Seit Anfang des Jahres stehen die Börsen in den USA und in Europa im Fokus von Anlegern. In den Vereinigten Staaten hat US-Präsident Donald Trump seit seinem Wahlsieg im vergangenen November für eine anhaltende Rally gesorgt, sein Regierungsstil und das Personalchaos in seiner Regierungsmannschaft sorgen derweil immer wieder für Schlagzeilen.

In Europa wiederum hält das Superwahljahr 2017 Investoren in Atem – und gute Nachrichten aus der Wirtschaft weckten zuletzt immer öfter das Interesse von Anlegern: Europas Konjunktur ist auf Erholungskurs, viele Unternehmen haben ihre Gewinnprognosen in den zurückliegenden Monaten angehoben.

Schwellenländer verdienen Beachtung

Bei all den Diskussionen und Spekulationen sind Schwellenländer fast vom Radar der Investoren verschwunden. Zu Unrecht: Denn nach Einschätzung von Marktbeobachtern stehen die Emerging Markets im Jahr 2017 so gut da wie seit Jahren nicht mehr. Der Zeitpunkt zum Kauf von Schwellenländertiteln als Beimischung zu einem ausgewogenen Portfolio ist günstig, sagen sie. Wer nur auf Valoren aus Industrieländern setzt, lässt sich attraktive Chancen entgehen.

Jahrelang hingen dunkle Wolken über den Schwellenländern. Investoren zogen viel Kapital aus den aufstrebenden Volkswirtschaften ab. Seit dem vergangenen Jahr ist der Himmel aufgezogen: In vielen Schwellenländern hat eine Erholungsphase eingesetzt. «In den meisten Emerging Markets sind Zeichen für eine Schuldenreduzierung erkennbar. Ausserdem haben die Rohstoffpreise sich stabilisiert und die Wechselkurse der lokalen Währungen sind auf ein attraktives Niveau gefallen», sagt Rishikesh Patel, Portfoliomanager bei LGM Investments.

Die Daten sind besser

Dass die Wirtschaft nicht mehr gegen das rückläufige Kreditwachstum ankämpfen muss, zeigte sich zuletzt bereits anhand von Fundamentaldaten: So verbessern sich die Einkaufsmanagerindizes der Schwellenländer stetig, auch der Automobilabsatz ist in den vergangenen Monaten gestiegen. Breit gestreut in Schwellenländer-Valoren zu investieren, erwies sich schon im Jahr 2016 als gute Idee: Der Index MSCI Emerging Markets legte im Jahresverlauf um mehr als zehn Prozent zu.

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Künftig könnte es weiter bergauf gehen, erwartet Patel: Schwellenländeraktien profitierten in erster Linie von langfristigen Trends wie steigenden Löhnen, jungen Konsumenten und einer niedrigen Arbeitslosenrate. «Der zentrale Treiber ist eindeutig das Wachstum der arbeitsfähigen Bevölkerung.»

Dementsprechend seien die Politik Trumps oder auch Einbrüche der Rohstoffpreise nur als kurzfristige Risiken zu betrachten. «Die langfristige Wachstumsgeschichte der Schwellenländer ist intakt», sagt Patel. In der Tat ist die Konsumfreude der wachsenden Mittelschicht in Emerging Markets ungebrochen.

Kauffreudige Junge

Vor allem junge Menschen in Asien sind kauffreudig, viele von ihnen eröffnen neue Bankkonten. Portfoliomanager Patel setzt derzeit deshalb etwa auf die indonesischen Banken Mandiri und Rakyat sowie den philippinischen Konsumgüterhersteller URC.

Neben asiatischen Schwellenländern wie Indonesien und Indien sind aus Sicht von Marktbeobachtern auch Titel aus Argentinien interessant für Investoren. In den vergangenen Jahrzehnten wechselten sich Wirtschaftsboom und dramatische Einbrüche in dem südamerikanischen Land ab.

Selbst in China geht’s aufwärts

Im Jahr 2015 griff die Regierung von Mauricio Macri verstärkt in die Finanzmärkte ein, um die dringend notwendige Konjunkturerholung in Gang zu bringen. Die Bemühungen scheinen erfolgreich gewesen zu sein: «In Kürze dürften argentinische Aktien wieder eine attraktive Kaufgelegenheit darstellen», sagt Tim Love, Investment Director für Schwellenländeraktien bei GAM.

Aktuell seien die Titel vor allem aufgrund teurer Bewertungen im Bankensektor unattraktiv. «In der zweiten Jahreshälfte dürften sich aber wieder Einstiegsmöglichkeiten auftun», erwartet Love.

Selbst in China geht es nach einer monatelangen Schwächephase wirtschaftlich wieder aufwärts. Beobachter hatten bereits einen extremen Einbruch der grundsätzlich starken Wirtschaft befürchtet – und dass eine Konjunkturflaute in China auch andere Emerging Markets in Mitleidenschaft ziehen könnte. Bislang ist eine solche Entwicklung ausgeblieben. Vielmehr gaben zuletzt stabile Wirtschaftsdaten Anlass zu neuem Optimismus.

Die Balance bleibt wichtig

Trotz der ermutigenden Entwicklungen gilt bei Investments in Schwellenländern nach wie vor: Anleger sollten selektiv vorgehen und nicht alles auf eine Karte setzen, wenn sie vom Wachstum der aufstrebenden Volkswirtschaften profitieren wollen.

Denn Emerging Markets haben immer wieder mit makroökonomischen Risiken zu kämpfen, ebenso mit innenpolitischen Problemen. Das kann die Kurse von Schwellenländeraktien jederzeit einbrechen lassen. Wer starke Nerven mitbringt und sein Geld nicht nur in Valoren aus Indien, Indonesien oder China steckt, könnte damit in Zukunft aber gut fahren.