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Die Börse in Moskau weckt die Fantasie der Anleger

Gute Aussichten für die Börsianer in Russland: Der RTX könnte nach oben ausbrechen. Keystone

Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten legen Russlands Aktien zu. Anleger setzen jetzt auf ein baldiges Ende der Sanktionen und weitere Steigerungen an der Börse Moskau.

Von Georg Pröbstl
am 19.05.2017

Dow Jones: Erst 20'000 Punkte, jetzt 21'000 Punkte. DAX: Erst 11'000 Punkte, jetzt 12'000 Indexzähler. Fast täglich neue Kursrekorde. Und auch der SMI konnte vor wenigen Tagen erstmals seit fast zwei Jahren wieder die 9000-Punkte-Marke klar nach oben hin durchbrechen. Vielleicht geht es sogar noch etwas weiter. Womöglich sind im SMI bald 9500 Punkte und ein neues Allzeithoch drin. Und vielleicht fallen auch im Dow Jones oder DAX in den nächsten Wochen oder Monaten die 22'000 und 13'000 Punkte. 

Aber das wirklich grosse Potential ist das nicht, sondern vielmehr mögliche Steigerungen um fünf bis zehn Prozent. Zudem fragen sich Anleger immer öfter: Wie lange kann das mit den Kurssteigerungen noch so weiter gehen? Zumindest kurzfristig betrachtet wird die Luft langsam aber sicher dünn. Denn 30'000 im Dow Jones – ein Plus von 50 Prozent zum aktuellen Stand oder 20'000 im DAX – ein Anstieg um 60 Prozent – kann sich im Moment kaum jemand vorstellen. Zumindest nicht auf Sicht von ein oder zwei Jahren. 

RTX mit hohem Erholungspotential

Wem dieses Potential eher gering erscheint, der sollte unbedingt einen Blick auf die Börse Moskau werfen. Russlands Aktien mit dem breiten Index RTX notieren noch weit unter ihren Allzeithochs und somit gibt es hohes Erholungspotential. Denn der Abschlag zu den Kursrekorden aus dem Jahr 2008 liegt noch bei 50 Prozent. 

Zwar leidet das grösste Land der Erde auch unter einer Konjunkturschwäche infolge des Verfalls der Rohstoffpreise, doch ein guter Teil der Wirtschaftsflaute geht auch auf das Konto der Sanktionen infolge der Ukraine-Krise. Seit Beginn der Strafmassnahmen in 2014 hatte der RTX zwischenzeitlich schon mehr als 50 Prozent an Wert verloren. 

Trump beflügelt die Börse Moskau

Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten ging der Index aber schön nach oben. Für die Redaktion von stocksDIGITAL war die Trump-Wahl Mitte November ein Grund, Russlands Börse zu empfehlen. Tatsächlich zog es den RTX in den zwei Monaten danach um mehr als 20 Prozent nach oben und auch jetzt liegt das Plus noch bei rund zehn Prozent. 

Grund für die Steigerungen waren Aussagen Trumps, die auf Entspannung und die Knüpfung engerer Verbindungen zwischen USA und Russland zielen. Auch die Kür von Rex Tillerson, Russlandkenner und ex-Chef des Ölgiganten Exxon Mobil, war ein klares Frühsignal für eine Annäherung der beiden Mächte. 

Anleger spekulieren auf ein Ende der Sanktionen

Es mag vielleicht noch etwas dauern, aber möglicherweise ist bald auch Schluss mit den Sanktionen gegen Russland. Anleger fragen sich da natürlich: Warum sollte die Börse Moskau dann nicht wieder da stehen, wo sie vor Beginn der Sanktionen war? 2014 standen noch mehr als 2000 Punkte im RTX und 2013 waren es fast schon 2500 Indexzähler. Möglicherweise erlebt das Land bei engeren Beziehungen zu USA einen Wirtschaftsaufschwung und die Kurse klettern noch weit höher. 

Seit letzter Woche gibt es sogar neue Fantasie auf ein Ende der Sanktionen. Zum ersten Mal seit vier Jahren war Russlands Aussenminister Sergej Lawrow zu Gast in Washington. Unter US-Präsident Barrack Obama war das Verhältnis der beiden Länder soweit abgekühlt, dass der russische Chefdiplomat die USA seither nicht besucht hatte. Neben einem Treffen mit US-Aussenminister Tillerson stand dann unerwartet auch ein Besuch bei Trump auf dem Programm. Danach äusserte der Präsident der USA die Hoffnung auf bessere Beziehungen der beiden Länder. 

Die Politik macht eine Kehrtwende

Das ist eine 180-Grad-Wende zu Obamas-Politik und könnte Russland wirtschaftlich wieder auf die Beine helfen. Immerhin rutschte das Land infolge Rohstoffkrise und Sanktionen schon 2015 mit einer Wirtschaftsschrumpfung um 3,7 Prozent in die Rezession und auch im vergangenen Jahr ging die Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent zurück.  

Anleger, die auf Russlands Börse und den breiten Aktienmarkt mit dem RTX setzen wollen, greifen zu einem Partizipations-Zertifikat (ISIN: CH0023001958, Laufzeit endlos, Bezugsverhältnis 100:1, nicht währungsgesichert) und sind damit ohne Hebel an der Kursentwicklung des Index beteiligt. 

Der RTX könnte jetzt nach oben ausbrechen

Dabei besteht im RTX derzeit nicht nur fundamentale Phantasie, sondern auch die Chance auf einen charttechnisch bedingten schnellen Kursschub. Denn aktuell notiert der Index nicht nur knapp über der 200-Tage-Linie und kann von dort möglicherweise schon in wenigen Tagen nach oben abprallen, sondern auch die 100-Tage-Linie etwas weiter oben könnte ganz schnell drin sein. Springt der Index über diese Marke, könnten die Hochs von Januar von rund 1 650 Punkten schon bald fallen. Anleger setzen auf den Ausbruch.

Wer dagegen auf Einzelwerte setzen will, der sollte sich einmal Rosneft ansehen (ISIN: US67812M2070). Nachdem die Aktie des Ölkonzerns zwischen März 2016 und Jahresende von 300 auf bis zu 425 Rubel steigen konnte, ist der Kurs in den letzten Monaten wieder auf das Ausgangsniveau zurückgefallen. Dort ist aber eine starke Unterstützung und möglicherweise kommt es von nun zum schnellen Rebound wieder nach oben. 

Stark zulegen konnte auch Sberbank (ISIN: US80585Y3080) im letzten Jahr. Der Kurs der Bank-Aktie hat sich in 2016 verdoppelt und notiert immer noch im Bereich des Hochs. Sollte ein Ende der Sanktionen kommen, würd das Finanzhaus wahrscheinlich deutlich profitieren – vom Wirtschaftsaufschwung und einer Normalisierung in internationalen Geldgeschäften. 

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