«Erwarte das Glück schlafend», lautet ein japanisches Sprichwort, das in etwa unserer Redewendung «das Glück kommt über Nacht» entspricht. Im Fall von Japans Wirtschaft dauert der Schlaf allerdings schon mehr als zwei Jahrzehnte. Und das Glück ist immer noch flüchtig. Zu diesem Schluss muss man kommen, wenn man auf die jüngsten Konjunkturdaten blickt. So wuchs das japanische Bruttoinlandprodukt (BIP) im Schlussquartal des vergangenen Jahres lediglich um 0,3 Prozent. Ökonomen hatten mit einer deutlich höheren Zuwachsrate von 0,7 Prozent gerechnet. Sorgen bereitet ausserdem der Export.

Eigentlich sollten Japans Ausfuhren vom billigen Yen profitieren, so sieht es zumindest der grosse «Raus-aus-der-Deflation»-Plan von Ministerpräsident Shinzo Abe vor. Doch, obwohl der Yen gegenüber dem US-Dollar in den vergangenen Monaten noch einmal an Wert verloren hat, schlug das auf die Exportwirtschaft nicht so stark durch, wie erwartet. Zwar legten die Ausfuhren im Januar im Vergleich zum Vorjahr um 9,5 Prozent zu, Analysten hatten jedoch mit einer Zunahme von 12,5 Prozent gerechnet.  Weil die Importe im gleichen Zeitraum um 25 Prozent gestiegen sind, verbuchte das Land im Januar ein Handelsbilanz-Rekorddefizit von 2,8 Billionen Yen (24,2 Milliarden Franken).

Geht der Fiskal- und Geldpolitik die Luft aus?

Auch wenn man die jüngsten Konjunkturdaten nicht überbewerten sollte, lösten sie an den Finanzmärkten eine gewisse Unruhe aus. Drohen die «Abenomics», der Begriff steht für die unter Abe eingeleitete extrem expansive Geld- und Fiskalpolitik, wieder zu verpuffen? Dabei hatte es bislang doch ganz gut ausgesehen. So legte Nippons Wirtschaft in den ersten beiden Quartalen des vergangenen Jahres noch um 4,1 Prozent (erstes Quartal 2013) beziehungsweise um 3,8 Prozent (zweites Quartal 2013) zu. Die Politik des billigen Geldes der Bank of Japan (BoJ) in Verbindung mit der Erhöhung der Staatsausgaben durch die Regierung schien also Früchte zu tragen, zumal auch – wie erhofft – die Inflationsrate anzog und das Land damit endlich aus der langen Deflationsphase zu kommen schien.

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Dass die enttäuschenden BIP- und Exportdaten an der Aktienbörse in Tokio keine nachhaltig negativen Spuren hinterlassen haben, lag vor allem an der Bank of Japan. Die Notenbank bekräftigte, sie werde ihre expansive Geldpolitik in dem Mass fortsetzen, wie sie es vor knapp einem Jahr beschlossen hatte. Ausserdem gehen die meisten Marktteilnehmer davon aus, dass BoJ-Chef Haruhiko Kuroda nicht zögern wird, die Schleusen noch weiter zu öffnen.

Die Mehrwertsteuer wird erhöht

Dies könnte schon bald der Fall sein. So steigt der Mehrwertsteuersatz im April in einem ersten Schritt von 5 auf 8 Prozent. Damit will die Regierung die staatlichen Einnahmen erhöhen. Allerdings birgt die Massnahme auch ein nicht unerhebliches Risiko. So warnen zum Beispiel die Analysten von Goldman Sachs vor negativen Effekten für den privaten Konsum und für das Wirtschaftswachstum.

Nicht alle Ökonomen erachten die Steuererhöhung als eine unmittelbare Gefahr. So gehen zum Beispiel die Experten der Commerzbank davon aus, dass Japans BIP in diesem Jahr um 1,8 Prozent zulegen wird. «Die Rahmenbedingungen bleiben günstig», sagt Commerzbank-Ökonom Marco Wagner. Die expansive Geldpolitik der Notenbank werde den Yen schwach halten, was die japanischen Produkte am Weltmarkt wettbewerbsfähiger mache. Zu einem ähnlichen Fazit kommt eine Studie von J.P. Morgan Asset Management. Man gehe davon aus, dass die japanische Wirtschaft im kommenden Jahr wachsen werde, heisst es darin. Trotzdem sei keine übermässige Euphorie angebracht. Der Rat an die Investoren: Sie sollten ihre Erwartungen an Japan nicht zu hoch schrauben.

Vier Investments für Japan-Spezialisten

MSCI Japan ETF: Standard-Investment: Mit dem von der UBS angebotenen ETF können Anleger in den marktbreiten MSCI Japan Index investieren.

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Solactive Japan Export ex Financials Tracker: Spezialthema: Mit dem noch bis März 2016 laufenden Tracker lässt sich auf ausgewählte japanische Exportwerte setzen.

Toyota: Einzel-Investment: Der Autobauer hat gerade die Prognose erhöht und wird von der Mehrheit der Analysten mit «Kaufen» eingestuft.

USD/JPN Mini Future Long: FX-Wette: Ein schwacher Yen zählt zu den Zielen der Abenomics. Der Mini Future profitiert mit Hebel von einem fallenden Devisenkurs.