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Aktien
Cameron lässt Börsianer jubeln und bangen

David Cameron: Der alte neue Premier Grossbritanniens kann jetzt ohne Partner regieren. Keystone

Die Briten haben gewählt und das Ergebnis ist gut für Aktien. Anlegern bieten sich nun unverhoffte Chancen. Die grosse Freude wird nur vom Damoklesschwert des möglichen Brexit getrübt.

Von Christian Ingerl
am 14.05.2015

Der 48-jährige David Cameron, der seit 2010 die Insel anführt, kann die kommenden fünf Jahre weiterregieren – und zwar alleine mit seiner Partei. Das war im Vorfeld so nicht erwartet worden. Umfragen sagten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Konservativen und Labour voraus. Wer alleine regiert, muss aber nicht viele Kompromisse machen und ewig verhandeln, die politischen Entwicklungen sind damit besser planbar.

Das Ergebnis ist so auch ein Segen für die Börse, denn Investoren lieben klare Verhältnisse, und dem Markt bleibt ein Hickhack bei der Regierungsbildung erspart. Auch sind die Konservativen für ihre wirtschaftsfreundliche Politik bekannt.

Wachstum klar über der Euro-Zone

Cameron schaffte es in der Vergangenheit, die Konjunktur wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Während seiner bisherigen Amtszeit lag das BIP-Wachstum klar über jenem der Euro-Zone. Dies soll auch so bleiben, für 2015 und 2016 sagen Ökonomen dem Land Zuwächse im Bereich von 2,5 Prozent voraus.

Börsianer goutierten den Wahlausgang mit deutlichen Kursaufschlägen. Der britische Leitindex FTSE 100 sprang zwischenzeitlich wieder über die 7000er-Marke. Trotz aller Euphorie gibt es aber auch warnende Stimmen. Cameron hat zwar die absolute Mehrheit, allerdings hängt ein möglicher EU-Austritt weiter wie ein Damoklesschwert über der Insel.

Brexit wäre ein «Riesenfehler»

«Die Konservative Partei sollte aufpassen, wie sie mit dem Thema Europa umgeht. Ein Referendum über den Verbleib in der EU ist schön und gut, aber ein Ausscheiden Grossbritanniens aus dem Binnenmarkt wäre ein Riesenfehler», sagt Andrew Formica, CEO von Henderson Global Investors. Rund die Hälfte aller britischen Güter- und Dienstleistungsexporte gehen heute in die Europäische Union.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass Cameron den Schwung der Parlamentswahlen nutzt, um rasch ein EU-Referendum durchzuziehen und so die Hängepartie zu beenden. Das Gros der Experten ist sich einig, dass den britischen Unternehmen klar ist, dass es, verbunden mit einem Austritt,  zu massiven Nachteilen kommen kann und dass sie sich daher früh in die Meinungsbildung einschalten.

Vodafone sendet Wendesignal

Die aktuellen Rahmenbedingungen bieten mutigen Anlegern dennoch eine gute Gelegenheit, in den britischen Aktienmarkt zu investieren. Gerade eben sendete Vodafone (ISIN GB00BH4HKS39) ein positives Chartsignal. Die Valoren des Mobilfunkers brachen auf ein neues Höchst aus. Hoffnung schöpfen Börsianer aus einer Wende im operativen Geschäft. «Nach sieben Jahren anhaltender Ebitda-Rückgänge sehen wir 2016 als Jahr des Wendepunktes und erwarten rund 2 Prozent organisches Wachstum», heisst es bei Goldman Sachs.

Die Analysten gehen davon aus, dass sich sowohl das Umsatz- als auch das Gewinnwachstum im Laufe des Jahres beschleunigen wird. Anleger müssen sich den 19. Mai vormerken, dann wird Vodafone ihre Jahresergebnisse veröffentlichen und einen Ausblick auf das Geschäftsjahr 2015/16 (31.03) vorlegen.

Britische Erfolgsstorys – ARM Holdings …

An Wachstum fehlt es bei ARM Holdings (ISIN GB0000595859) schon jetzt nicht. In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Umsätze verdoppelt, die operative Rendite ist in diesem Zeitraum sogar auf über 50 Prozent gestiegen. Und ein Ende des Wachstumskurses ist nicht in Sicht. Im ersten Quartal legte der Chip-Designer erneut starke Zahlen vor. Die Erlöse kletterten um 14 Prozent empor, der Vorsteuergewinn verbesserte sich gar um einen Drittel.

Dies liegt unter anderem an den hohen Lizenzerlösen, die von Januar bis März um 31 Prozent zulegten. Gut angekommen am Markt ist auch das neue Chipdesign für den etwas hochpreisigen V8, der mittlerweile ebenso bei Low- und Mid-End-Smartphones eingesetzt wird. Mit einem 2016er-KGV von 34 erscheint die ARM-Aktie zwar nicht mehr ganz billig, die hohen Wachstumsraten sowie die beispiellose Profitabilität lassen aber noch Kursspielraum nach oben.

… und Burberry

Auf Erfolgskurs befindet sich auch Burberry (ISIN GB0031743007). Der Luxusmodekonzern trotzte im zweiten Halbjahr 2014/15 den widrigen Rahmenbedingungen und steigerte seinen Umsatz um einen Zehntel. Vor allem die traditionsreichen Burberry-Produktlinien wie Trenchcoats und Schals, die aufgepeppt wurden, fanden reissenden Absatz.

«Auch wenn die äusseren Herausforderungen im laufenden Jahr voraussichtlich bestehen bleiben werden, vertrauen wir in unsere langfristige globale Wachstumsstrategie», zeigt sich Vorstandschef Christopher Bailey zuversichtlich. Insbesondere setzt Burberry auf die jüngsten Investitionen im Retail-Segment. Bereits im abgelaufenen Semester erwiesen sich die eigenen Boutiquen und Online-Stores als Wachstumstreiber.

Den Gesamtmarkt mit 108 Titeln spielen

Wer breit auf den britischen Markt setzen möchte, kann dies mit dem Tracker-Zertifikat (ISIN CH0216543808) der UBS tun. Als Basiswert dient der MSCI United Kingdom. Der Index enthält 108 Titel, die aus dem Large- und Mid-Bereich stammen. Für das Open-End-Produkt fallen keine laufenden Gebühren an.

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