Deutschland zeigt sich stark – zumindest im Euro-Raum. Während viele Länder in der Eurozone Nullwachstum beklagen, schaffte das europäische Schwergewicht im ersten Quartal ein Plus beim Bruttoinlandprodukt (BIP) von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal und damit das stärkste Wachstum seit drei Jahren. Für das Gesamtjahr prognostizieren Ökonomen einen BIP-Anstieg von 1,8 Prozent.

Trotz des starken Wachstums treten die Aktien mehr oder weniger auf der Stelle. So konnte der DAX seit Jahresanfang nur um 4 Prozent zulegen. Im vergangenen Jahr gab es hingegen noch ein Plus von rund 20 Prozent. Die Gründe für den gebremsten Lauf sind vielschichtig. Einerseits macht dem DAX die psychologisch wichtige Marke von 10'000 Punkten zu schaffen. Andererseits spielen die wirtschaftlichen Indikatoren nicht mehr so mit. Neueste Zahlen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigen, dass sich die Aussichten für die Entwicklung der Wirtschaft eintrüben. So fielen die ZEW-Konjunkturerwartungen im Juli gegenüber dem Vormonat um 2,7 auf 27,1 Punkte – der siebte Rückgang in Folge.

DAX von 11'000 schon in zwölf Monaten

Trotz der eingetrübten Erwartungen könnte die anstehende Berichtssaison wichtige Impulse liefern. An den Zwischenberichten wird sich zeigen, in welcher Verfassung die Grosskonzerne tatsächlich sind und ob es bei den Kursen doch noch Potenzial geben könnte. Immerhin: Die Bewertung ist noch nicht zu hoch. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im DAX liegt mit einem Wert von rund 14 sogar noch leicht unter dem langjährigen Durchschnitt von 15.

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«Daher ist das Bewertungsniveau zwar nicht mehr besonders günstig, aber von einer Übertreibung kann auch keine Rede sein», sagt Christian von Engelbrechten, Fondsmanager bei Fidelity. Seiner Ansicht nach haben sich die deutschen Unternehmen in den letzten Monaten und Jahren wesentlich besser aufgestellt, und ihre Bilanzen sind historisch stark. «Ich rechne auf absehbare Zeit nicht mit einem starken und länger andauernden Rückschlag. Vielmehr erwarte ich – sofern sich das Gewinnwachstum von etwa 10 Prozent über die nächsten zwölf Monate fortsetzt – einen DAX-Stand von 11’000 Punkten bis zum Sommer 2015», sagt der Portfoliomanager.

Autobauer voll in Fahrt

Weiterhin keine Schwächen sollten die Halbjahresberichte von Daimler und BMW offenbaren. Beide Autokonzerne überrollen derzeit mit neuen Modellen die Märkte. So strotzte BMW am jüngsten Investorentreffen in China geradezu vor Zuversicht. Der Vorstand erwartet auf dem wichtigsten Automarkt der Welt bis 2020 ein überdurchschnittliches Absatzwachstum von 10 Prozent im Jahr. Insgesamt wird dem Premiumbereich im Reich der Mitte ein jährliches Plus von 8,7 Prozent bescheinigt, im Volumenmarkt liegt das prognostizierte Wachstum nur bei 6 Prozent.

Im ersten Semester steigerte BMW in China die Verkäufe sogar um knapp 25 Prozent. Weltweit schloss der Konzern das erste Halbjahr mit Rekordverkaufszahlen von 1,0 Millionen Autos ab. Das war ein Plus von knapp 7 Prozent. Damit ist BMW voll auf Kurs zum Ziel von zwei Millionen verkauften Autos in diesem Jahr. Möglicherweise wird es sogar noch positive Überraschungen geben, denn in der zweiten Jahreshälfte treiben neue Modelle wie der X4 und der 2er-Active Tourer den Absatz möglicherweise weiter an.

Pharma und Chemie: Preiserhöhungen und Übernahmen bieten Phantasie

Gleich mehrere Faktoren sprechen für positive News beim Pharma- und Chemiekonzern Bayer. Erstens schwappten gute Neuigkeiten von Konkurrent Monsanto über den grossen Teich. Der amerikanische Agrochemie-Rivale hob nicht nur seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2013/14 an, sondern erwartet in den kommenden fünf Jahren eine Gewinnverdoppelung. Zudem hellen sich die Aussichten in der Chemiebranche auf. Der Verband der chemischen Industrie (VCI) errechnete für den Sektor im ersten Halbjahr ein Umsatzplus von 2 Prozent.

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«Die Erholung der Vorquartale setzt sich fort», kommentiert VCI-Präsident Karl-Ludwig Kley die Ergebnisse. Die Firmen der Branche konnten in den vergangenen Wochen sogar Preiserhöhungen durchsetzen. Und drittens sorgt die anhaltende Konsolidierungswelle in der Pharmabranche für gute Stimmung. Spekulationen zufolge bahnt sich zwischen dem US-Duo Mylan und Abbott Laboratories ein neuer Milliardendeal an.

SAP überzeugt im Cloud-Bereich

Der Auftakt in die laufende Quartalssaison ist schon mal gelungen. Als Erstes legte erneut SAP ihre Bücher offen und konnte die Finanzgemeinde überzeugen. Insbesondere die Geschäfte in der zukunftsträchtigen Cloud-Sparte zogen mit einem Plus von 39 Prozent auf 242 Millionen Euro deutlich an. Der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware erhöhte deshalb auch seine Prognose für das Gesamtjahr und peilt in der Cloud-Sparte Erlöse von 1,0 bis knapp 1,1 Milliarden Euro an.

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Der Autobauer besitzt weltweit eine starke Position im Premiummarkt. Mit einem 2015er-KGV von zehn ist die BMW-Aktie zwar höher bewertet als die Peer-Group, doch ist die Bewertung durch hohes Wachstum und hohe Profitabilität gerechtfertigt.

Der Kurs der Bayer-Aktie konnte sich in den vergangenen drei Jahren verdoppeln. Seit einigen Wochen kämpft der DAX-Titel nun mit der 100-Euro-Marke. Die Halbjahreszahlen am 30. Juli könnten die entscheidenden Ausbruchsimpulse liefern.

Mit einer Modelloffensive möchte Daimler zur Konkurrenz aufschliessen. Bis Ende 2015 planen die Stuttgarter 20 Markteinführungen von neuen oder aufgehübschten Modellen. Bis 2020 will Daimler im Premiumbereich weltweit Marktführer werden.

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Adobe hat bereits gezeigt, dass ein Strategiewechsel vom Softwarekauf hin zum Online-Mietmodell erfolgversprechend sein kann. SAP ist ebenfalls auf  dem besten Weg, um mit ihren Cloud-Diensten die Branche aufzurollen. Die Chancen steigen damit, dass die Aktie schon bald aus ihrem Seitwärtstrend ausbrechen wird.