Frankreich: 0,3 Prozent Zuwachs im vierten Quartal 2013. Deutschland: 0,4 Prozent Anstieg. Italien: Plus 0,1 Prozent und damit der erste Zuwachs in einem Dreimonatszeitraum seit Mitte 2011. Portugal schaffte zwischen Oktober und Dezember sogar ein Plus von 0,5 Prozent. Noch schneller ging es in den Niederlanden nach oben. In den letzten drei Monaten von 2013 legte die Wirtschaftsleistung im Land um 0,7 Prozent zu – so stark wie seit Ende 2010 nicht mehr.

Mit den vor wenigen Tagen von der europäischen Statistikbehörde präsentierten vorläufigen Konjunkturdaten wird klar: Nach drei Jahren Flaute scheint der Euro-Raum langsam wieder zum Leben zu erwachen. Immerhin meldete eine Reihe von Euro-Ländern im vierten Quartal überraschend starke Wachstumsraten. Insgesamt schafften die Volkswirtschaften der 18 Länder des Währungsraums im Schlussquartal ein Plus von 0,3 Prozent – bei weiter steigender Dynamik. Im dritten Quartal gab es im Euro-Raum nur ein müdes Plus von 0,1 Prozent.

Aktienkurse gestiegen – da ist aber noch mehr drin

Börsianer allerdings hatten den beginnenden Wiederaufschwung des Euro-Raums offensichtlich korrekt vorausgesehen. Denn bereits ab Juli 2013 fingen wichtige Börsen in Europa an zu laufen. So kletterte der Euro Stoxx 50 um 500 Punkte oder 20 Prozent. Der DAX schaffte ein Plus von 1600 Punkten – ebenfalls ein Plus von 20 Prozent und damit genauso viel wie der MIB in Mailand. Der portugiesische PSI kletterte sogar um 30 Prozent, und auch im spanischen IBEX 35 gab es einen Kursanstieg um 25 Prozent. Legt man dabei die Kursentwicklung und Konjunkturdaten der Euro-Länder aufeinander, bestätigt sich eine alte Börsenweisheit: Die Börsen nehmen die Entwicklung der Wirtschaft sechs Monate voraus.

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Diese Kursgewinne dürften allerdings nicht das Ende sein. Denn schon ohne die unerwartet starken Zuwächse in den letzten drei Monaten hielten Ökonomen für den Euro-Raum 2014 ein Wachstumsplus von 0,9 und 2015 von 1,0 Prozent für möglich. Nach der Überraschung im Schlussquartal setzen Anleger nun auf eine unerwartet starke Dynamik in den nächsten Monaten und fragen sich: Wo stecken die grössten Kurschancen?

Niederlande haben Nachholpotenzial

Vergleicht man die Konjunkturdaten im Schlussquartal mit den Kurssteigerungen der jeweiligen Landesbörse, scheint der AEX, der Leitindex der Niederlande, Nachholbedarf zu besitzen. Denn trotz des hohen Wirtschaftswachstums von 0,7 Prozent schaffte die Börse Amsterdam seit Juli nur ein Plus von 15 Prozent. Und auch seit 2012 bleibt Oranje mit einem Plus von 25 Prozent klar hinter anderen Aktienmärkten zurück. Auch Frankreichs CAC 40 läuft bisher hinter anderen Euro-Börsen her. Seit Juli beträgt das Plus ebenfalls nur 15 Prozent. Und während andere Aktienmärkte auf Allzeithoch notieren, dümpelt die Pariser Börse noch 40 Prozent unter ihren 2000er-Rekordwerten.

Und dann die Katastrophenbörse in Athen: Zwar kletterte der Leitindex Athex seit Juli um 50 Prozent – und nahm damit ebenfalls die überraschend bessere griechische Konjunkturentwicklung des Schlussquartals vorweg. Doch von alten Hochs trennen den Markt noch Lichtjahre: 130 Prozent sind es zum 2009er-Hoch und sogar 320 Prozent zu den Rekorden von 2007.

Börse Athen – grosse spekulative Chancen

Während insbesondere die Börse in Amsterdam wohl das interessanteste Chance-Risiko-Profil ausweisen dürfte, sind die Risiken in Griechenland zwar weit höher, doch eben auch die Gewinnchancen. Entsprechend wählen konservative Anleger, die auf den Wiederaufschwung der Euro-Zone setzen wollen, eher ein Investment in den Niederlanden oder Frankreich. Spekulativ orientierte Börsianer greifen dagegen zur griechischen Anlage. Im Schlussquartal schrumpfte die griechische Wirtschaft überraschend nur um 2,6 Prozent, und über das ganze Jahr betrachtet erreichte das Land erstmals seit 65 Jahren wieder einen Leistungsbilanzüberschuss. Schafft Hellas im Laufe von 2014 wieder positive Zuwächse, könnte das die Börse in Athen noch mächtig beflügeln. 

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Vier Top-Picks

PostNL (ISIN: NL0009739416): Das Postunternehmen ist in den Niederlanden, in Deutschland, Italien und Grossbritannien aktiv. Beschleunigt sich der Konjunkturaufschwung, dürfte PostNL deutlich profitieren. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8 ist die Aktie eine der günstigsten im niederländischen Aktienindex AEX.

Corio (ISIN: NL0000288967): Mit einer Dividendenrendite von 6,8 Prozent zählt das Immobilienunternehmen, das sich auf Einkaufszentren in Spitzenlagen unter anderem in den Niederlanden, in Frankreich, Deutschland und Italien fokussiert, zu den Top-Dividendenwerten auf dem AEX-Kurszettel.

Crédit Agricole (ISIN: FR0000045072): Die Aktie der französischen Bank notiert kurz vor dem Widerstand im Bereich von 12 Euro. Klappt der Sprung über die Marke, winken weitere Kursgewinne in Richtung 14 Euro.

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Zertifikat auf den FTSE ASE 20 (CH0021605842): Mit einem Indexzertifikat der UBS auf die grössten Standardwerte Griechenlands spekulieren risikofreudige Anleger auf den Sprung des Landes zurück zu positiven Wachstumsraten.