Wir haben lange über das erwartete Wirtschaftswachstum in der Eurozone für 2014 und 2015 diskutiert. Die Situation unterscheidet sich sehr von jener in den USA. Jede Volkswirtschaft hat eine natürliche Tendenz, Wachstumstrends zu folgen. Das passiert nur dann nicht, wenn sie etwas daran hindert. Dieses «Etwas» können ein plötzlicher Schock oder anhaltende Hemmfaktoren sein.

Die Eurozone hatte zwei solche Faktoren in den Jahren 2011 und 2012: Eine starke Straffung der Finanzpolitik und die Eurokrise. Das verschlechterte die Finanzkonditionen der Umgebung und deren Kreditversorgung und gleichzeitig versetzte es dem Selbstvertrauen der Privatwirtschaft im Eurosektor einen herben Schlag.

Grosse Ungleichgewichte in der Eurozone

Nun verschwinden diese Hindernisse eines nach dem anderen, und das Wachstum kehrt zur Normalität zurück. Für eine Region mit einer massiven Produktionslücke wird eine Reihe von Ereignissen erwartet, welche das Wachstum überdurchschnittlich ankurbeln. Üblicherweise kommen diese in Form von privatwirtschaftlichen Reaktionen auf eine erhebliche Lockerung der Regulatorien daher, möglicherweise unterstützt vom Nachholbedarf nach Gebrauchsgütern.

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Genau das passiert in den USA – aber nicht in der Eurozone. Die sehr gemischten Meinungen über das Ausmass der Ungleichgewichte bedeuten, dass der Privatsektor noch nicht ausreichend auf die Politik reagiert. Dazu kommt, dass die Geldpolitik zum jetzigen Zeitpunkt zu strikt ist.

Europa bleibt zurück

Wir glauben daher, dass Europa mittelfristig gegenüber den anderen entwickelten Regionen weniger wachsen wird, da es grössere und weiter verbreitete interne Ungleichgewichte gibt. Zudem gibt es in der Region politische Kräfte, die bezüglich Geldpolitik weitere Einschränkungen in Betracht ziehen könnten. Trotzdem wird sich die zugrunde liegende wirtschaftliche Dynamik deutlich verbessern.