In ihrer ersten Amtszeit glänzte die «erste Frau» im Staat vor allem mit einem: Mit leeren Versprechungen. Sie wird wohl die lahmende Konjunktur mit den gleichen, erfolglosen Massnahmen, die sie in ihren ersten vier Präsidialjahren getroffen hat, anzukurbeln versuchen: Mit einer staatlichen Ausgabenpolitik. Das Ergebnis dieser Politik ist traurig: Die Inflation steigt, die Konjunktur liegt am Boden, der Haushalt der Regierung ist tiefrot, und der Kampf gegen Korruption und Misswirtschaft ist bisher überhaupt nicht vorangekommen.

Land in der Krise und kein wirklich brauchbares Konzept

Dazu kommen die strukturellen Probleme des Landes, etwa bei der Strom- und Wasserversorgung. In der Finanzmetropole Sao Paulo gibt es über Stunden und Tage kein fliessendes Wasser. Der staatliche Energieverwalter musste jüngst den Strom in zehn Bundesstaaten mehrere Stunden abstellen, damit verhindert werden konnte, dass das gesamte Stromsystem kollabierte. Es ist wahrscheinlich, dass es in diesem Jahr immer wieder zu Stromrationierungen kommen wird.

Branchenexperten erwarten, dass die Strompreise gleichzeitig um bis zu 40 Prozent steigen werden. Das dürfte die aus dem Ruder laufende Inflation noch weiter anheizen und die Notenbank unter Zugzwang setzen. Man muss davon ausgehen, dass die Notenbank den Leitzins «Selic» noch deutlich über das heutige Niveau von 12,25 Prozent heben wird. Hinzu kommt, dass Finanzminister Joaquim Levy die Steuern auf Benzin, Importprodukte und Verbraucherkredite erhöht hat, um das Defizit im Staatshaushalt zu reduzieren. Gleichzeitig hat der Politiker Steuererleichterungen für die Automobilbranche gestrichen. Zusätzlich will er Kürzungen bei der Arbeitslosenversicherung und bei den Pensionsansprüchen im Kongress durchsetzen. Ein gutes, wachstumsorientiertes wirtschaftliches Umfeld sieht anders aus.

Der Bovespa auf Sechsjahrestief

Das alles spiegelt sich auch im Aktienmarkt wider. Der Bovespa notiert im Bereich des Sechsjahrestiefs. Einziger Lichtblick: Trotz des politischen und wirtschaftlichen Debakels im Land könnte der Index möglicherweise vor einem – wahrscheinlich aber eher nur vorübergehenden – Turnaround stehen. Denn schon 2013 und 2014 schaffte der Aktienmarkt Brasiliens innert kurzer Zeit von der 45'000-Punkte-Marke aus schnelle Steigerungen um rund 20 Prozent.

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