Arbonia-Forster – 100 Prozent Kursgewinn seit Juli 2012. Schmolz + Bickenbach – Kursverdopplung in zwölf Monaten. Logitech – annähernd Kursverdreifachung in weniger als einem Jahr. Drei Top-Performer, drei Beispiele für erfolgreiche Buchwert-Spekulationen. Denn alle drei Firmen notierten vor Beginn ihres Kursaufschwungs zwischen 25 und 50 Prozent unter ihrem Eigenkapitalwert – die Kurs-Buchwert-Verhältnisse (KBV) lagen damit etwa zwischen 0,5 und 0,7.

Wegen der exzellenten Kurschancen suchen Anleger regelmässig Aktien, die nicht nur weit unter Buchwert notieren, sondern, die zusätzlich auch noch in einer Sondersituation stecken, etwa in einer Umstrukturierung verbunden mit einem Turnaround. Jetzt allerdings, wo sich das schwache wirtschaftliche Umfeld mehr und mehr auflöst und weltweit die Konjunktur am Beginn eines längeren und stärkeren Aufschwungs zu stehen scheint, sind solche Buchwert-Schnäppchen selten geworden.

CPH notiert weit unter Buchwert

Eine der wenigen interessanten Buchwert-Spekulationen ist derzeit die CPH Chemie + Papier Holding. CPH ist eine Industriegruppe, die sich auf die Herstellung von chemischen Produkten, Papier und Verpackungsfolien für die Pharmaindustrie, spezialisiert hat und die in Fabriken in der Schweiz, in Deutschland und in den USA produziert. Das Unternehmen aus Perlen im Kanton Luzern blickt zwar auf eine fast 200-jährige Geschichte zurück – bereits 1818 wurde die älteste noch aktive Schweizer Chemiefabrik gegründet, doch derzeit hat CPH insbesondere infolge der Konjunkturschwäche in Europa als wichtigstem Absatzmarkt und der Stärke des Frankens, zu kämpfen.

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So gibt es im Bereich Papier, der mit einem Umsatzanteil von rund 60 Prozent der mit Abstand grössten Sparte bei CPH, anhaltend einen Verdrängungswettbewerb und fallende Preise. Zusätzlich drücken höhere Aufwendungen für Energie auf den Gewinn. Aber auch in der Chemie-Sparte belasteten zuletzt gestiegene Produktionsaufwendungen. So konnte die CPH ihren Umsatz im ersten Halbjahr 2013 mit 245,0 Millionen Franken zwar konstant halten, aber die negativen Kosteneffekte führten zu einer Ausweitung des Verlusts von 11,7 Millionen Franken im Vorjahreszeitraum auf nun 15,3 Millionen Franken. 

Internationale Expansion

Allerdings gibt CPH Gegensteuer. So soll im Bereich Chemie nicht nur geografisch, durch den Ausbau der Aktivitäten in Asien, im Mittleren Osten und in Russland, expandiert werden – auch der Anteil der höherwertigen und margenstärkeren Produkte und Dienstleistungen soll steigen. Zudem setzt CPH bei Verpackungen auf die Intensivierung des internationalen Vertriebs, etwa in Asien, und will sich damit vom europäischen Markt unabhängiger machen. Gelingt der verstärkte Vertrieb jenseits Europas und die geplante Konzentration auf margenstarke Produkte, hat die CPH gute Chancen auf kräftige Gewinnsteigerungen. Immerhin konnte das Unternehmen im Bereich Papier die Fixkosten zwischen 2009 und 2012 schon um 40 Prozent senken, und es verfügt dort über die Kostenführerschaft. Dabei werden auch jetzt noch Massnahmen zur Steigerung der Profitabilität in allen Bereichen getroffen.

Insgesamt will das CPH-Management die Gewinnspanne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bis 2016 kräftig steigern: Die Marge soll von rund 8 Prozent im Jahr 2012 auf etwa 13 Prozent zulegen. Aber schon 2014 soll wieder die Gewinnschwelle vor Zinsen und Steuern erreicht werden.

Zurück zum Buchwert: Schafft CPH den Turnaround, könnte der Kurs der Aktie schon bald – wie bei anderen Turnaround-Geschichten – in den Bereich des Buchwerts steigen. Da dieser bei CPH mit etwa 2300 Franken weit über dem aktuellen Kurs liegt, bietet sich auch bei dieser Aktie fast die Chance auf eine Verdopplung.