Trotz des starken Frankens – die Schweiz ist entgegen aller Unkenrufe nicht in die Rezession gerutscht. Nach einem Minus von 0,2 Prozent wuchs das reale Bruttoinlandprodukt im zweiten Quartal im Quartalsvergleich um 0,2 Prozent. Nach gängiger Definition ist von einer Rezession erst dann die Rede, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge schrumpft.

Allerdings reichte das unerwartete Wachstumsplus für den SMI nicht aus, um sich gegen den allgemeinen Abwärtstrend an den meisten Weltbörsen stemmen zu können. Auch der Index musste zuletzt Federn lassen. Ausgehend vom Jahreshoch vom 5. August bei 9527 Punkten ging es im Tief bis auf 8469 Punkte nach unten. Das entspricht einem Minus von gut 11 Prozent, ist aber immerhin noch deutlich besser als die jüngste Kursbilanz vieler anderer Börsen. So musste der deutsche Leitindex DAX phasenweise ein Minus von mehr als 20 Prozent hinnehmen.

SMI mit überdurchschnittlich hohem Bewertungsaufschlag  

Nachdem der SMI nur knapp daran gescheitert ist, das aus 2007 stammende Schlussrekordhoch von 9531,46 Punkten zu verbessern, hat sich die charttechnische Ausgangslage zunächst etwas verschlechtert. Zu beachten ist auch die Bewertungsseite. Mit einem geschätzten KGV von 17,2 bewegt sich der Bewertungsaufschlag gegenüber dem Euro Stoxx 50 Index nahezu auf einem Zweijahreshoch.

Credit Suisse zeigt sich aber dennoch zuversichtlich für den Schweizer Aktienmarkt. Chief Investment Officer Europe & Switzerland Anja Hochberg räumt zwar nach wie vor ein, dass währungsbedingte Herausforderungen für die Schweizer Wirtschaft bestehen, doch gemäss dem hauseigenen Devisenausblick dürften diese nachlassen. Dazu passt auch ein Franken, der in den vergangenen Wochen gegenüber dem Euro bereits etwas nachgegeben hat. Laut Hochberg wird aber die aktuelle Abwertung des Frankens allein wohl nicht ausreichen, um eine rasche Änderung der Industriedynamik herbeiführen zu können. Doch der verbesserte globale Wirtschaftsausblick, insbesondere in den USA und in Europa, sollte sich hingegen positiv auf die Schweizer Wirtschaft auswirken.

Indikatoren zeigen nach oben

So nehmen nach Aussage von Credit Suisse in den USA die Wirtschaftsindikatoren bei Industrieproduktion und Privatkonsum wieder Fahrt auf, und auch Europa liefert weiterhin gute Daten, wobei Spanien eine besonders hohe positive Dynamik hat. In Deutschland sei das Wachstum zwar gestiegen, jedoch etwas weniger stark als erwartet. Abgerundet wird das durch einen Schweizer Einkaufsmanagerindex, der im August um 3,4 auf 52,2 Punkte und damit zum ersten Mal seit dem Aus beim Euro-Mindestkurs wieder über die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gestiegen ist. Dabei konnte die Einkaufsmenge trotz der Turbulenzen in China und trotz des Kurseinbruchs der Aktienmärkte gesteigert werden.

Nach Einschätzung von Credit Suisse wird wohl auch die jüngste Abwertung des Renminbis durch die chinesischen Behörden keine nennenswerten negativen Folgen für die Schweiz haben. Historisch gesehen sei diese Handelsbeziehung nicht sehr anfällig gegenüber Preisveränderungen. Sie hänge vielmehr von den Absatzmengen und damit vom Wachstum der chinesischen Wirtschaft ab. Hochberg hält die Abwertung in China für eine Massnahme, mit der die strukturellen Voraussetzungen für den Übergang des chinesischen Wachstumsmodells zu einem stärker binnenwirtschaftlich orientierten Wachstum geschaffen werden sollen. Daher sei mittel- bis längerfristig sogar mit positiven Auswirkungen zu rechnen.

Negativurteil zu Schweizer Anleihen

Bei der empfohlenen Anlagestrategie bevorzugt Credit Suisse nach wie vor Aktien gegenüber Obligationen. Auf der Anleihenseite habe sich die Bewertung von Schweizer Anleihen noch weiter verschlechtert. Deshalb werde an der negativen Einschätzung der Anlageklasse festgehalten. Fixed Income habe unverändert mit hohen Herausforderungen zu kämpfen. Die Märkte würden versuchen, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen, die ihnen mit den etwas höheren Zinsen in den USA bevorstehen.

Ausserdem werde es aufgrund der derzeit hohen Bewertungen in der Anlageklasse zwangsläufig zu einer Neubewertung kommen. Einige der risikoreicheren Segmente hätten bereits deutlich korrigiert, sodass sich die Bewertung in bestimmten Bereichen schon verbessert habe. Daher erwartet die Credit Suisse für Investment-Grade-Unternehmensanleihen nicht länger eine Underperformance, sondern es wird von einer ähnlichen Entwicklung wie in der Benchmark ausgegangen. Bevorzugt werden überdies eindeutig Hochzinsanleihen gegenüber Schwellenmarktanleihen in Hartwährung.

Gute Aussichten für die Schweiz und für die Eurozone

Die zuletzt gültige Präferenz für Aktien gegenüber Anleihen habe sich insbesondere in der Schweiz gut ausgezahlt. Auch während der aktuellen Korrektur zeige der SMI eine Outperformance gegenüber anderen Märkten. Seine recht defensiven Eigenschaften geben ihm im derzeitigen Umfeld (Warten auf die Fed, Ängste um China) zusätzlichen Auftrieb. «Am Schweizer Aktienmarkt bevorzugen wir nach wie vor das Gesundheitswesen. Als Top-Anlagethema empfehlen wir überdies Small und Mid Caps», sagt Hochberg.

Neben dem Favoriten Schweiz wird nach der jüngsten Korrektur auch die Eurozone als interessant eingestuft. Angesichts der hausintern positiven zyklischen Einschätzung, der günstigen Bewertung und des positiven technischen Aufwärtstrends auf mittlere Sicht rechnet Credit Suisse in den nächsten drei bis sechs Monaten mit einer Outperformance des Marktes.

Rohstoffe – das Tief dürfte erreicht sein

Bei Rohstoffen sehen die Experten der Bank ein Ende der negativen Performancephase. Die Einschätzung für Rohstoffe sei deshalb von Underperform auf Neutral geändert worden, da durch die jüngsten Preisentwicklungen ein starkes Bewertungssignal ausgelöst worden sei. Zwar bestehe an den meisten Märkten noch ein Überangebot, doch dieses dürfte allmählich abgebaut werden.

In der jüngsten Entwicklung bei Rohstoffpreisen sehen die Analysten von Credit Suisse aber eher eine Bodenbildung als ein Kaufsignal. Anleger, die deutlich in Rohstoffen untergewichtet sind, könnten jedoch in Erwägung ziehen, bereits mit Käufen zu beginnen, um die Lücke allmählich zu schliessen, so die Empfehlung.

Aktien – Favoriten für ein Kernportfolio

Für Anleger, die direkt in Einzelaktien investieren möchten, wird Diversifizierung als das A und O bezeichnet. Aufgrund ihres Risiko-Ertrags-Profils stuft die Credit Suisse nachfolgende Schweizer Aktien für den Aufbau eines Kernaktienportfolios als geeignet ein: ABB (ISIN: CH0012221716), Lindt & Sprüngli (CH0010570767), Richemont (CH0210483332), Flughafen Zürich (CH0010567961), Lonza Group (CH0013841017), Nestlé (CH0038863350), Novartis (CH0012005267), Roche (CH0012032048) und Ypsomed (CH0019396990).

Für die Eurozone werden Allianz (DE0008404005), Galp Energia (PTGAL0AM0009), ING Group (NL0000303600) sowie Merck (DE0006599905) und für Grossbritannien Vodafone (GB00BH4HKS39) als interessant hervorgestrichen. Für Nordamerika werden American Electric Power (US0255371017), Coca-Cola (US1912161007), Marriott International (US5719032022), Mastercard (US57636Q1040), Sherwin-Williams (US8243481061), T. Rowe Price (US74144T1088),  Visa (US92826C8394) und Whitewave Foods (US9662441057) genannt.

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