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Ausblick
Britische Wahlen: Was Anleger wissen müssen

Blick auf London: Die Neuwahlen im Juni waren eine Überraschung. Keystone

Die überraschenden Neuwahlen in Grossbritannien brauchen Anleger wenig zu kümmern. In einem Bereich hat der Enscheid von Theresa May aber grossen Einfluss.

Von Annika Janssen
am 20.04.2017

Grossbritannien kommt nicht zur Ruhe. Mittlerweile hat man sich im In- und Ausland daran gewöhnt, dass der Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union (EU) beschlossene Sache ist. Fast genau ein Jahr nach dem Brexit-Votum am 25. Juni 2016 steht den Briten nun erneut eine wichtige Abstimmung bevor: Premierministerin Theresa May hat für den 8. Juni dieses Jahres Neuwahlen angesetzt.

Zuvor hatte sie vorgezogene Neuwahlen mehrfach ausgeschlossen. Nun will sie offenbar ihre Machtbasis festigen, um ein eigenes Mandat für den Brexit zu erlangen. May löste ihren Vorgänger David Cameron an der Regierungsspitze ab, weil dieser aufgrund des «Ja» der Briten zum Brexit zurückgetreten war. Offiziell vom Volk gewählt ist May also nicht – noch nicht.

Vorgezogene Wahlen zeigen die Unwägbarkeiten der Märkte

Anleger blicken nun wieder einmal mit Spannung nach Grossbritannien. «Die vorgezogenen Parlamentswahlen zeigen, wie vielen Unwägbarkeiten die Märkte in der nächsten Zeit ausgesetzt sind. Geopolitische, politische und geldmarktpolitische Veränderungen könnten das finanzielle Umfeld, das sich gerade erst wieder beruhigt hat, erneut belasten», sagt Peter Hensmann, Investmentstratege bei Newton Investment Management, einer Tochter des Fondsanbieters BNY Mellon.

Die britische Währung, das Pfund Sterling, fiel nach Ankündigung der Neuwahlen kurzzeitig, begann dann aber zu steigen. Manch einer geht inzwischen sogar davon aus, dass der Brexit nach den vorgezogenen Neuwahlen aufgeschoben oder gar ein zweites Referendum abgehalten wird.

Keine Abkehr vom Brexit

Aussichten auf eine Kehrtwende der britischen Regierung in punkto EU-Austritt gibt es aber nicht. «Die Börsen schätzen die Situation falsch ein», sagt Dominic Rossi, CIO Global Equities bei Fidelity. Der Brexit werde in jedem Fall kommen: «Theresa May will nur erreichen, dass die britische Regierung bei den Verhandlungen freie Hand hat.» Deshalb werde auch der Anstieg des Pfunds nur von kurzer Dauer sein, erwartet Rossi. Michael O’Sullivan, CIO International Wealth Management der Credit Suisse, geht ebenfalls davon aus, dass die britische Premierministerin in erster Linie ihre Machtposition festigen und dann den Brexit getreu ihrer eigenen Strategie über die Bühne bringen will.

Die vergangenen Monate waren reich an politischen Ereignissen, die bei Anlegern für Nervosität und an den Märkten für Turbulenzen sorgten. Investoren sind entsprechend gebeutelt und aufgrund der vorgezogenen Neuwahlen in Grossbritannien in Alarmbereitschaft. Nüchtern betrachtet besteht dazu kein Anlass: Zum einen kam die Entscheidung der britischen Premierministerin nicht so überraschend, wie manche Marktbeobachter sagen: In Grossbritannien können die Regierungschefs nach Gutdünken Wahltermine ansetzen und haben davon schon in der Vergangenheit Gebrauch gemacht. Premierministerin Mays konservative Partei liegt in Umfragen derzeit gut 20 Prozentpunkte vor der Labour-Partei – insofern ist der Zeitpunkt für May günstig.

Überschaubare Folgen

Zum anderen sind vorgezogene Parlamentswahlen in Grossbritannien aus Anlegersicht «eher ein drittklassiges Ereignis», sagt Hararld Preissler, Chefökonom des Fondsanbieters Bantleon in Zug: «Die Auswirkungen dieser Wahl dürften überschaubar sein», sagt Preissler. Zumal sie am Brexit-Entscheid nichts ändern dürften. Preissler hält die vorgezogenen Neuwahlen für «eine strategische Veranstaltung, um den Status Quo zu manifestieren».

Für Investoren bestehe aufgrund der jüngsten Ereignisse in Grossbritannien keinerlei Handlungsbedarf, sagt der Ökonom: «Niemand muss deswegen sein Portfolio umschichten.» Andere Wahlen in diesem Jahr seien deutlich wegweisender und relevanter für Investoren – etwa die für Sonntag anstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich.

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