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Analyse
Chinas A-Aktien: Aufnahme in den MSCI

Shenzen Stock Exchange: Börse im Aufwind. Keystone

Indexbetreiber MSCI hat beschlossen: Im nächsten Jahr kommen Chinas A-Aktien in den MSCI Emerging Markets Index. Da dürfte viel Geld an Chinas Börse strömen und schöne Kursgewinne bringen.

Von Georg Pröbstl
am 29.06.2017

Wer etwas risikofreudig war, hatte Ende 2014 und in 2015 fast eine Lizenz zum Gelddrucken in der Hand. Denn vor knapp drei Jahren hatten die Börsenplätze Hongkong, Shanghai und Shenzhen die gegenseitige Vernetzung zum Jahreswechsel 14/15 und Mitte 2015 in Aussicht gestellt. Investoren konnten dadurch die Aktien an den verschiedenen Börsen leichter handeln, das machte die Titel attraktiver. Kurssteigerungen waren zu erwarten.

Die Redaktion von stocksDIGITAL hatte das Ende 2014 auch so prognostiziert. Und tatsächlich hatte sich beispielsweise der Shanghai A-Index zwischen Dezember 2014 und Juni 2015 verdoppelt! Im gleichen Tempo ging auch der FTSE China A50-Index nach oben. In China gibt es verschiedene Aktiengattungen, die den Zugang etwa von Ausländern zum jeweiligen Anlageuniversum regeln. A-Aktien werden in Renminbi gehandelt und konnten bis 2002 nur von Chinesen gekauft werden. Seither können aber auch qualifizierte institutionelle Investoren aus dem Ausland A-Titel handeln.

Stagnation scheint vorbei

Auf jeden Fall ging es mit den A-Aktien in den beiden Indizes nach dem Hype und einem Zehnjahreshoch infolge Börsenzusammenschluss wieder steil nach unten. Viele Monate liefen die A-Titel in einer Seitwärtsrange rund 40 Prozent unter den 2015er-Hochs. Mit einer Kursstagnation seit Jahresbeginn zählen beispielsweise die Shanghai-A-Aktien YTD – year to date – so auch zu den Titeln, die deutlich hinter grossen Börsen wie New York, Frankfurt oder Zürich zurückhängen. Allerdings: Die Stagnation scheint jetzt vorbei zu sein. Denn die Aktien im Shanghai A oder FTSE China A50-Index legen seit einigen Wochen zu und konnten dadurch seit Mitte Mai bereits rund fünf Prozent an Wert gewinnen.

Hohe Kapitalzuflüsse

Das allerdings könnte erst der Anfang eines grossen Aufschwungs sein. Denn wie in 2015 kommt nun bei den A-Index erneut börsentechnische Phantasie auf. Vor zwei Wochen gab der renommierte Indexbetreiber MSCI bekannt, dass er 222 ausgewählte chinesische A-Aktien in seinen Emerging Markets Index aufnehmen will.

Vorerst sollen zwar nur fünf Prozent in den Index einbezogen werden, aber da dürften bei Umsetzung in den geplanten zwei Schritten im Mai und August 2018 doch ein niedriger zweistelliger Milliarden Dollar-Betrag – die Schätzungen liegen bei etwa 15 bis 20 Milliarden Dollar – neu an Chinas Börse fliessen. Zusätzliche Nachfrage bedeutet dann aber auch steigende Kurse. Mittel- bis langfristig soll die Einbeziehung der A-Titel sogar vollständig zu 100 Prozent erfolgen. Das könnte dann schrittweise auf Sicht von fünf bis zehn Jahren ablaufen und Experten zufolge frisches Kapital von bis zu mehr als 300 Milliarden Dollar nach China lenken. Und wären dann immerhin etwa 20 Prozent der chinesischen A-Börsenkapitalisierung.

Chinas Wirtschaft: überraschende Beschleunigung

Das ist aber nur ein Aspekt. Denn die Einbeziehung in den MSCI Emerging Markets-Index dürfte die internationale Aufmerksamkeit auf A-Titel und das Gewicht in den Portfolios von Investoren erhöhen. Zudem scheinen Chinas A-Aktien mit einem aktuellen KGV knapp unter 20 nicht hoch bewertet. Das Umfeld spricht zusätzlich für solide Börsen. Denn die Konjunktur im Reich der Mitte zeigt sich in guter Verfassung. Nach einem Wachstum von 6,7 Prozent in 2016 soll das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr mit 6,5 Prozent zwar etwas schwächer nach oben gehen. Doch die Zahlen zum ersten Quartal zeigten ein überraschend starkes Wachstumsplus von 6,9 Prozent. Stabiles bis möglicherweise leicht beschleunigtes Wachstum und dann ein verstärkter Fokus auf A-Aktien – Chinas Börse könnte auf breiter Front zulegen. Und das über viele Jahre befeuert durch nachhaltigen Mittelzufluss infolge MSCI-Index. Anleger, die breit gestreut auf diesen Effekt und die robuste Konjunktur in China setzen wollen, greifen beispielsweise zu einem ETF auf den FTSE China-A-Index (ISIN: LU0947415054).

Indexaufnahme: Drei Top-Picks

Aber manche ausgewählte Einzelwerte scheinen sogar noch vielversprechender und könnten wegen ihrer Grösse und der Aufnahme in den MSCI verstärkt in den Fokus von Investoren rücken. Zu den Top-Titel nach derzeitigem Gewicht im China A-Index und ihrer anteiligen Gewichtung im MSCI zählen unter anderem China Merchants Bank (ISIN: US16950T1025), China State Construction (ISIN: US16948H1032) und Industrial Bank of China (ISIN: CNE1000003G1). Mit einstelligen KGVs scheinen diese drei Titel noch nicht einmal sonderlich hoch bewertet.

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