Das japanische Team reist als Aussenseiter zur Fussball-WM nach Brasilien. Zwar ist das Team zusammen mit jenem von Kolumbien, Griechenland und von der Elfenbeinküste in der eher schwächeren Gruppe C zu finden, doch mehr als der Achtelfinal dürfte für die Asiaten kaum drin sein. Derweil zählte Japan am Kapitalmarkt bis vor wenigen Monaten zu den Favoriten. 2013 verteuerte sich der Nikkei 225 um mehr als 50 Prozent. Damit gewann der Leitindex die Performance-Weltmeisterschaft. Im laufenden Jahr sieht es bis dato nicht nach einer Titelverteidigung aus. Vielmehr notiert der Nikkei um 8 Prozent unter dem 2013er-Ultimo. Damit hinkt die Tokioter Börse anderen Handelsplätzen wie New York,  Zürich und Frankfurt hinterher.

«Den Abenomics geht die Puste aus», kommentiert Léon Cornelissen, Chefvolkswirt von Robeco, die aktuelle Entwicklung. Der Begriff «Abenomics» steht für die vor rund anderthalb Jahren von Ministerpräsident Shinzo Abe in die Wege geleitete expansive Geld- und Fiskalpolitik. Sie führte zu einer massiven Abwertung des japanischen Yen. Infolgedessen zogen die Exporte an und brachten die Konjunktur in Schwung. Doch dann machte sich Ernüchterung breit. Sowohl der Internationale Währungsfonds (IWF) als auch die Bank of Japan BoJ schraubten ihre Wachstumsprognosen zurück.

Geldpolitische Lockerung – die Bank of Japan ist bereit

Die BoJ erwartet im laufenden Fiskaljahr per 31. März 2015 eine Ausweitung des Bruttoinlandprodukts (BIP) um 1,1 Prozent. Im Januar hatte sie noch ein Plus von 1,4 Prozent prognostiziert. Mitverantwortlich für die Wachstumsverlangsamung dürfte die Anfang April umgesetzte Erhöhung der Mehrwertsteuer sein. Nach Ansicht von Léon Cornelissen stehen dem Ministerpräsidenten nach diesem Schritt immer weniger Optionen zur Verfügung, um die Wirtschaft anzukurbeln. Der Ökonom würde sich vor allem strukturelle Veränderungen wünschen: «Steuerreformen, eine Deregulierung des Arbeitsmarktes und eine bessere Führung der Unternehmen könnten Investitionen fördern.» Da diese Massnahmen nicht vorankämen, hält er weitere geldpolitische Lockerungen der BoJ fast für unausweichlich.

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Genau hier liegt die Chance für den japanischen Aktienmarkt, denn die Notenbank wird nicht müde, ihre expansive Gangart zu betonen. BoJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda warnte kürzlich vor einer verfrühten Diskussion über eine Reduzierung des Stimulierungsprogramms. «Wir haben erst die halbe Strecke zum Inflationsziel von 2 Prozent zurückgelegt», sagte er bei einer Anhörung vor dem Parlament. Bereinigt um die Mehrwertsteuererhöhung lag die Teuerung im April bei 1,5 Prozent. Kuroda betonte, dass die Notenbank zu weiteren Lockerungsmassnahmen bereit sei, falls das Inflationsziel in Gefahr gerate. Robeco-Chefvolkswirt Cornelissen hält es für wahrscheinlich, dass die BoJ bereits im Juli weitere Schritte ankündigen wird.

Japans Börse – das Umfeld hellt sich auf

In dieses Szenario passt die jüngste Entwicklung am Aktienmarkt. Der Nikkei 225 konnte vor zwei Wochen den Abwärtstrend vom Jahresanfang nach oben durchbrechen und die psychologische Marke von 15'000 Punkten wieder überwinden. Parallel dazu ging es für das Devisengespann USD/JPY nach oben. Das heisst, der Yen wurde in Relation zum Dollar billiger.

Rückenwind bekamen Aktien und Greenback auch von positiven Konjunkturdaten aus den USA sowie aus China. Darüber hinaus liess ein Pressebericht aufhorchen. Demnach kann sich der staatliche Pensionsfonds Japans vorstellen, massiv in inländische Aktien zu investieren. Deren Anteil am Portfolio dieses weltweit grössten Vehikels seiner Art könnte dabei von gegenwärtig 12 Prozent auf 20 Prozent steigen.

Zertifikate auf den neuen Kursaufschwung in Nippon

Das auf die Indexwährung japanischer Yen lautende RBS-Produkt bildet den Nikkei 225 eins zu eins ab. Für das Open-End-Papier fällt keine Gebühr an, die durchschnittliche Geld-/Briefspanne liegt bei attraktiven 0,14 Prozent.

Tracker-Zertifikat auf japanischen Exporter Basket (ISIN CH0211016297)

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Mit dem breiten japanischen Aktienmarkt drehte zuletzt auch dieses Themenzertifikat der UBS nach oben. Exporteure gelten als unmittelbare Nutzniesser der durch die expansive Geld- und Fiskalpolitik ausgelösten Yen-Abwertung. Dem auf diesen Zusammenhang abzielenden Produkt liegt eine aktiv verwaltete Aktienauswahl zugrunde. Allerdings ist das bis April 2018 laufende Zertifikat nicht börsenkotiert. Der Sekundärmarkt läuft direkt über die Emittentin.

Das viel beachtete Devisengespann sendete zuletzt ein charttechnisches Lebenszeichen. Gegenüber dem Yen verteidigte der Dollar die 200-Tage-Linie. Nun versucht der Greenback, den kurzfristigen Abwärtstrend hinter sich zu lassen. An einem Erfolg dieses Unterfangens würde der von der Bank Vontobel aufgelegte Mini-Future mit einem Hebel von momentan 9,6 partizipieren. Gefahr besteht hingegen, falls das Währungspaar USD/JPY nach unten dreht und wenn es sich dem Knock-out zu sehr nähert.

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