BRIC – Brasilien, Russland, Indien, China – vor zehn Jahren waren diese vier Buchstaben eine Zauberformel für Gewinne. Die vier grossen Schwellenländer sahen Anleger als Garant für schöne Kurssteigerungen und für die Chance auf die oft innert kurzer Zeit erfolgte Vervielfachung des Kapitals. Ewiges Wachstum wurde ohnehin erwartet. Dieses Bild hat sich längst gewendet. China hat bei Investoren schon vor Jahren an Glanz verloren, Russland leidet unter der Kapitalflucht und unter Sanktionsangst, Indiens Sensex schlägt sich noch wacker weiter nach oben.

Und Brasilien? Das Land am Zuckerhut, dem Anleger vor einigen Jahren noch goldene Zeiten prognostiziert hatten, kämpft mit zahlreichen Problemen. Und der Leitindex Bovespa der Börse São Paulo notiert 30 Prozent unter den Hochs aus 2007 und 2010. Anleger fragen sich: Was ist los an der Copacabana? Kann man das Land abhaken oder gibt es Hoffnung?

Brasilien hat viele Probleme

Immerhin gab es erst vor wenigen Tagen in Rio de Janeiro grosse Strassenschlachten, und die Polizei geht jetzt kurz vor der Fussball-WM massiv gegen illegale Armensiedlungen vor. Das waren nicht die ersten Krawalle im Land. Schon letztes Jahr demonstrierten Hunderttausende von Brasilianern gegen Verschwendung – auch im Rahmen der Fussball-WM. Während Brasilien für das Ereignis Kosten von rund 15 Milliarden einplant, müssen die Bürger den Gürtel enger schnallen, etwa in Form von Preissteigerungen im Nahverkehr, und sie leiden unter einer schlechten öffentlichen Infrastruktur, etwa im Bildungs- und Gesundheitswesen. Und es gibt Korruption in der Verwaltung. Brasilien rutschte im Korruptionsindex CPI von Transparency International im vergangenen Jahr von Rang 69 auf Platz 72 zurück und liegt damit gleichauf mit Ländern wie Südafrika, Serbien, Bosnien oder Herzegowina.

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Zusätzlich haben sich die Wirtschaftsdaten eingetrübt. Zwar ist die Arbeitslosenquote im Bereich von 5 Prozent auch im internationalen Vergleich sehr niedrig, doch das Wirtschaftswachstum geht zurück. Schaffte das Land zwischen 2004 und 2011 im Durchschnitt ein Plus von 4,3 Prozent im Jahr, so waren es 2013 nur noch rund 2 Prozent. Und obwohl die Wirtschaftsleistung kaum vorankommt, klettern die Löhne. Das wiederum treibt die Inflation. Lag die Preissteigerung am Zuckerhut 2006 noch bei 3,1 Prozent, so waren es in den letzten drei Jahren regelmässig um oder über 6 Prozent.

Währungsverfall – die Notenbank läutet die Wende ein

Dieses Gemisch ist schlecht für Brasiliens Währung. Allein im letzten Jahr verlor der Real gegenüber dem Franken und dem Euro 20 Prozent an Wert, und auch gegenüber dem Dollar verbilligte sich Brasiliens Devise um 10 Prozent. Das wiederum verteuert Importe und heizt die Preise zusätzlich an. Um den Währungsverfall und damit die Inflation zu bekämpfen, hat Brasiliens Notenbank den Leitzins erst Anfang April auf 11 Prozent geschraubt und damit in etwas mehr als einem Jahr bereits um fast 4 Prozentpunkte angehoben. Der Realzins ist dadurch inzwischen mit rund 5 Prozent einer der höchsten weltweit.

Das sollte Investoren locken und zeigt bereits Wirkung. So konnte der Real gegenüber dem Dollar seit Jahresanfang 10 Prozent an Wert gewinnen, und der Aktienmarkt mit dem Leitindex Bovespa prallte nach monatelanger Talfahrt im März nicht nur an der wichtigen Unterstützung bei 45'000 Punkten ab, sondern konnte von dort in wenigen Wochen um 15 Prozent zulegen.

WM- und Olympia-Phantasie

Für 2014 ist auf jeden Fall weitere Spannung angesagt: Möglicherweise bringt die Fussball-WM einen Tourismus-Schub im Juni mit einem entsprechenden Impuls für das Wirtschaftswachstum. Dann stehen in diesem Jahr wichtige Wahlen vor der Tür – die des Staatspräsidenten und des Parlaments. Und Wahljahre sind ja bekanntlich gute Börsenjahre. Denn zur Wahl spendieren Politiker ihren Bürgern gerne Wahlgeschenke und vertragen Ausgabenkürzungen.

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Während das die kurzfristige Perspektive ist, planen Anleger, die auf eine Rückkehr Brasiliens spekulieren, auch etwas länger. Beispielsweise steht 2016 die Sommer-Olympiade in Brasilien an. Das dürfte Infrastrukturprojekte anschieben, mit entsprechenden Folgen für die Konjunktur.

Bovespa – doppelte Chance für Börsianer

Schon vorher allerdings ist im lateinamerikanischen Land wieder mit einem stärkeren Wachstum zu rechnen. Immerhin deuten zumindest die Prognosen auf Beschleunigung. Nach einem erwarteten Wachstumsplus von 1,8 Prozent in diesem Jahr rechnen die Ökonomen vom Internationalen Währungsfonds IWF für 2015 in Brasilien mit einem Wirtschaftsplus von 2,7 Prozent. Anleger wissen: Die Börse nimmt den Konjunkturverlauf sechs Monate vorweg: Das verspricht im Bovespa in den nächsten Monaten weiter Steigerungen.

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Brasilien bietet für Börsianer nun eine zweifache Chance: Zum einen den weiteren Aufschwung der Aktien im Land, zum anderen mögliche Währungsgewinne. Dadurch würden Kurssteigerungen gehebelt. Immerhin dürfte auch der bevorstehende WM-Tourismus eine höhere Nachfrage nach Reals und entsprechende Währungssteigerungen nach sich ziehen. Anleger setzen darauf, dass der aktuelle Aufschwung im Bovespa keine Schwalbe ist, sondern der Beginn weiterer dynamischer Kurssteigerungen, zumindest bis Ende Jahr.

Bovespa-Index-Zertifikat (ISIN: CH0021175366, Laufzeit endlos, nicht währungsgesichert, Bezugsverhältnis 1000:1)

Mit einem Indexzertifikat auf den Bovespa setzen Anleger breit gestreut auf den brasilianischen Aktienmarkt und partizipieren damit im Verhältnis 1:1 an der weiteren Entwicklung der Börse São Paulo.

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Der Energieversorger konnte vom Aufschwung des Bovespa in den letzten Wochen überproportional profitieren und notiert inzwischen an der oberen Begrenzungslinie des Abwärtstrends. Möglicherweise beschleunigt der Sprung über diese Hürde die Kursdynamik.

Der Öl- und Gaskonzern dürfte überdurchschnittlich von einem stärkeren Wirtschaftswachstum in Brasilien profitieren und ist mit einem 7er-KGV im Branchenvergleich günstig bewertet.

Beim Bankhaus ist mit anziehender Konjunktur auch wieder mit einer steigenden Kreditnachfrage zu rechnen. Das dürfte den Kurs beflügeln.