Zu den «bullischen» Faktoren für Schwellenländer zählen gute Aussichten für Wirtschaftswachstum, auch gibt die Zinsanhebung durch die amerikanische Zentralbank FED keinen Grund zu weiterer Sorge und es zeichnet sich ein positive Ausblick für Rohstoffexporteure ab. Zu den «bärischen» Faktoren lassen sich jedoch die Gefährdung einzelner Länder durch eine potenzielle protektionistische US-Politik zählen oder aber auch, dass China nicht gegen eigene politische Fehlentscheidungen und Kreditsucht immun ist.

Generell befinden sich Schwellenländer in einer vorteilhaften Position, um von einem Anstieg des globalen Wachstums zu profitieren. Dies gilt insbesondere für Rohstoffexporteure. Die Renditen sind attraktiv und die Bewertungen erscheinen angesichts des verbesserten makroökonomischen Ausblicks nicht überzogen. Die Aussicht auf weitere Zinsanhebungen durch die US-Notenbank sollte Anleger nicht von Investitionen in Schwellenländern abhalten. Seit 1990 hat der MSCI Emerging Markets Index in Zeiten stark steigender US-Renditen im Durchschnitt eine Outperformance gegenüber dem S&P 500, dem Europe Stoxx 600 und dem Nikkei erzielt.

Vorsicht bei Ländern, die unter protektionistischer US-Politik leiden könnten

Vorsicht ist jedoch bei Ländern geboten, die unter den von der Trump-Administration angekündigten protektionistischen Politik leiden könnten, allen voran Mexiko. Doch selbst dort bestehen Chancen. Der Kupferproduzent GrupoMexico ist beispielsweise überwiegend ausserhalb Mexikos tätig und wird daher bei der Rückführung von Erträgen, die auch durch den allgemeinen Anstieg der Rohstoffpreise begünstigt werden, von der Abwertung des Pesos profitieren.

Russland ist wiederum ein Land, das von der Präsidentschaft Trumps unmittelbar profitieren könnte, wenn eine Entspannung der Beziehungen zu den USA zu einer schnelleren Aufhebung der Sanktionen führt. Russland dürfte in jedem Fall einer der Hauptnutzniesser steigender Ölpreise sein, besonders wenn die OPEC und andere Produzenten an der zugesagten Begrenzung der Fördermengen festhalten. Russische inflationsgebundene Anleihen sind in diesem Kontext attraktiv. 

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Wachsames Auge auf China

Der Fortschritt bei der Umsetzung von Reformprogrammen in den Schwellenländern bietet weitere Chancen. So macht sich in Indien allmählich die Wirkung der von Premierminister Modi verordneten Demonetarisierung bemerkbar, welche die Schattenwirtschaft schrumpfen und die Bankguthaben steigen lässt. Trotz einer weiterhin zu erwartenden kurzfristigen Volatilität werden Indiens Finanz- und Konsumgüterindustrie langfristig profitieren. In Brasilien haben eine umsichtigere Finanzpolitik und Sozialreformen den Ausblick für inflationsgebundene Anleihen verbessert.

Auf China sollten Anleger unterdessen ein wachsames Auge haben, da das Land ebenfalls ins Visier der protektionistischen Agenda Präsident Trumps rücken könnte. Das Land ist nicht gegen politische Fehlentscheidung seiner eigenen Regierung gefeit, und der Kapitalabfluss gibt zusammen mit der steigenden Staatsschuldenquote mittelfristig Anlass zur Sorge.

 

* Didier Saint-Georges, Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac

 

 


 

 

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