Pünktlich zum Wochenstart versetzte eine Neuigkeit aus den USA Schweizer Anleger in Champagnerlaune: Das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) habe die Übernahme von Syngenta durch ChemChina genehmigt, haben der Basler Agrarchemiekonzern und der chinesische Chemie-Riese in einer gemeinsamen Erklärung bekanntgegeben. Die beiden Firmen wollen die 43 Milliarden US-Dollar schwere Transaktion nun bis zum Jahresende abschliessen.

Der chinesische Konzern verspricht sich von der Fusion den Sprung an die Spitze des Agrochemieweltmarktes und einen Modernisierungsschub für die heimische Landwirtschaft. Schweizer Anleger reagierten begeistert. Die Syngenta-Aktie schoss nach Bekanntwerden der Nachricht um 12 Prozent nach oben. 

Zurückhaltende Anleger

Zuvor hatten Anleger sich mit dem Kauf der Syngenta-Aktie zurückgehalten. Noch am vergangenen Freitag lag der Kurs des Valors bei 380.80 Franken. Inzwischen notiert er – nach einem zeitweiligen Rekordhoch von 428 Franken – bei 420 Franken. «Das Okay aus den USA war ein wichtiges Signal für Investoren», sagt Philipp Gamper, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Bis zum vergangenen Montag war schliesslich nicht klar gewesen, ob der seit Oktober angekündigte Deal zwischen Syngenta und ChemChina tatsächlich zustande kommen würde. Auch deshalb dümpelte der Aktienkurs des Basler Konzerns vor sich hin. «Nun ist eine weitere Hürde auf dem Weg zur Übernahme genommen worden. Das hat dem Kurs des Syngenta-Titels zu Recht Schub gegeben», sagt Gamper. 

Weg zur Übernahme noch nicht frei

Analysten halten weitere Kursanstiege der Aktie für möglich. Denn noch immer ist der Weg für die Übernahme nicht ganz frei. Zahlreiche Regulierungsbehörden weltweit müssen in den kommenden Monaten noch kartellrechtliche Prüfungen abschliessen und ebenso zustimmen wie die US-Behörde. Deren Placet gilt allerdings als richtungsweisend. «Wenn die Übernahme tatsächlich zustande kommt, könnte der Kurs auf 450 Franken ansteigen», sagt ZKB-Analyst Gamper. 

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Nicht jeder ist von dem sich anbahnenden Übernahme-Deal der Chemiekonzerne so begeistert wie die eidgenössischen Investoren. Vor allem in den USA befürchten Kritiker, der Wettbewerb unter den globalen Akteuren in der Saatgut- und Chemieindustrie könnte verzerrt werden und US-Landwirte würden die Leidtragenden der schweizerisch-chinesischen Fusion sein. In der Schweiz wiederum fürchten manche Marktbeobachter den Wegfall von Arbeitsplätzen bei Syngenta. Trotz allem sei die Übernahme für Syngenta vorteilhaft, da sind sich Analysten einig. «Syngentas Marktanteil in China wird stark steigen», heisst es bei den Analysten der Baader Bank. Syngenta sei grundsätzlich ein gut aufgestelltes Unternehmen. Als weltweit Nummer eins im Bereich Pflanzenschutzmittel habe der Konzern es geschafft, sich in einem schwierigen Marktumfeld besser über Wasser zu halten als die Konkurrenz. 

Der gesamte Chemiemarkt ist in Bewegung

Tatsächlich ist die Agrarindustrie zurzeit sehr angeschlagen. Die Preise für Agrarrohstoffe liegen am Boden, die Nachfrage nach Produkten des Pflanzenschutz- und Saatgutherstellers aus Basel ist in den vergangenen Monaten zurückgegangen. «Syngenta hat mit guten neuen Produkten und Preiserhöhungen erfolgreich gegengehalten», loben die Baader-Bank-Analysten das Konzern-Management.

Eines kann Syngenta damit allerdings nicht beeinflussen: «Der gesamte Chemiemarkt ist derzeit in Bewegung. Es ist noch nicht absehbar, wie sich das Marktumfeld in Zukunft verändern wird», sagt Tilman Dumrese, Analyst der LGT Bank in Zürich. So ringt der deutsche Chemie-Gigant Bayer seit mehreren Monaten um eine Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto. Zuvor war der deutsche Konzern bei Syngenta abgeblitzt. «Es ist derzeit schwierig, einschätzen zu können, wie es weitergehen wird», sagt Dumrese. 

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In ChemChina bekommt Syngenta aber in jedem Fall einen starken Partner. Klappt es mit der Fusion, und danach sieht es aus, nachdem die CFIUS grünes Licht gegeben hat, können also nicht nur die Chinesen profitieren. Auch die Schweizer würden ihr Potenzial ausschöpfen. Sie dürften sich dauerhaft unter den Top-Chemiekonzernen positionieren.