Die anfänglichen Zweifel waren gross: Als Activison Blizzard (ISIN: US00507V1098) ankündigte, zusammen mit dem Entwicklungsstudio Bungie 500 Millionen Dollar in die Entwicklung des Videospiels Destiny zu stecken, gab es grosse Bedenken, ob sich diese Investition je lohnen würde. Doch mit dem Verkaufsstart am 9. September waren die Zweifel wie weggewischt. Schon am ersten Verkaufstag spielte das Science-Fiction-Abenteuer, in dem es im Jahr 2700 um die Rettung der Erde geht, einen Umsatz von mehr als einer halben Milliarde Dollar ein. Das war das beste Verkaufsergebnis eines Konsolen-Spieles, das jemals erzielt wurde.

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Doch nicht nur für Activision läuft es derzeit gut – die gesamte Branche befindet sich im Aufwind. Laut Experten werden die Ausgaben für Computerspiele von 75 Milliarden Dollar bis 2017 auf 100 Milliarden Dollar zulegen. Beispiele für eine grosse Nachfrage gibt es genug. Etwa nach den neuen Spielekonsolen Playstation 4 und Xbox One, die Sony und Microsoft vor kurzem auf den Markt gebracht haben. Gute Absatzzahlen bedeuten aber nicht, dass das Geschäft nicht hart umkämpft wäre, und die kostenlos angebotenen digitalen Videospiele verstärken den Wettbewerbsdruck zusätzlich. Ausserdem besteht für die Spieleentwickler immer die Gefahr, dass sie einen Flop produzieren, der das Ergebnis verhageln kann.

Activision: Videospiele fürs Kino bringen Phantasie

Trotz dieser Risiken sind die Branchenvertreter allgemein vergleichsweise hoch bewertet. Activision etwa kommt auf Basis des erwarteten 2014er-Gewinns auf ein 17er-KGV. Allerdings wird das Ergebnis des Spielekonzerns aus Santa Monica in Kalifornien laut Analystenschätzung in den kommenden fünf Jahren um 16,6 Prozent im Jahr steigen. Zusätzliche Phantasie bergen die Pläne des Managements, ein eigenes Filmstudio zur Produktion von Filmen, die auf den eigenen Videospielen basieren, zu gründen. Bis jetzt ist nur ein Film auf der Basis einer Activision-Lizenz in Produktion. Dieser soll bis März 2016 in die Kinos kommen.

Zu den Profiteuren des Spielebooms zählt auch Electronic Arts (ISIN: US2855121099). Das Unternehmen hat wie Activision schon mehrfach erstklassig nachgefragte Spiele produziert und ist dabei ebenfalls auch in der mobilen Welt sehr gut vertreten. Aber auch hier ist die Bewertung mit 18er-KGV auf den ersten Blick nicht mehr ganz günstig. Aber nach Ansicht von Analysten wird Electronic Arts ihr Ergebnis in den nächsten Jahren sogar noch schneller steigern können als ihr Konkurrent. Es wird dabei in den nächsten fünf Jahren ein Gewinnanstieg von im Durchschnitt 24,3 Prozent im Jahr erwartet. Ein solch hohes Gewinnwachstum würde natürlich auch ein 18er-KGV locker rechtfertigen – vorausgesetzt, es kommt zu keinen grösseren Enttäuschungen.

Social-Network China – YY Inc. wächst rasant

Besonders hohe Wachstumsraten weist derzeit das Mobilsegment auf. Vor allem in China. Dort soll sich das Marktvolumen in diesem Jahr von 12 auf 30 Milliarden Renminbi fast verdreifachen. Gut im Geschäft im Reich der Mitte ist YY Inc. (ISIN: US98426T1060). Das chinesische Unternehmen ist Betreiber einer sozialen Online-Plattform, auf der die Teilnehmer beim Karaoke-Singen gegeneinander antreten und auf der Videospiel-Wettbewerbe ausgetragen werden.

Mit ihrem Angebot liegt YY Inc. voll im Trend und steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 105,6 Prozent auf 841,0 Millionen Renminbi. Der Nettogewinn verbesserte sich dabei um 139 Prozent auf 221,9 Millionen Renminbi. Zwar ist auch YY mit einem 29er-KGV auf den ersten Blick nicht günstig bewertet, doch Analysten erwarten hier in den nächsten fünf Jahren sogar ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 89 Prozent. Bei J.P. Morgan hält man Kurse von 108 Dollar für gerechtfertigt, was noch ein Drittel Potenzial bedeuten würde.

Cowen glaubt bei King Digital an eine Kursverdopplung

Bei Wetten auf Titel aus China ist jedoch generell deren höheres Risikoprofil – etwa im Hinblick auf die Zuverlässigkeit der Bilanzen – zu beachten. Das gilt aber auch für King Digital Entertainment Plc. (ISIN: IE00BKJ9QQ58). Die Aktie des britischen Anbieters von Onlinespielen ist seit dem Börsengang im März bereits unter den Ausgabepreis von 22,50 Dollar gerutscht und das, obwohl die Aktie nur auf ein erwartetes 6er-KGV kommt. Kursdruck ging hier unter anderem von der Entscheidung aus, am 26. September eine Sonderdividende von 0,465 Dollar je Aktie auszuzahlen. So kurz nach dem Börsengang fragen Anleger nach dem Sinn dieser Massnahme.

Doch in den Videospiel-Ranglisten belegt der Hersteller des Puzzle-Videospiels Candy Crush Saga stets Spitzenplätze. Offensichtlich schafft es King Digital Entertainment, den Geschmack der Zielgruppe zu treffen. Auch der Broker Cowen ist beeindruckt und hält eine Kursverdopplung auf 27 Dollar für möglich.