Das waren herbe Verluste: Kardex, U-blox, Forbo, Tornos – der Kurseinbruch dieser vier SPI-Titel lag Mitte Januar infolge SNB-Entscheid zum Euro-Mindestkurs zwischen 14,6 und 28,2 Prozent. Der SMI ging um 14,9 Prozent zurück. Nun zweifeln aber Pessimisten und notorische Crashpropheten langsam an sich selbst, und viele Anleger, die nach dem SNB-Schock ihre Aktien panisch auf den Markt geschmissen haben, zählen nun zu den Verlierern.

Denn: Der Schweiz und der Schweizer Börse wurde sofort nach dem SNB-Entscheid von vielen Experten ein tiefer Fall vorausgesagt – beispielsweise kappten schon am Tag danach reihenweise internationale Analysten ihre Kursziele für Schweizer Titel –, und nun zeigt sich immer häufiger: Die Ängste waren meist völlig übertrieben. Die grossen Kursverlierer vom Januar entwickeln sich jetzt zu Top-Performern.

Kardex: Von wegen Nachteil

Beispiel Kardex: Die Aktie des Spezialisten für Lager- und Regalsysteme rutschte Mitte Januar im Gleichschritt mit dem SMI nach unten. Hätten Anleger jedoch genauer hingesehen, wäre ihnen aufgefallen: Kardex ist mit starkem Produktions- und Absatzfokus im Euroraum und Bilanzierung in Euro vom starken Franken nicht so sehr betroffen. Tatsächlich kam es nach dem tiefen Fall Mitte Januar schrittweise zur Kurserholung bei der Aktie.

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Vor einer Woche bekam der Titel einen grossen Schub: plus 10 Prozent an einem Tag. Auslöser waren starke 2014er-Daten mit einem Gewinnsprung von 20 Prozent, einem vielversprechenden Ausblick und vor allem: Anders als vor acht Wochen von vielen Anlegern befürchtet, leidet Kardex nicht unter dem starkem Franken, sondern will sogar vom schwachen Euro profitieren. Jetzt werden die im Euroraum erzeugten Güter im Export beispielsweise in den Dollarraum billiger und damit konkurrenzfähiger. Die Kardex-Aktie besitzt auf jeden Fall mit einem geschätzten 12er-KGV im 2015 und einer steuerfreien Dividende von 4,2 Prozent noch weiteres Potenzial.

Forbo Holding: Keine Krise

Beispiel Forbo Holding: Auf Sicht von einer Woche liegt die Aktie des Boden- und Klebstoffspezialisten um 16 Prozent im Plus und zählt damit zu den Top-Wochenperformern im SPI. Im Januar hingegen rauschte die Notierung noch um 23,6 Prozent nach unten. Auslöser für die jüngsten Steigerungen waren die vor wenigen Tagen präsentierten Jahreszahlen. Der Umsatz von Forbo kletterte im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent auf 1,2 Milliarden Franken. Die von 11,3 auf 12,2 Prozent erhöhte Marge brachte beim Gewinn ein überproportionales Plus von 12 Prozent und damit einen Anstieg über die Erwartung der Analysten hinaus.

Weitere Steigerungen sind drin. So will Firmenchef Stephan Bauer die Forbo-Expansion in Wachstumsmärkte weiter stärken. Die aktuelle Dividendenerhöhung für 2014 von 14 auf 16 Franken war ebenso ein Zeichen der Stärke wie der geplante Rückkauf von bis zu 10 Prozent der Aktien. Die guten Daten trieben die Aktie über die obere Begrenzung des Aufwärtstrends hinaus – der aktuelle Kursaufschwung könnte weitergehen.

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Tornos Holding: Währungseffekte gleichen sich aus

Beispiel Tornos Holding: Nach einem Kursrutsch im Januar um 28,2 Prozent schaffte die Aktie allein in der vergangenen Woche ein Plus von 17,5 Prozent und war damit fast ganz vorn im SPI. Der Grund für den starken Kursverlauf waren auch hier die Jahreszahlen. Nach zwei Verlustjahren schreibt der Maschinenbauer infolge durchgeführter Effizienzmassnahmen und besser ausgelasteter Kapazitäten jetzt wieder Gewinn.

Zwar leidet das Unternehmen unter dem starken Franken, doch die negativen Effekte werden teilweise auf der Beschaffungsseite kompensiert. So nennt Tornos-Finanzchef Luc Widmer hier einerseits einen negativen Umsatzeffekt von 6,5 Prozent, andererseits aber positive Auswirkungen des starken Frankens auf der Beschaffungsseite in der Höhe von 3 Prozent. Nach dem Sprung der Aktie über die Marke von 5.0 Franken setzen Anleger darauf, dass schon bald die Hochs vom Januar um 5.50 Franken wieder drin sind.

U-blox: Starke Perspektiven

Nach einem kräftigen Einbruch im Januar um 21,2 Prozent verbucht die Aktie von U-blox jetzt ebenfalls einen kräftigen Schub nach oben. Die Präsentation der 2014er-Ergebnisse brachte dem Anbieter von elektronischen Systemen zur Positionsbestimmung und drahtlosen Kommunikation gestern ein Kursplus von 14 Prozent. U-blox berichtet über ein sehr gutes Jahr. Der Umsatz des Konzerns aus Thalwil kletterte im 2014 um 23 Prozent auf 270,0 Millionen Franken, der Gewinn stieg weit überproportional um 40 Prozent auf 34,4 Millionen Franken. Und der Ausblick hat es in sich.

In diesem Jahr sollen die Erlöse auf 335 bis 345 Millionen Franken steigen, das operative Ergebnis soll von 39,1 auf 48 bis 53 Millionen nach oben klettern. Nachdem die Aktie den Widerstand beim Allzeithoch vom Januar um 146 Franken und dann sofort auch die 150er-Marke überspringen konnte, erwarten viele Börsianer schon bald Kurse von 170 Franken.

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