Am 22. Januar hat die EZB nun, wie von den Märkten seit einiger Zeit erwartet, ein Anleihenkaufprogramm angekündigt. Die Europäische Zentralbank will bis zum September 2016 jeden Monat Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro kaufen, insgesamt rund 1,1 Billionen Euro. Damit liegt sie am oberen Rand der Erwartungen. Entsprechend hat sich der Euro gegenüber den meisten Währungen nochmals abgeschwächt, und die Zinsen in der Europeripherie sind auf neue Tiefststände gesunken.

Mit der Ankündigung von Staatsanleihenkäufen will die EZB die Finanzmärkte davon überzeugen, dass sie gewillt ist, ihr Inflationsziel von rund 2 Prozent zu erreichen und die gefürchtete Deflationsspirale zu verhindern. Betrachtet man die Entwicklung der langfristigen Inflationserwartungen in der Eurozone, so scheinen die Anleger zumindest teilweise an die Wirksamkeit des neuen Programms zu glauben. Von einem Tiefststand von unter 1,5 Prozent sind die Erwartungen wieder auf über 1,7 Prozent angestiegen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Wirkung nachhaltig sein kann.

Die SNB gibt auf, aus Angst vor weiteren Interventionen

Die quantitative Lockerung soll aber nicht nur die Inflation anschieben, sondern auch den Euro schwächen. Das zumindest ist der EZB indirekt bereits gelungen. Die sich abzeichnende quantitative Lockerung der Europäischen Zentralbank hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) dazu veranlasst, noch vor Beginn der Anleihenkäufe den Euro-Mindestkurs aufzuheben. Noch in der Lagebeurteilung vom 11. Dezember war die Rede von gestiegenen Deflationsrisiken in der Schweiz, und die Inflationserwartungen wurden nach unten angepasst. Dies war in der Vergangenheit das wichtigste Argument der SNB für die Untergrenze.

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Grund für das Einknicken der SNB war offenbar die Angst vor steigenden Interventionen. Hochgerechnet auf einen Monat hätte die SNB allein im Januar für rund 100 Milliarden Franken intervenieren müssen – ohne Aussicht auf ein rasches Ende. Insofern ist der Rückzug der SNB nachvollziehbar, trotzdem hat sie damit aber an Glaubwürdigkeit verloren. Die Nationalbank hat stets ihre Bereitschaft betont, unbeschränkt Devisen zu kaufen. Entsprechende Beteuerungen würden nun in Zukunft nicht mehr ernst genommen.

Schwierige Zeiten für die Schweizer Wirtschaft

Ganz aus dem Schneider ist die SNB zudem noch nicht. Es ist davon auszugehen, dass sie auch in den kommenden Wochen und Monaten am Devisenmarkt intervenieren wird. Die Liquiditätsspritzen der EZB, Diskussionen über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone, der stattfinden kann, und eine damit einhergehende Unsicherheit in Bezug auf die Zukunft der Währungsunion, aber auch anhaltende geopolitische Risiken werden den Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken hoch halten. Die Schweizer Exportwirtschaft wird unter dem teuren Franken leiden, und das Wirtschaftswachstum wird deutlich an Dynamik verlieren.

Trotzdem sind fiskalpolitische Schnellschüsse fehl am Platz. Durchaus überlegenswert ist aber die Idee, die Extremsituation negativer Zinsen in der Schweiz zu nutzen. Anleger bezahlen die Eidgenossenschaft im aktuellen Umfeld dafür, dass sie ihr Geld leihen dürfen und dies auch für lange Laufzeiten. Die Schweiz könnte so langfristig sinnvolle Infrastrukturprojekte extrem günstig finanzieren und dadurch auch gleich einen Teil der wegen des starken Frankens wegfallenden Auslandnachfrage kompensieren. Wie immer liegt aber der Teufel im Detail, und die Gefahr ist gross, dass die in dieser Hinsicht günstige Ausgangslage im langwierigen politischen Prozess verpuffen wird.

Thomas Liebi ist Chefökonom beim Fondsanbieter Swisscanto.