Die letzten Monate waren alles andere als spassig für Börsianer. In fast jedem Index gab es Kursrückschläge. Auf die Probe gestellt, wurden auch die Nerven von Anlegern, die in deutsche Aktien investierten. Der DAX musste in der Spitze von Mitte April bis Mitte September einen Abschlag von rund 25 Prozent hinnehmen. Laut Definition war der Index dabei kurzzeitig sogar in einen Bärenmarkt abgetaucht. Und erstmals seit Jahren kann der deutsche Aktienmarkt den Euro Stoxx 50 nicht mehr abhängen.

Allerdings: Zuletzt haben sich die Kurse von ihren Zwischentiefs gelöst, und die Analysten der Commerzbank rechnen damit, dass dieser Trend nun weitergehen wird. Aktienstratege Andreas Hürkamp nennt zehn Gründe für eine anhaltende Erholung im DAX. Der Experte zieht dabei auch Parallelen zum Jahr 1998, als der DAX im Zuge einer Schwellenländer-Krise ebenfalls eingebrochen war und sich zum Jahresende hin wieder erholt hatte.

Zehn Gründe für eine schnelle DAX-Erholung:

... steigende Geldmenge, fallende Inflationserwartung ...

1.      Seit April liegt die Wachstumsrate der Geldmenge M1, also des Geldes, über das jederzeit verfügt werden kann, im Euroraum bei 11 Prozent. Ist viel Geld im Kreislauf vorhanden, ist das theoretisch stützend für Wirtschaft und Börsen.

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2.      Seit April sind die Inflationserwartungen im Euroraum deutlich gefallen. Das nährt Deflationsbefürchtungen, und das wiederum ruft die Europäische Zentralbank auf den Plan, die diese Entwicklung mit weiteren, geldpolitisch expansiven Massnahmen zu bekämpfen versucht.

3.      Seit April hat sich das Wachstum der Geldmenge M1 in den USA bei 8 Prozent stabilisiert.

4.      Seit April sind auch in den USA die Inflationserwartungen deutlich gesunken. Das nimmt etwas Handlungsdruck von der US-Notenbank, die für dieses Jahr eine Zinserhöhung anvisiert hat.

5.      Seit April hat sich das Wachstum der Geldmenge M1 in China von 3 Prozent auf 9 Prozent beschleunigt. Die ergriffenen geldpolitischen Stimulierungsmassnahmen scheinen somit zu wirken, und nach zuletzt schwachen Konjunkturdaten nährt das die Hoffnung auf demnächst wieder bessere Wirtschaftsnachrichten aus dem Reich der Mitte.

... starkes Exportwachstum ...

6.      Seit April konnte das starke Wachstum der deutschen Exporte in die USA (18 Prozent über jenem des Vorjahres), nach Grossbritannien (plus 10 Prozent) und nach Spanien (plus 8 Prozent) die enttäuschende Entwicklung der deutschen Exporte in die Emerging Markets kompensieren.

... günstige Bewertung ...

7.      Seit April hat sich die Differenz zwischen den Kurs-/Gewinn-Verhältnissen von DAX und S&P 500 Index von minus 1,5 auf minus 4,0 Punkte vergrössert. Relativ ist der DAX damit attraktiv bewertet. Aktuell beziffert die Commerzbank das Kurs-/Gewinn-Verhältnis für den DAX bei geschätzten kumulierten Gewinnen von 779,0 Punkten für Ende 2015 auf 12,8. Das ist ein im internationalen Vergleich relativ moderater Wert. Unterstellt wird dabei für die 30 DAX-Vertreter für das laufende Jahr ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 10,2 Prozent.

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8.      Seit April ist die Differenz zwischen der DAX-Dividendenrendite (aktuell 3,4 Prozent) und der Rendite von BBB-Unternehmensanleihen (1,9 Prozent) wieder von 100 auf 150 Basispunkte gestiegen. Durch diesen Renditeaufschlag sind deutsche Standardaktien im Vergleich zu Anleihen attraktiver geworden.

... technische Phantasie ...

9.      Im April lag der DAX in einem dank schwachem Euro und EZB-Anleihenkäufen euphorischen Umfeld um 20 Prozent über der 200-Tage-Durchschnittslinie. Im Oktober liegt der DAX nun hingegen in einem wegen China-Sorgen und Volkswagen-Skandal eher depressiven Umfeld rund 10 Prozent unter der 200-Tage-Linie. Starke Abweichungen von der 200-Tage-Durchschnittslinie wurden auf lange Sicht aber immer wieder korrigiert.

... und antizyklische Kaufsignale

10.  Im April war ein Grossteil der Investoren sorglos, während im Oktober etwa ein hoher Anteil von Verkaufsoptionen eine pessimistische Anlegerstimmung zeigt. An der Terminbörse Chicago Board Options Exchange war das Verhältnis von Verkaufs- zu Kaufoptionen (15 Tage) kürzlich auf 1,2 gestiegen. Im Normalbereich bewegt sich das Verhältnis zwischen 0,8 und 1,0. Antizyklisch betrachtet, ist der darin zum Ausdruck kommende Pessimismus positiv zu werten, weil das dafür spricht, dass viele verkaufswillige Anleger bereits aus dem Markt ausgestiegen sind.

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«Seit April haben sich monetäre Indikatoren verbessert, der DAX ist wieder attraktiv bewertet, und die Anlegerstimmung ist wieder pessimistisch. Daher erwarten wir für den DAX eine Entwicklung wie im Jahr 1998: Nach einem schwachen, von Problemen in den Emerging Markets belasteten dritten Quartal setzte damals im vierten Quartal eine Erleichterungsrally ein. In diesem Szenario ist eine DAX-Erholung bis 10'800 bis zum Jahresende möglich», so lautet die Einschätzung des Commerzbank-Strategen Hürkamp. Nimmt man noch die Chance auf eine meist übliche Jahresendrally dazu, dann könnte es im DAX in den nächsten Wochen tatsächlich spannend werden.