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Dem Nikkei-Index steht ein neuer Schub bevor

Positive Prognosen für den Nikkei 225: Die Aktien in Japan laufen wieder. Keystone

Japans Aktien laufen wieder. Der Export brummt und internationale Investoren sind auf der Käuferseite. Der Nikkei-Index könnte schon kurzfristig nach oben ausbrechen.

Von Georg Pröbstl
am 26.05.2017

Jetzt wird es richtig spannend. Der Nikkei 225 läuft seit November wieder und kletterte allein seit Mitte April um acht Prozent. Dadurch wurde nicht nur die von technisch orientierten Anlegern vielbeachtete 100-Tage-Linie nach oben durchbrochen, sondern auch die wichtige psychologische Marke und der Widerstand bei 20000 Punkten sind fast erreicht. Nur noch ein Wimpernschlag von wenigen Punkten – 200 Indexzähler oder rund ein Prozent – trennen den Nikkei 225 von dieser Hürde.

Der Index konnte damit in den letzten zwölf Monaten bereits 20 Prozent zulegen und jetzt könnte es zu einem Schub kommen. Fällt die 20000er-Begrenzungszone, könnten die Hochs aus 2015 von 20'868 drin sein und dann wäre auch ein Ausbruch denkbar. Denn die obere Begrenzungslinie im langfristigen Abwärtstrend von 1996 verläuft in dem Bereich und möglicherweise sehen Anleger an der Börse Tokyo schon bald wieder Indexlevels von 22'000 Punkten. 

Ausländer steigen ein

Zuletzt zeigten sich insbesondere Ausländer zuversichtlich in Bezug auf die weitere Kursentwicklung. Im April lag der Saldo der Nettokäufe bei japanischen Aktien durch internationale Investoren bei 755,6 Milliarden Yen. Damit flossen im April umgerechnet aus dem Ausland rund sieben Milliarden Dollar netto an Nippons Aktienbörsen.  

Fundamental begründbar wäre das. So notiert der japanische Yen mit 110 für jeden US-Dollar wieder im Bereich eines Zehnjahrestiefs zum Greenback. Im vergangenen Jahr war der Yen dagegen zwischen Jahresanfang und Oktober von rund 120 auf 100 zum Dollar gestiegen und hatte erst nach der Wahl Donald Trumps wieder an Boden verloren. Die Yen-Schwäche ist gut für Japans Exporte und diese dürften damit wieder besser laufen, als in 2016. 

Schwacher Yen zieht Exporte an

Die Zahlen für die ersten vier Monate bestätigen das. Verzeichnete Japan im vergangenen Jahr noch einen Exportrückgang um 7,4 Prozent auf umgerechnet rund 630 Milliarden Dollar, so lagen die Ausfuhren in diesem Jahr bisher in jedem Monat über dem Vorjahreswert. Der Januar schnitt um 1,3 Prozent besser ab, im Februar gab es Zuwächse im Export um 11,3 Prozent und für März und April berichtet Japans Finanzminister über Steigerungen bei den Ausfuhren von 12,0 und 7,5 Prozent. 

Gut lief es dabei zuletzt bei den Exporten etwa von Autos in die USA. Dass die Vereinigten Staaten für Nippon ein wichtiger Handelspartner sind, zeigt unter anderem der rasche Besuch des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe gleich nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten. Nur wenige Tage nach der Wahl Mitte November trafen sich die beiden Politiker in New York in Trumps Firmensitz zu einem 90minütigen Gespräch. 

Die Konjunkturprognosen werden hochgeschraubt

Insbesondere wegen des starken Privatkonsums und der Exporte hat die internationale Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum Japans in diesem Jahr erst vor kurzem von 1,0 auf 1,2 Prozent erhöht. Japans Regierung hält sogar ein Plus von 1,5 Prozent für möglich. Immerhin legt nicht nur der Export zu, sondern auch die Verbraucher im Land geben mehr Geld aus. So stieg der private Konsum, der immerhin 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beisteuert, im ersten Quartal um 0,4 Prozent.

1,5 Prozent wären aber immer noch zu wenig um die Wachstumsziele zu schaffen. Denn um Abes Zielmarke von 600 Billionen Yen – knapp sechs Billionen US-Dollar – bis ungefähr 2020 zu erreichen, müsste Japans Wirtschaft jährlich um rund zwei Prozent zulegen. Die Latte liegt damit hoch und der Staat versucht mit Ausgabenprogrammen sowie von Verschiebungen von Steuererhöhungen gegenzusteuern. Zwar kletterte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal nur um 0,5 Prozent, doch das war wenigstens noch das fünfte Quartalsplus in Folge. 

Eine Wette auf den Nikkei

Wer auf den Nikkei 225 setzen will, greift zum Call (ISIN: CH0345427055, Laufzeit endlos, Bezugsverhältnis 10:1, Basis und Knock-out jeweils 18'124,16) und setzt darauf, dass der Index rasch über 20'000 Punkte springt und dann weiter in Richtung des 2015er-Hochs spurten kann. 

Klettert der Nikkei beispielsweise auf 20'500 Punkte, wären mit dem Zertifikat mit einem aktuellen 11er-Hebel rund 50 Prozent verdient. Fällt der Index allerdings unter 19'000 Punkte treten vorsichtige Anleger auf die Bremse und steigen aus.

Toyota Motors – da gibt es Überraschungspotential aus dem Export

Wer auf Einzelwerte setzen will, sollte sich Toyota Motors (ISIN: JP3633400001) ansehen. Der Autobauer litt im vergangenen Geschäftsjahr per Ende März unter dem in 2016 zwischenzeitlich starken Yen. Seit Präsentation der Jahreszahlen Mitte Mai mit einem Gewinnrückgang um rund 20 Prozent hat die Aktie auch etwa fünf Prozent an Wert verloren. In diesem Jahr soll das Ergebnis nochmals fallen. 

Allerdings: Angesichts des wieder schwächeren Yens und des aktuellen Exportbooms Nippons könnte das Ergebnis besser ausfallen als erwartet. Schon jetzt wird ohnehin für den Autobauer nur ein sehr moderates 9er-KGV prognostiziert. Die Aktie notiert an der wichtigen Unterstützung von 6000 Yen. Möglicherweise hebt die Notierung von dort wie bereits Mitte November ab und klettert dann auf 6500 oder auch 7000 Yen. 

Shiseido – vielversprechende Wachstumsziele

Seit Jahren konstant im schönen Aufwärtstrend mit einem Sprung nach oben im Mai präsentiert sich dagegen Shiseido. Die Aktie des Kosmetikkonzerns aus Tokyo hat sich in den letzten fünf Jahren fast vervierfacht und brachte alleine in den letzten vier Wochen ein Plus von 20 Prozent. Auf den ersten Blick betrachtet scheint der Titel mit einem KGV im mittleren zweistelligen Bereich nicht gerade günstig.

Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das Unternehmen als Wachstumswert. Es gibt rasante Expansion mit zweistelligen Raten in vielen Märkten und eine starke Wachstumsstrategie. Unter anderem sollen die Marken gestärkt werden, der Bereich e-Commerce zulegen und die Produktivität steigen. Bis 2020 könnte der Umsatz dadurch von etwa 7,5 Milliarden Dollar in 2016 auf rund zehn Milliarden Dollar klettern. Beim operativen Ergebnis wäre eine Verdopplung drin. Aus einem aktuellen geschätzten 40er-KGV könnte rasch ein 20er-Gewinnmultiple und besser werden. Die Aktie notiert aktuell bei rund 3600 Yen und ist Anfang Mai über alle wichtigen Charthürden nach oben ausgebrochen. Wahrscheinlich haben Anleger nun sogar schon die 4000-Yen-Marke im Visier.

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