Die Liste der internationalen Aktienindizes mit fünfstelligen Punkteständen ist um ein Mitglied reicher. Nachdem sich Anleger bei namhaften Gradmessern wie Dow Jones Industrials, Nikkei 225 oder Hang Seng dieses Niveau längst gewohnt sind, überwand nun auch der DAX in der vergangenen Woche die Marke von 10'000 Zählern. Wenig überraschend setzte der DAX zunächst noch einmal zurück. Doch am Pfingstmontag schloss er erstmals über der historischen Marke.

Dabei wäre es wohl geblieben, hätte nicht ausgerechnet die Deutsche Lufthansa für einen kleinen Sturzflug gesorgt. Die Airline schockte die Märkte am Mittwoch mit einer Gewinnwarnung. In der Folge erlebte die Aktie der Fluglinie den grössten Ausverkauf seit fünf Jahren und zog den DAX zurück in den vierstelligen Bereich. Dieses Störfeuer kann der Tatsache keinen Abbruch tun, dass deutsche Blue Chips bei internationalen Investoren heiss begehrt sind. Seit mehr als fünf Jahren tendieren die 30 grössten Börsengesellschaften des Landes nach oben. In diesem Zeitraum haben sie ihren Wert mehr als verdoppelt. Damit lassen sie andere europäische Indizes wie SMI oder Euro Stoxx 50 deutlich hinter sich zurück. 

Risiko aus Schwellenländern

Die Outperformance kommt nicht von ungefähr. Seit der Finanzkrise entpuppt sich die Bundesrepublik als Konjunkturlokomotive der Eurozone. Denn während die Euroländer zusammen im ersten Quartal nur ein Wachstum von 0,2 Prozent ausweisen konnten, schaffte Deutschland ein Plus von 0,8 Prozent. Auch die Ukraine-Krise konnte dem Auftrieb bisher kaum schaden. «Offensichtlich geht es den Unternehmen so gut, dass diese Unsicherheiten keinen nennenswerten Einfluss auf die Stimmung hatten», erklärt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Der Ökonom rechnet damit, dass Deutschland das Jahr 2014 mit einem Wachstum von 2 Prozent beenden wird und dass es im kommenden Jahr mit der gleichen Rate wachsen wird. Als ein Risiko nennt Krämer die jüngsten Turbulenzen in mehreren Schwellenländern. Sie könnten die deutschen Ausfuhren bremsen. Schliesslich gehen mittlerweile rund 30 Prozent der deutschen Exporte in die Emerging Markets.

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Umso mehr ist die Wirtschaft darauf angewiesen, dass die Eurozone ihren Aufschwung fortsetzt. Zwar sind nach Ansicht der Strategen von M.M. Warburg deutsche Dividendenpapiere nicht mehr günstig, von einer Überbewertung könne aber nicht die Rede sein. «Solange kein wirtschaftlicher Abschwung und vor allem keine neue Rezession droht, beurteilen wir die Aktienmarktperspektiven grundsätzlich als positiv», schreiben die Experten der Privatbank in einem Kommentar.

Autos und ein Turnaroundkandidat

Mit Hilfe von Exchange Traded Funds (ETFs) können sich Anleger den DAX einfach und komplett in das Portfolio holen. An der SIX ist eine Reihe solcher passiver Indexfonds kotiert. Was Einzelwerte anbelangt, zählen die deutschen Autobauer zu den Favoriten vieler Analysten. Sowohl die Daimler-Marke Mercedes Benz als auch BMW verzeichneten im Mai einen Absatzrekord. Der zum VW-Konzern zählende Premiumhersteller Audi steigerte die Verkäufe ebenfalls prozentual zweistellig.

Während Autoaktien seit längerem nach oben tendieren, erlebt K+S gerade ein Comeback. Der Düngemittelspezialist kommt immer besser mit den Folgen eines Einbruchs bei den Kalipreisen zurecht. Kurzum: Der Deutsche Aktienindex hat neben wachstumsstarken Standardinvestments auch risikoreichere Turnaroundkandidaten zu bieten.

Auf weitere Rekorde am deutschen Aktienmarkt setzen

Der knapp 2,8 Milliarden Franken schwere passive Indexfonds bildet den DAX physisch ab. Das heisst, der ETF investiert direkt in die Indexmitglieder. Anfallende Dividenden fliessen dem Fondsvermögen zu. Die Deutsche Bank veranschlagt für das an der SIX kotierte Produkt eine Pauschalgebühr von 0,09 Prozent p.a.

Konzernchef Dieter Zetsche hat ehrgeizige Ziele. Bis 2020 möchte er die an BMW und Audi verlorene Marktführerschaft im Premiumsegment zurückerobern. Die Modelloffensive bei Mercedes Benz macht sich bereits bezahlt. Neben einem Absatzrekord gelang es dem Autobauer im ersten Quartal, den Gewinn zu verdoppeln.

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2013 war für den Düngemittel- und Salzproduzenten ein schlimmes Jahr. Nachdem Konkurrent Uralkali aus einem Absatzkartell ausscherte,  fiel der Kalipreis nach unten. Als Folge setzt es für die Aktie des DAX-Mitglieds einen Ausverkauf. Mittlerweile hat sich der Wert etwas erholt. Immerhin gibt das Management mit Kosteneinsparungen Gegensteuer. Gleichzeitig stabilisiert sich das Geschäft.

Das DAX-Schwergewicht lässt charttechnisch aufhorchen. Gerade hat die Pharma- und Chemieaktie ihren kurzfristigen Abwärtstrend verlassen. Damit könnte der Vorstoss in den dreistelligen Kursbereich nachhaltig klappen. Fundamental kündigte Bayer kürzlich die zweitgrösste Übernahme der Firmengeschichte an. Das Unternehmen kauft vom US-Konkurrenten Merck das Geschäft mit rezeptfreien Mitteln und Gesundheitspräparaten.

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