Das alles beherrschende Thema auf dem alten Kontinent ist derzeit der Schuldenstreit mit Griechenland. Dieser lähmt die Börsen, und so kam der EURO STOXX 50 in den zurückliegenden Wochen nicht voran. Im Gegenteil: Im Vergleich zum Jahreshoch von Mitte April bei 3836 Punkten gaben die 50 Blue Chips des Euroraums inzwischen wieder mehr als einen Zehntel ab.

Dabei läuft es in Europa immer besser, sowohl auf makro- wie auch mikroökonomischer Ebene. Der vom Marktforschungsunternehmen GfK berechnete Konsumklimaindex für die 28 EU-Staaten legte im ersten Quartal um 4,3 Zähler auf 9,8 Punkte zu. Insbesondere die west- und südeuropäischen Staaten rüsten sich für einen Wirtschaftsaufschwung. Und geht es nach den Ökonomen der Weltbank, wird dieser dynamischer ausfallen als bislang erwartet worden ist. Nach einer jüngsten Prognose soll das Bruttoinlandprodukt in der Eurozone im laufenden Jahr um 1,5 Prozent expandieren. Zuvor waren die Experten nur von einem Plus von 1,1 Prozent ausgegangen. Die Gründe für die positive Revision liegen vor allem beim schwachen Euro, welcher die Exportwirtschaft beflügelt, und im sinkenden Ölpreis, der den Konsum ankurbelt.

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Die Gewinne steigen

Diese Entwicklung ist bei den Unternehmen bereits angekommen. «In Europa sehen wir die besten Gewinnzahlen seit dem dritten Quartal 2010», sagt Markus Zeiss, Fondsmanager bei LBBW Asset Management. Seinen Berechnungen zufolge haben per Ende Mai 58 Prozent aller Unternehmen des EURO STOXX 50 ihre Gewinnerwartung übertroffen. Auf der Umsatzseite fiel die Quote der positiven Überraschungen mit 64 Prozent noch höher aus.

Besonders gut lief es im Technologie-Sektor. So konnten beispielsweise der Chiphersteller ASML sowie Europas grösstes Software-Unternehmen SAP mit ihren Zahlensets überzeugen. Nach Ansicht von Zeiss lohnt sich aktuell auch ein Blick auf den Industriesektor: «Steigende Konjunkturerwartungen dürften bei vielen Industriewerten zu einer Dividendenrendite führen, die im Vergleich zu Low-Beta-Branchen sehr attraktiv ist.» Fidelity-Fondsmanager Matthew Siddle hat ebenfalls überwiegend konjunktursensitive Titel im Visier: «Zykliker werden verglichen mit defensiven Aktien weiterhin auf einem günstigen Niveau gehandelt, obwohl ihre Gewinne kräftiger gestiegen sind.»

Keine Überhitzungsgefahr

Abgesehen vom Hickhack mit Athen sprechen die weiteren Aussichten mit Blick auf den schwachen Euro – immerhin erwirtschaften europäische Unternehmen rund einen Fünftel ihrer Gewinne in den USA – sowie angesichts der weiteren Unterstützung der EZB für Aktien auf dem alten Kontinent. Paras Anand, Leiter des europäischen Aktienteams bei Fidelity Worldwide Investment, sieht in Hinblick auf die Unternehmen zudem noch Überraschungspotenzial.

«Die weiterhin moderaten Gewinnerwartungen spiegeln noch nicht die Chancen wider, die sich Europas Unternehmen aktuell eröffnen.» Von einer Blase oder Euphorie sind Europas Märkte seiner Ansicht nach «meilenweit entfernt».

Jeder Risikotyp kommt auf seine Kosten

Anleger können je nach Risikoneigung mit unterschiedlichen Produkten auf einen positiven Kurstrend in Europa setzen. Für die ganz vorsichtigen Naturen hat Credit Suisse derzeit ein Kapitalschutz-Papier (ISIN CH0280128122) auf den EURO STOXX 50 in der Zeichnung. Das Zertifikat bietet am Ende seiner fünfjährigen Laufzeit einen vollständigen Schutz gegen Verluste. An möglichen Avancen des Index nehmen Anleger zu 150 Prozent, also mit Hebel, teil. Allerdings behält sich die Emittentin das Recht vor, die Note vorzeitig zurückzuzahlen. Einmal im Jahr kann Credit Suisse das Produkt kündigen. In diesem Fall würden Inhaber für jedes vollendete Jahr einen Coupon in der Höhe von 4,5 Prozent als Entschädigung erhalten.

Wer etwas mehr riskieren möchte, kann einen Blick auf ein Bonus-Zertifikat (ISIN CH0245336034) von Leonteq werfen. Zwar notiert das Produkt bereits über dem Bonus-Level, allerdings ist das für Hausse-Investoren nicht weiter schlimm. Denn mit dem Produkt lässt sich teilgeschützt auf weiter steigende Kurse beim EURO STOXX setzen – und dies unbegrenzt. Die Barriere befindet sich bei 2455.45 und damit rund 29 Prozent vom aktuellen Niveau entfernt. Bleibt diese bis zum Laufzeitende am 1. Juli 2016 unversehrt, kommt mindestens der Nominalwert zur Auszahlung. Aktuell notiert das Produkt rund 3 Prozent über pari.

Mutige Trader sind hingegen mit dem Faktor-Zertifikat (ISIN DE000CM2G0M2) der Commerzbank gut beraten. Das Produkt vereint zahlreiche Vorteile: Konstanter Hebel, kein Knock-out, kein Volatilitätseinfluss sowie eine Open-End-Struktur. Der Multiplikator beläuft sich auf den Faktor sechs.