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Dax im Höhenflug – wo der Einstieg noch lohnt

Adidas: Herbert Hainer, der Chef des Dax-Konzerns wird in kürze eine neue Strategie vorstellen. Keystone

40 Prozent Kursplus seit Oktober, wichtige psychologische Marken übersprungen und ein Allzeithoch folgt auf das nächste. Der Dax ist im Höhenflug. Wo der Einstieg noch lohnt.

Von Christian Ingerl
am 19.03.2015

Der deutsche Blue-Chip-Index Dax ist ausser Rand und Band. Um satte 22 Prozent beschleunigte das Barometer seit Jahresbeginn. Dabei wurden mit der 10'000er-, 11'000er- und zuletzt auch noch der 12'000er-Punktemarke gleich drei runde Grenzen innert weniger Monate übersprungen. Nach so einer schwindelerregenden Hausse stellt sich die Frage: Gibt es noch Chancen im Index?

Es mehren sich die Stimmen, die den Dax auf sehr dünnem Eis sehen. «Mit dem Rückenwind der EZB kennt die Euphorie an den Aktienbörsen scheinbar keine Grenzen mehr», erklärt NordLB-Analyst Bernd Krampen und fügt hinzu: «Fundamental betrachtet sieht die Welt aber gar nicht so rosig aus.» Der Schuldenstreit mit Griechenland, die Spannungen in der Ostukraine sowie das Kriegsgeschehen im Nahen Osten könnten schon bald eine Korrekturphase einläuten.

Positives Finanz-Umfeld

Doch auch, wenn die Versuchung gross ist, Gewinne mitzunehmen, sehen viele Investoren weitere Kurschancen. Laut Nicolas Chaput von Oddo Asset Management haben sich die Frühindikatoren im Euroraum angesichts des niedrigeren Ölpreises und schwachen Euros weiter verbessert. Darüber hinaus treibt die EZB mit ihrem Anleihenkaufprogramm die Anleger in den Aktienmarkt. Kürzlich emittierte deutsche Bundesobligationen mit zehnjähriger Laufzeit weisen rekordtiefe Zinsen von 0,28 Prozent auf, für zweijährige Anleihen müssen Käufer dem Staat sogar 0,23 Prozent bezahlen.

Auch anhand der Bewertungskennziffern ist eine grössere Korrektur nicht unbedingt zwangsläufig zu erwarten. Das Dax-KGV auf Basis der 2015er-Gewinne liegt bei rund 15, die Dividendenrendite bei 2,3 Prozent. Damit sind deutsche Aktien derzeit günstiger als SMI-Titel oder die Blue Chips in den USA.

K+S und ThyssenKrupp – zwei Dax-Werte mit Turnaround

Nicht alle 30 Dax-Titel sind aber attraktiv. Beispielsweise sollten Anleger von Verlierer-Aktien wie RWE und E.ON, die im laufenden Jahr sogar Verluste bringen, besser die Finger lassen. Die Konzerne plagen nach der Energiewende immer noch grosse operative Probleme, die sich auch nicht so schnell lösen lassen. Hingegen hat die 2013/2014 stark gebeutelte K+S (ISIN DE000KSAG888) die Umkehr geschafft.  Das Platzen des russischen Exportbündnisses BPC im Sommer 2013 brachte die Aktie einst aufs Abstellgleis. Nun haben sich die Kalipreise erholt, und der Düngemittelhersteller überraschte mit seiner 2014er-Bilanz positiv. Für das laufende Jahr stellt das Management einen Gewinnanstieg von «mehr als 10 Prozent» in Aussicht. Noch sind die positiven Aussichten längst nicht voll im Kurs drin.

Das gilt ebenso für den zweiten Comeback-Titel im Dax ThyssenKrupp (ISIN DE0007500001). Auch wenn sich Börsianer mit Käufen noch zurückhalten, anders als bei K+S, die im laufenden Jahr Performancespitzenreiter ist, bietet der zyklische Stahlwert gute Chancen. Im abgelaufenen Quartal erzielte das Unternehmen aus Essen einen Gewinn von 50 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum hat es aber noch einen Verlust von 65 Millionen Euro gegeben. Aber nicht nur das erste Quartal des Geschäftsjahres 2014/15 (30. September) unterstreicht den positiven Trend, auch der Ausblick stimmt zuversichtlich. Das bereinigte Ergebnis soll in der laufenden zweiten Periode höher ausfallen als in der ersten. Zudem soll das von 500 auf 600 Millionen Euro angehobene Einsparziel in der Stahlsparte übertroffen werden.

Adidas mit neuer Strategie

Rückkehr zur Normalität wünscht sich auch Adidas (ISIN DE000A1EWWW0). Die Aktie des Sportartikelherstellers kam nach einer Gewinnwarnungsserie 2014 unter die Räder. Im laufenden Jahr soll aber wieder alles besser werden. Das Unternehmen plant mit einer Gewinnsteigerung um 7 bis 10 Prozent, für den währungsbereinigten Umsatz wird ein Plus im mittleren einstelligen Bereich anvisiert.

Besonders positiv kamen bei Marktteilnehmern auch die Dividendenpläne an: Obwohl Adidas wegen des Rubelverfalls und der Probleme im Golf-Geschäft ein negatives Jahr hinter sich hat, soll die Ausschüttung mit 1,50 Euro je Aktie stabil bleiben. Spannung verspricht zudem eine neue Strategie, die Ende März verkündet werden soll.

Dauerbrenner Fresenius

Dax-Chance Nummer vier: Fresenius. Einmal mehr hat der Gesundheitskonzern (ISIN DE0005785604) exzellente Geschäftszahlen präsentiert. Im vergangenen Jahr legte der Umsatz um 14 Prozent zu. Hauptsächlich dazu beigetragen hat der Kauf eines milliardenschweren Pakets neuer Krankenhäuser. Über die Tochter Helios hatte Fresenius 41 Kliniken von Rhön-Klinikum übernommen. Daher überrascht es nicht, dass die Sparte mit einem Erlösanstieg von 55 Prozent das höchste Wachstum im Konzern erreichte.

Das Ergebnis machte sich ebenfalls in neue Höhen auf. Der Nettogewinn wurde um knapp 6 Prozent ausgebaut, die Dividende soll im gleichen Ausmass auf 0,44 Euro je Aktie steigen. Für 2015 stellt Fresenius ein weiteres Gewinnwachstum von 9 bis 12 Prozent in Aussicht und würde damit die Erfolgsserie seit 2003 fortsetzen. In den vergangenen elf Jahren nämlich steigerte das Dax-Mitglied Umsatz und Ergebnis trotz Rezession und Finanzkrisen Jahr für Jahr.

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