Allmählich scheint die Konsumlust unter den Konsumenten wieder zu steigen. In der weltweit grössten Volkswirtschaft, in den USA, zog der Konsum im November um 0,3 Prozent an, nachdem er im Oktober noch stagniert hatte. Die Ausgaben der Konsumenten tragen rund 70 Prozent zur US-Wirtschaftsleistung bei.

Nach einer Studie der Kreditkartenfirma MasterCard sind die Umsätze in der Feiertagssaison seit Ende November sogar um 7,9 Prozent gestiegen. Experten gehen davon aus, dass die niedrige Arbeitslosigkeit und steigende Löhne die Kauflaune auch in den kommenden Monaten unterstützen werden.

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In Deutschland sitzt das Portemonnaie locker

Bei der europäischen Konjunkturlokomotive Deutschland zeigen die Ausgaben ebenfalls wieder nach oben. Geht es nach dem Marktforscher GfK, dann können sich die deutschen Detailhändler auf ein gutes Geschäft nach den Feiertagen freuen. Nachdem sich die Stimmung der Konsumenten vier Monate in Folge eingetrübt hatte, wird für Januar ein Anstieg des GfK-Konsumklima-Barometers um 0,1 auf 9,4 Punkte prognostiziert.

An der Börse zeigten sich europäische Konsum-Aktien aber bereits im gesamten Jahr stark. Der Sektor zählte 2015 zu den Outperformern. Gemessen am STOXX-Europe-600-Consumer-Goods-Index legte der Sektor um einen Fünftel zu. Die Experten von Deutsche Asset & Wealth Management Investment trauen der Branche auch 2016 weiteres Aufwärtspotenzial zu. Sie zählen vor allem zyklische Konsumgüter zu ihren bevorzugten Sektoren. «Die mittelfristigen Treiber wie billiges Öl, sinkende Arbeitslosenzahlen und steigende Löhne in den Industrieländern bleiben intakt», lautet die Begründung.

Home Depot behandelt Aktionäre grosszügig

In die Gattung der zyklischen Konsumgüter fällt beispielsweise die grösste Baumarktkette der Welt: Home Depot. Um 27 Prozent legte der Titel allein 2015 zu, auf Sicht von fünf Jahren hat sich der Wert der Aktie nahezu vervierfacht. Da allerdings die Fed gerade eine Zinswende einläutet und dies dem Häusermarkt wenig zuträglich ist, könnte es bei diesem Detailhändler im neuen Jahr etwas Gegenwind geben. Analyst Michael Romer von J. Safra Sarasin sieht die Problematik, verweist aber auf die «unvermindert attraktive Ausschüttungspolitik».

Die starke Dividendenhistorie sei in der Aktienbewertung mit einer konstanten Prämie im Gegensatz zur Konkurrenz zu wenig reflektiert, so Romer. Home Depot blickt auf eine lupenreine Dividendenhistorie zurück. Selbst während der US-Immobilienkrise und auch in der Finanzkrise hielt der Konzern seine Ausschüttungen stabil. In guten Zeiten hebt das Unternehmen die Gewinnbeteiligung sogar kontinuierlich an.

Hornbach musste zurückbuchstabieren

Zuletzt hat sich das Dividendenwachstum beschleunigt. 2015 ging die Auszahlung um mehr als einen Viertel nach oben, 2014 gab es ein Plus von 20 Prozent und im Jahr zuvor sogar eines von mehr als einem Drittel. Der positive Trend sollte sich auch im neuen Jahr fortsetzen, da das Unternehmen 2015 einen Anstieg beim Gewinn von 17 Prozent erwartet.

Das deutsche Pendant zu Home Depot, der Hornbach Baumarkt, machte hingegen zuletzt mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam. Nach dem dritten Quartal sprach das Unternehmen eine Gewinnwarnung aus, welche den Kurs um 15 Prozent nach unten drückte. Wegen geringerer Margen in den europaweit 149 betriebenen Bau- und Gartenmärkten wird das Ergebnis im Geschäftsjahr 2015/16 per Ende Februar wohl niedriger ausfallen.

Aktientaucher bietet Chancen für Anleger

Der Absturz der Aktie könnte allerdings eine gute Tradingchance sein, sind doch für den Rückgang diverse Sonderfaktoren wie beispielsweise hohe Kosten für den Ausbau des E-Commerce-Geschäfts verantwortlich. «Die spezifizierten Jahresziele signalisieren eine Verbesserung für das Schlussquartal», meint so auch der Warburg-Research-Analyst Thilo Kleibauer. Er stuft die Hornbach-Aktie mit einem Kursziel von 36 Euro als kaufenswert ein. Das entspricht einem Aufschlag gegenüber dem aktuellen Kursniveau von rund 30 Prozent.

In den zurückliegenden Monaten hat sich die Wachstumsverlangsamung in den Emerging Marktes, ausgehend von China, bei so manchem Konsumtitel bemerkbar gemacht. So kam beispielsweise die Unilever-Aktie seit März unter dem Strich nicht voran. Der niederländisch-britische Konzern erzielt rund 60 Prozent seiner Erlöse in den Schwellenländern.

L’Oréal ist auf Industriestaaten fokussiert

Zwar zeigt sich auch bei L’Oréal ein vergleichbares Chartbild, doch sollten Anleger den Konsumtitel differenzierter betrachten. Der französische Kosmetikkonzern, der über internationale Marken wie Bioterm, Maybelline und Vichy verfügt, macht sein Hauptgeschäft in den Industriestaaten.

Mit durchschlagendem Erfolg: Im ersten Semester legten die Erlöse um knapp 15 Prozent zu. Besonders positiv: Anders als viele Branchenkollegen verzeichnet L’Oréal in allen Regionen der Welt Zuwächse. Es könnte sein, dass der günstige Euro das Geschäft, und damit auch die Aktie, 2016 weiter beflügeln wird. Goldman Sachs sieht den fairen Wert bei 189 Euro – ein Potenzial von 22 Prozent.

Lindts Wachstumsstory bleibt intakt

Die Schokolade ist an Weihnachten vom Gabentisch schwer wegzudenken, und sie ist auch ein interessantes Objekt für Depots, beispielsweise mit Lindt-&-Sprüngli-Aktien und Partizipationsscheinen PS. Immerhin kletterten beide 2015 jeweils um knapp einen Viertel und unterstrichen damit eindrucksvoll ihren langfristigen Aufwärtstrend. Demgegenüber steht ein ebenso beeindruckender Wachstumskurs des Unternehmens, vor allem begünstigt durch die Positionierung im Premium-Segment.

Kurzfristig könnte der weltweiten Nummer eins der Schokoladen-Industrie von der Rohstoffseite her aber Gegenwind drohen. So wird spekuliert, dass durch das derzeit herrschende Klimaphänomen El Niño die Kakaobohne teurer werden wird. Da die langfristige Wachstumsstory aber intakt ist, sollten Anleger mögliche Kursrückschläge zum Einstieg nutzen.