Aktien aus dem Versorger-Sektor galten lange als Witwen- und Waisenpapiere. Diese Einstufung war stabilen Gewinnen und vergleichsweise hohen Dividendenrenditen geschuldet. Doch mit den Kurseinbrüchen in den Jahren 2001/02 und 2008 büsste der Sektor diesen Status ein. Auch nach der Finanzkrise hinkten die Aktien von Versorgern dem Gesamtmarkt lange hinterher.

Grund ist das verschlechterte Branchen-Umfeld. «Vor allem in Europa bestehen Überkapazitäten, welche die Energiepreise unter Druck setzten. Hinzu kamen regulatorische Eingriffe, sowohl in den USA als auch in Europa, welche Preiserhöhungen für die Versorger schwer durchsetzbar machten. Aufgrund dessen konnte der Sektor kaum Gewinnwachstum generieren», sagt Gabriel Bartholdi, Aktien-Stratege bei der Bank J. Safra Sarasin.

Erfolgreiche Aufräumarbeiten

Ausgestanden sind diese Belastungsfaktoren zwar noch nicht, aber vieles ist schon in den Kursen drin. Zudem zeigen die getätigten internen Aufräumarbeiten in den Unternehmen langsam Wirkung, und weitere laufende Umstrukturierungen versprechen einen Anstieg der Gewinne. «Wir gehen davon aus, dass die Gewinne 2014 einen Boden ausbilden und bis 2017 auch dank Kosteneinsparungen und niedrigeren Finanzierungskosten im Schnitt um 5 Prozent p.a. steigen werden», sagt UBS-Branchenanalyst Alberto Gandolfi.

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Immerhin scheint der Sektor bei Anlegern wieder beliebt zu sein. So kletterte der aus 26 Einzelwerten bestehende STOXX-Europe-600-Utilities- Performance-Index in diesem Jahr schon um rund 10 Prozent und damit beispielsweise stärker als der breite Markt mit dem Euro Stoxx 50, der per Saldo nur auf der Stelle tritt. Der Sektor glänzt dadurch mit relativer Stärke. Auch Versorger in den USA sind spannend. So ist der Dow Jones Utilities seit März 2009 im Aufwärtstrend und notiert nur noch knapp unter dem Rekordhoch von 553 Punkten von Ende 1997. Klappt der Sprung über die Marke, wäre das ein starkes prozyklisches Kaufsignal.

Hohe Dividende lockt Investoren

Von einem Angriff auf alte Rekorde ist der STOXX Europe 600 Utilities derzeit allerdings noch weit entfernt. Obwohl seit September 2011 ein Plus von 30 Prozent zu Buche steht, notiert der Index noch immer fast 40 Prozent unter dem Rekord von 984 Punkten vom Januar 2008. Der STOXX Europe 600 hingegen notiert schon auf einem Rekordniveau. Die Versorger können möglicherweise ihren Rückstand weiter abbauen, denn Investoren neigen momentan dazu, sich auf Bereiche zu fokussieren, die noch nicht ganz so gut gelaufen sind.

Das erwartete Branchen-KGV, das von der UBS für 2014 in Europa mit 14,8 angegeben wird, ist zwar nicht allzu günstig, Analyst Gandolfi geht aber davon aus, dass die Bewertungen zunächst über dem historischen Branchenschnitt verharren können. Auch Experte Bartholdi vertraut darauf, dass trotz eines «nach wie vor schwierigen Umfeldes der Sektor von der Stabilisierung der Gewinnentwicklung profitieren wird und seine defensiven Eigenschaften ausspielen kann». Ausserdem rechnet der Sarasin-Stratege damit, dass die Jagd nach Rendite dem Sektor Unterstützung bringen wird. Immerhin bieten die Branchenvertreter eine hohe Dividendenrendite. Die UBS schätzt diese für 2014 auf 4,5 Prozent. 

Versorger Schweiz: Bodenbildung und Ausbruch

Auch die Aktien von Schweizer Energiekonzernen wie Alpiq (ISIN: CH0034389707), CKW (ISIN: CH0020603475) und BKW (ISIN: CH0130293662) mussten in den letzten Jahren erhebliche Kursverluste hinnehmen. Während Alpiq seit Februar am Abstürzen und deshalb im Moment noch sehr spekulativ ist, versuchen sich CKW und BKW an einer Bodenbildung. Die BKW notiert inzwischen sogar an der oberen Begrenzungslinie des Abwärtstrends. Da könnte ein Sprung über die Hürde bevorstehen und einen weiteren Schub beim Kurs auslösen.

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Für eine Spekulation auf ein anhaltendes Comeback des Sektors eignet sich beispielsweise ein ETF auf den STOXX Europe 600 Utilities (ISIN: FR0010344853, Spread 0,4 Prozent).