An den Finanzmärkten entstehen ständig neue Anlageprodukte. Manchmal wird ein solches Produkt gerade in einer Krise geboren. Das ist der Fall bei den sogenannten Contingent Convertible Capital Securities, kurz CoCo-Bonds. Deren Entstehen ist primär auf den gewachsenen Kapitalbedarf der Finanzbranche als Folge der in der Finanzkrise 2008/09 gemachten Erfahrungen zurückzuführen. Damals waren zahlreiche Finanzinstitute auf staatliche Hilfen angewiesen. Um das Risiko einer Wiederholung dieser Ereignisse zu verringern, wurden strengere Vorschriften zur Bankenregulierung erlassen. Diese führten letztlich zur Formulierung der weltweit gültigen Basel-III-Standards als Weiterentwicklung von Basel II. Ab 2018 sind die neuen Standards zu erfüllen.

Ein Teil dieser Vorschriften begünstigte die Schaffung von CoCo-Anleihen als neue Kapitalmarktinstrumente. Deren wichtigstes Merkmal ist eine zwangsweise Wandlung in Aktienkapital, sobald ein bestimmtes Ereignis eintritt, etwa ein Absinken der gesetzlichen Kernkapitalquote unter ein bestimmtes Niveau. Dieses hybride Kapitalmarktinstrument, das sowohl die Merkmale einer Aktie- als auch einer Anleihe besitzt, wird deshalb auch als bedingte Pflichtwandelanleihe bezeichnet. Im schlimmsten Fall ist ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Entschädigt werden die Anleger dafür mit einer Verzinsung, die über jener von vielen anderen Zinsprodukten liegt. 

Emissionsvolumen könnte auf eine halbe Billion Euro steigen

Weil CoCo-Bonds aber sehr komplexe Gebilde sind, ist es unabdingbar, sich genau mit der jeweiligen Ausgestaltung einer Emission vertraut zu machen. Dabei können CoCo-Handbücher helfen, wie sie etwa von Barclays veröffentlicht werden. Vom damit verbundenen Arbeitsaufwand lassen sich viele Anleger anscheinend nicht abschrecken. Weil das Instrument sowohl bei den Schuldnern (unter anderem Credit Suisse und UBS mischen hier kräftig mit) als auch bei den Gläubigern beliebt ist, ist das Volumen der ausstehenden CoCo-Anleihen seit Ende 2011 von rund 15 Milliarden Euro auf zuletzt bereits mehr als 40 Milliarden Euro gestiegen.

Experten können sich mittelfristig sogar ein weiteres Wachstum bis auf 500 Milliarden Euro vorstellen. Undenkbar ist das nicht, zumal etwa deutsche Banken in diesem Segment bisher wegen fehlender steuerlicher Rahmendaten noch nicht mitmischen konnten. «Im Markt rechnet man noch im ersten Quartal mit steuerlicher Klarheit, und dann können auch deutsche Emittenten schnell auf den Markt kommen, zumal sie im internationalen Vergleich oft unterkapitalisiert sind und Kapitalbedarf haben», erklärt Michael Hünseler, Leiter Credit Portfolio Management bei Assenagon Asset Management.

Fonds helfen bei der Risikostreuung

Dieser, auch in der Schweiz und in Deutschland aktive Luxemburger Asset Manager hat eben erst mit dem Assenagon Credit SubDebt and CoCo (ISIN: LU0990656059) einen auf dieses Segment zugeschnittenen Fonds aufgelegt. Angestrebt wird hier eine jährliche Zielrendite von 4,5 Prozent. Das liegt unter dem derzeit bei CoCo-Bonds gültigen durchschnittlichen Renditeniveau von rund 6,5 Prozent. Aber wie Hünseler als verantwortlicher Fonds-Manager erklärt, ist die geringere Rendite Folge von Absicherungsmassnahmen, um die mit Coco-Bonds verbundenen Ausfall- oder Zins- und Währungsrisiken zu begrenzen. Dass solche Fonds eine ansprechende Rendite bringen können, hat der Swisscanto (LU) Bond Invest CoCo H CHF B-Fonds (ISIN: LU0599119533) bereits bewiesen. Bis Ende 2013 hat es dieser Fonds seit der Auflage Ende Mai 2011 auf ein Plus von 8,8 Prozent pro Jahr gebracht.

Möglicherweise wird es künftig keine Performance in dieser Höhe mehr geben. Manche Marktexperten, wie Alberto Gallo von der Royal Bank of Scotland, halten die mit CoCo-Anleihen verbundenen Umwandlungsrisiken inzwischen für nicht mehr ausreichend in den Kursen reflektiert. Gallo rät Anlegern deshalb zu einem sehr selektiven Vorgehen. Credit-Suisse-Analyst Michael Kruse bevorzugt beispielsweise CoCos von führenden Banken mit einem soliden Bonitätsprofil.

Aus der Sicht von Privatanlegern wird die Anlage in CoCos durch die oftmals hohen Mindestanlagesummen erschwert. Es gibt zwar auch Emissionen in 1000er- oder 5000er-Stückelung, aber selbst da bleibt immer noch das Klumpenrisiko, dass ausgerechnet dieser Emittent in Schwierigkeiten gerät. Zur Risikostreuung empfehlen sich deshalb Anlagefonds. Wie immer beim Investieren, sollten Anleger aber nicht nur an die eventuell höheren Renditen, sondern auch an die damit verbundenen höheren Risiken denken.

Anzeige