Es herrschte keine gute Börsenstimmung im Juli. Im vergangenen Monat gab der SMI um 1,7 Prozent nach und beschleunigte damit den kurzfristigen Abwärtstrend. Derweil hatten die Anbieter von strukturierten Produkten durchaus Grund zur Freude – ihre Geschäfte zogen deutlich an. Einmal mehr bestätigte sich die Erfahrung, dass dieser Markt vor allem floriert, wenn die Aktienkurse vergleichsweise stark schwanken. Konkret legte der Handelsumsatz an der SIX Structured Products (ehemals Scoach) im Juli gegenüber dem Vormonat um mehr als 16 Prozent zu. Mit 2,0 Milliarden Franken lag das Volumen erstmals seit April über der Marke von zwei Milliarden.

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Diese Zahlen stammen aus einem gerade eben veröffentlichten Marktreport der Schweizer Börse. Monat für Monat gibt die SIX mit dieser Publikation interessante Einblicke in das Segment für strukturierte Produkte und in die Vorlieben heimischer Anleger. So stieg die Zahl der Trades im Juli um 17,4 Prozent, das Handelsvolumen kletterte um 16,2 Prozent auf 2,0 Milliarden Franken. Obwohl die SIX auch ausserbörsliche Transaktionen abwickelt, geht das Geschäft zu rund 98 Prozent «On-Exchange» vonstatten. Deutlich zum Ausdruck kommt im Marktreport auch die Dominanz der Hebelprodukte. Diese Kategorie stellte per Ende Juli gut zwei Drittel der insgesamt an der SIX Structured Product kotierten 35'537 Papiere und dominierte auch bei den Neu-Listings. Insgesamt lancierten die an der SIX aktiven 28 Emittenten im vergangenen Monat mehr als 4000 Produkte, wovon mehr als 80 Prozent Hebelpapiere sind. Bei den Umsätzen erreichte die Kategorie einen Anteil von 45 Prozent.

Calls auf Roche sind der Renner

Top Seller war dabei im Juli ein Call-Warrant der Deutschen Bank auf Roche. Dieses Produkt, es nimmt mit einem Hebel an Kursgewinnen des Pharmatitels teil, verzeichnete 501 Trades. Auffällig ist auch der dritte Platz eines von der ZKB aufgelegten Knock-out-Puts auf den SMI. Offenbar wollten einige Investoren ihr Depot absichern oder von einem weiteren Rückgang des Leitindex profitieren. Und klassische Tracker-Zertifikate prägen das Ranking der Anlageprodukte. Acht Derivate auf der Top-Ten-Liste zielen auf den Aktienmarkt ab. Daneben schafften es zwei Partizipationsvehikel auf Öl respektive auf den Sechs-Monats-Euribor-Geldmarktsatz in die Spitzengruppe. In Summe steuerte die Produktgattung im Juli 30 Prozent zum Handelsvolumen des Schweizer Struki-Marktes bei.

Drittgrösste Kategorie war der Bereich Renditeoptimierung mit einem Anteil von 19 Prozent. Hier gibt der in der Schweiz besonders beliebte Barrier Reverse Convertible den Ton an. Derweil waren Kapitalschutz-Zertifikate trotz der eingetrübten Börsenstimmung kaum gefragt. Sie steuerten im vergangenen Monat lediglich 4 Prozent bei. Dabei lag das Volumen bereits den fünften Monat in Folge unter dem Vorjahresniveau.

Leonteq ist im Pfandsegment sehr aktiv

Relativ stabil entwickelte sich «COSI», das Spezialsegment für pfandbesicherte Produkte. Die Monatsumsätze erreichten knapp 100 Millionen Franken. Insgesamt bieten die Banken mehr als 1600 Zertifikate an, bei denen das Emittentenrisiko weitestgehend ausgeklammert ist. Seit jeher macht vor allem Leonteq von dieser Praxis Gebrauch. Ende Juli hatte die Anbieterin 948 Produkte und damit mehr als die Hälfte ihrer gesamten Palette mit dem Label «COSI» versehen. Hingegen macht die Marktführerin weiterhin einen Bogen um dieses Segment. Was nichts daran ändern kann, dass die UBS mit einem Umsatzanteil von 31,6 Prozent ihre Dominanz im Struki-Geschäft weiter ausbauen konnte. Den zweiten Platz verteidigte Vontobel vor der ZKB. Zusammen bringen es diese drei grössten Häuser auf einen Marktanteil von mehr als zwei Dritteln.

Aber die Konkurrenz schläft nicht. Beispielsweise stockte die Zertifikatesparte der Royal Bank of Scotland, die gerade durch BNP Paribas übernommen wird, ihr Produktangebot im Juli um knapp einen Zehntel auf. Im aktuellen Marktreport der SIX Structured Products finden Anleger noch weitere interessante Details. Unter http://www.six-structured-products.com/de/aktuelles/marktreport kann der Bericht kostenlos heruntergeladen werden.

Der Pharmatitel ist der beliebteste Basiswert bei Hebelprodukten. Der Strike des im Juni 2015 fälligen Optionsscheins liegt bei 270 Franken. Durch den jüngsten Rücksetzer der Roche-Genussscheine notiert er deutlich aus dem Geld. Die Folge ist ein stattlicher Hebel von mehr als 26.

Der ZKB-Warrant münzt Verluste beim SMI mit einem Hebel von aktuell rund 16 in Gewinne um. Dabei ist Gefahr im Anzug, sobald sich der Basiswert dem Knock-out bei 8850 Punkten annähert. Im Juli ging das Kalkül des Short-Produkts voll auf. Der Warrant verteuerte sich um mehr als einen Drittel und zählte an der SIX Structured Products zu den umsatzstärksten Hebelpapieren. Auch im August erlebt das Derivat bis dato einen regen Handel.

Dieser Tracker war im Juli das am stärksten gehandelte Anlageprodukt an der SIX. Seit der Lancierung im Juni 2013 hat die UBS diese Emission in mehreren Schritten um insgesamt 1,2 Millionen Zertifikate aufgestockt. Offensichtlich wollen sich viele Anleger im MSCI-EMU-Index positionieren. In diesem Börsengradmesser sind knapp 240 Large und Mid Caps aus den zehn grössten entwickelten Industriestaaten der Eurozone zu finden.

Die Vermutung liegt nahe, dass vor allem Privatanleger dieses Produkt nutzen, um in den Immobiliensektor zu investieren. Jedenfalls verzeichnet der ZKB-Tracker relativ kleine Ordergrössen. Insgesamt mehr als 263 Trades sorgten dennoch dafür, dass das Zertifikat im Juli zu den Top Ten der Anlageprodukte an der SIX Structured Products zählte. Im Basiswert sind sämtliche an der SIX kotierte Immobilienfonds zu finden.