noch Makulatur sein. Es dürfte eher bei unter 1,0 Prozent liegen. Erschwerend kommt hinzu, dass die ersten Indikatoren darauf hinweisen, dass die seit Jahren sinkende Arbeitslosigkeit an einem Wendepunkt angelangt ist und dass die Arbeitslosenquote tendenziell wieder steigen wird. So fiel der Job-Creation-Index in den vergangenen Quartalen auf ein Mehrjahrestief – Brasiliens Unternehmen stehen derzeit auf der Investitionsbremse. Dies dürfte auch den ohnehin schwächelnden privaten Konsum weiter belasten und das Wachstum zusätzlich ausbremsen.

Der Beitrag ist ein Meinungsartikel von theinvestor.ch