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Zukunft
China drückt aufs Tempo – worauf Anleger setzen

Shanghai: Die neue Glitzerstadt des Kapitals. VCG/Getty Images

China will stark wachsen. 2035 soll das Land die USA als grösste Wirtschaftsmacht der Welt ablösen. Bis 2050 sind gewaltige Änderungen im Reich der Mitte zu erwarten. Wo Anleger einsteigen.

Von Georg Pröbstl
am 27.10.2017

Zweitgrösstes Land der Welt nach Wirtschaftsleistung, die meisten Einwohner, seit vielen Jahren konstant hohe Wachstumsraten – China hat sich in den letzten Jahren zum Reich der Superlative entwickelt. Und China erweist sich zunehmend als lernfähig.

Nicht nur im Bereich Joint Venture. Denn China war früher ja vor allem verlängerte Werkbank und damit ein kostengünstiger Produktionsstandort für westliche Industrieländer. Inzwischen haben die Chinesen selbst aber schon reichlich Knowhow aufgesaugt und auch viele riesige Tech-Firmen wie Alibaba oder Baidu im Land und kaufen weltweit reichlich und rasant Technologie und Wissen zusammen.

Wachstum und Modernisierung: China drückt aufs Tempo

Und jetzt scheint es so, als sei das Rote Reich auf dem allerbesten Weg zu einem modernen Staat. Auf dem 19. Parteitag der Kommunistischen Partei präsentierte Staatschef Xi Jinping vor seinen Genossen vor wenigen Tagen seinen Fahrplan: Bis 2035 will er die USA als grösste Wirtschaftsmacht der Welt ablösen. Bis 2050 soll sein Land dann zu einer führenden modernen Gesellschaft aufsteigen.

Experten gehen davon aus, dass dabei das Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung massiv steigen wird und rechnen mit der Verdreifachung in den nächsten 30 Jahren auf 20000 bis 30000 Dollar je Einwohner. Das wäre immerhin annähernd so viel, wie das derzeitige durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt in der Europäischen Union von knapp 40000 Dollar. Da in China aber fast dreimal so viele Menschen leben wie in der EU wäre die Kaufkraft des Landes insgesamt auch doppelt bis dreimal so gross.

Da künftig die Bedürfnisse der Bevölkerung nach einem besseren Leben in den Fokus rücken, setzt der Parteichef der Kommunisten auch auf ein geändertes Wachstumsmodell. Im Vordergrund steht nicht mehr die lange Zeit rückständige Produktivität im Land und eine rasche Aufholjagd zum Westen mit möglichst hohem Wirtschaftswachstum um jeden Preis als nun vielmehr die Qualität des Wachstums. Mehr Effizienz steht im Fokus, Internet und Big Data ebenso aber auch Umweltaspekte. Dabei soll die Infrastruktur im Land verbessert werden und die individuelle Privatwirtschaft mehr Gewicht bekommen. Xi will auch das Steuer- und Finanzsystem des Landes verändern, eine stärkere Öffnung gegenüber dem Ausland und mehr freien Handel. Zudem setzt der der Politiker auf die Urbanisierung der Bevölkerung.

Urbanisierung – mehr Effizienz, zusätzliches Wachstum

Das neue Gesellschaftsmodell und die Ziele dürften sich auf die Wirtschaft auswirken. «Wir glauben, dass das neue Modell der Urbanisierung eine kräftige und gesunde heimische Nachfrage auslösen kann und dass dadurch eine neue Wachstumsrunde in China angeschoben wird», sagt Xingdong Chen, Ökonom und Chinaspezialist bei BNP Paribas.

Die jetzt angestrebte Verstädterung könnte eine wichtige Trendwende etwa am Arbeitsmarkt einläuten. «Lange Zeit wollte die Regierung in Peking keine Zuwanderung aus den ländlichen Gebieten in die Metropolen und diese Migranten lieber in kleineren Städten ansiedeln. Das führte aber zu einer massiven Fehlallokation von Ressourcen und zu Effizienzverlusten», erklärt der Experte.

Totale Überwachung – Tech dürfte stark zulegen in China

Neben der Verstädterung und Modernisierung der Gesellschaft, der Erneuerung und dem Ausbau von Infrastruktur und Wirtschaft dürfte ein weiterer Punkt auf Xis-Agenda das Wachstum anschieben: Die geplante totale Überwachung der Bevölkerung. Denn die echte Freihat im Stile westlicher Demokratien scheint nicht auf Xis-Liste. Vielmehr wurde der Politiker als Parteichef für weitere fünf Jahre gewählt und hat nicht einmal einen Nachfolger vorgestellt.

Das sichert seine Macht und die Vorherrschaft der KPD ist damit eng verbunden. Folterwerkzeuge für die totale Kontrolle der Bürger sind unter anderem: Kameras, Big Data, Internet, künstliche Intelligenz zur Gesichtserkennung und die neuesten Informationstechnologien. Xi will da viel Geld investieren und der Sektor soll stark wachsen. Im Jahr 2030 soll der Umsatz des Segments bei 148 Milliarden Dollar jährlich liegen.

Alibaba, Baidu, Tencent – Profiteure von Big Data

Vom weiterhin hohen Wachstum in China dürften folgende Bereiche besonders profitieren: Technologieunternehmen, Konsumgüter und Verkehr sowie Infrastruktur. Börsianer haben da Titel wie beispielsweise die Internetriesen Alibaba (ISIN: US01609W1027), Baidu (ISIN: US0567521085) oder Tencent (ISIN: KYG875721634) auf ihrer Kaufliste. Die Aktien der drei Firmen sind zwar im Höhenflug und mit KGVs zwischen 30 und 40 nicht mehr wirklich günstig und damit kurzfristig betrachtet jederzeit rückschlaggefährdet.

Doch die Handelsplattform, die Suchmaschine und das soziale Netzwerk sind im Einsammeln von Daten ideal für den Staat und verfügen schon jetzt über gewaltige Datenmengen. Da derzeit nur etwa die Hälfte der rund 1,4 Milliarden Chinesen online ist und weil die grossen drei verstärkt ins Ausland drängen, dürfte ihr Wachstum noch lange weitergehen.

BYD – vielversprechender Elektrospezialist mit vielen Standbeinen

Nach oben ausgebrochen ist vor wenigen Wochen die Aktie von BYD (ISIN: CNE100000296). Der Spezialist für Autos, E-Mobilität, Batterien, Bahnen und IT ist zwar ähnlich hoch bewertet wie die drei zuvor genannten Titel, hat aber ähnlich gute Perspektiven wie die Internetgiganten. Aber wegen der hohen Bewertung denken Anleger auch hier zumindest mittelfristig.

Wer auf reine Autobauer setzen will, der greift zu Dongfeng (ISIN: CNE100000312) einem klassischen Autohersteller und Zulieferer von Autoteilen oder zu Kandi Tech (ISIN: US4837091010). Das Unternehmen ist auch auf E-Autos spezialisiert. Zuletzt bietet sich eine Kombination aus Auto und Big Data mit der Spekulation auf Bitauto Holding (ISIN: US0917271076), dem Betreiber einer Onlineplattform rund ums Thema Auto.

Aufwertung des Yuan – zusätzlicher Rückenwind für Anleger

Mit dem Wachstum und der weiter stark steigenden Bedeutung als Wirtschaftsmacht dürfte auch die chinesische Währung Yuan mittel- bis langfristig weiter aufwerten. Schon in den letzten zehn Jahren gab es zum US-Dollar einen Wertzuwachs von rund zehn Prozent und zum Euro sogar von 35 Prozent. Anlagen an Chinas Börsen dürften damit auf lange Sicht auch noch von der Devisenseite Rückenwind bekommen. Zu möglichen Kursgewinnen bei den Aktien kommen dann noch Währungsgewinne.

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