Ein Jahr ist es seit dem IPO erst her, doch das Interesse der Anleger an Bravofly Rumbo ist inzwischen deutlich abgeflaut. Wurden im Durchschnitt der letzten 250 Tage an der SIX noch Aktien der Online-Reiseagentur im Volumen von rund 650'000 Franken pro Tag gehandelt, so liegt das Handelsvolumen im Durchschnitt der letzten 30 Tage mit rund 265'000 Franken nicht einmal mehr halb so hoch. Wechselten im April 2014 nach dem Börsengang des Reisekonzerns aus Chiasso im Tessin im Monat meist noch 500'000 bis 1,0 Millionen Stück den Besitzer, so waren es in diesem April insgesamt nur 260'000 Stück. Neuen Auftrieb brachte dabei nicht einmal die Umbenennung des Unternehmens. Denn seit Dienstag notiert der Reisespezialist unter lastminute.com.

Das Desinteresse der Anleger mag begründet sein, denn beim IPO, der vor einem Jahr stattgefunden hat, hatten die Bravofly-Alteigentümer den Emissionspreis stark ausgereizt. Bei einer zunächst angekündigten Preisspanne von 40.0 bis 52.0 Franken für die neue Aktie kam Bravofly zu 48.0 Franken an den Markt. Vor allem aber: Seit dem IPO ist der Kurs im Rückwärtsgang, das Emissionsniveau wurde niemals erreicht – die Aktie ist damit bis jetzt ein glattes Verlustgeschäft für Börsianer der ersten Stunde. Zwischenzeitlich war der Titel sogar schon bis zu 70 Prozent unter den IPO-Level gefallen.

Lange Kursflaute – Übernahme von lastminute.com bringt den Umschwung

Immerhin: Die Mitte Dezember angekündigte Übernahme der Online-Reiseplattform lastminute.com vom US-Konzern Sabre mit einem Transaktionsvolumen von geschätzt etwa 120 Millionen Dollar verschaffte dem Kurs der damaligen «Noch-Bravofly-Aktie» die Wende nach oben. Innert drei Wochen kletterte die Notierung um rund 25 Prozent. Der Kursaufschwung wurde zwar durch das Aus beim Euro-Mindestkurs im Januar kurz unterbrochen, doch inzwischen notiert Bravofly – jetzt lastminute.com – um fast 10 Prozent über dem Januar-Hoch.

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Operativ zeigt sich bei der alten Bravofly im 2014 ein gemischtes Bild. Zwar stieg das gebuchte Reisevolumen – das Unternehmen ist in 35 Ländern aktiv und wickelt zehn Millionen Buchungen ab – im vergangenen Jahr um 24,7 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro, und der Umsatz kletterte um 19,3 Prozent auf 147,0 Millionen Euro, doch gewinnseitig gab es Gegenwind. So stiegen die Marketingkosten um 30,2 Prozent auf 66,2 Millionen Euro, und die anderen Betriebsausgaben kletterten inklusive der Kosten für den IPO um 37,4 Prozent. Aber sogar bereinigt um die Belastungen aus dem Börsengang stieg diese Bilanzposition immer noch um 29,4 Prozent. Richtig zu Buche schlugen hier die deutlich höheren Kosten bei Kreditkartenabrechnungen. Dort gab es einen Anstieg um 55,7 Prozent auf 14,2 Millionen Euro.

Hohe Kosten verursachten im 2014 einen herben Gewinnrückgang …

Die Zahlen zeigen: Wachstum hat seinen Preis, und der Wettbewerbsdruck verursacht deutlich höhere Marketingausgaben. Per Saldo schaffte Bravofly Rumbo im 2014 damit noch ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 21,1 Millionen Euro. Im Vorjahr lag das Ebitda noch bei  22,8 Millionen Euro. Infolgedessen fiel der Jahresüberschuss um 41,5 Prozent auf 7,2 Millionen Euro, und das Ergebnis je Aktie von 1,08 auf 0,51 Euro. Immerhin: Infolge des Börsengangs verfügte das Reiseportal Ende 2014 nicht nur über eine starke Bilanz mit einer Eigenkapitalquote von 64,0 Prozent und einem Buchwert je Aktie von rund 12.25 Franken, sondern auch über eine Netto-Cash-Position in der Höhe von 90 Millionen Euro oder rund 6.75 Franken je Aktie.

Jetzt aber zum lastminute-Deal und zu den Kursgewinnen der letzten Monate. Laut Bravofly-CEO Francesco Signoretti soll die Übernahme keinen Einfluss auf die Nettofinanzposition seines Unternehmens haben, eine Kapitalerhöhung scheint auch nicht geplant zu sein. Zu erwarten sind aber kräftige Umsatz- und Gewinnsteigerungen. So zählt lastminute.com zu den bekanntesten Online-Reiseagenturen in Europa und brachte pro forma einen Umsatz von rund 115 Millionen Euro mit in den neuen Konzern. Manager Signoretti erwartet aber weitere Steigerungen. Lag der Umsatz im Konzern pro forma im 2014, also inklusive lastminute.com, bei rund 260 Millionen EUR, so sollen die Erlöse bis 2017 auf 330 Millionen EUR und das bei einem Buchungsvolumen von 3,0 Milliarden Euro steigen. Im Jahr 2020 rechnet Signoretti bei einem Buchungsvolumen von 5,0 Milliarden Euro sogar mit Umsätzen von 600 Millionen Euro.

… bis 2017 ist aber mit einem Ergebnisschub zu rechnen

Die Gewinnspanne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll dann von 14,4 Prozent im 2014 bei Bravofly auf 18 Prozent und dann bis 2020 auf 25 Prozent steigen. Dabei wird vor allem bei der im Moment noch nicht so profitablen Tochter lastminute.com am Gewinn gedreht. So sollen die operativen Kosten der Tochter von derzeit 73 Prozent vom Umsatz auf 40 Prozent im 2016 fallen. Insgesamt im Konzern sind es derzeit 53 Prozent.

Im 2015 rechnet Signoretti zwar noch mit Belastungen aus dem lastminute-Deal, doch schon im zweiten Halbjahr sollen die positiven Effekte wirksam werden. Erreicht der Manager seine Ziele, könnte das Ergebnis 2017 schon im Bereich von 2.50 Franken je Aktie liegen, 2020 könnten es sogar weit über 5.0 Franken sein. Damit scheinen bei einer positiven Entwicklung schon in einigen Jahren Kurse über dem IPO-Niveau möglich zu sein. Charttechnisch betrachtet hat der Wert die gleitenden Durchschnitte der 100- und 200-Tage-Linie überschritten und notiert an der unteren Begrenzung des kurzfristigen Aufwärtstrends. Möglicherweise wird die Notierung von dort schnell nach oben abprallen und dann Kurse um 20 Franken ins Visier nehmen.